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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an Aluspezialisten



Lone Wolf
22.04.2007, 18:01
Es gibt viele Alurahmen die in Fernost hergestellt werden und "roh" nach Deutschland kommen und dann hier Pulverbeschichtet werden. Beim Schweißen von Alu entstehen im Material Verspannungen die durch eine Wärmebehandlung wieder ausgeglichen werden. Bei der beliebten 6061 T6 Legierung besagt das Kürzel T6, dass das Material einmal für 18 Stunden bei 320 Fahrenheit gelagert wird und dann langsam abkühlt und dann nochmals für 8 Stunden bei 350 Fahrenheit.
Jetzt zu meiner Frage, eine Pulverbeschichtung wird bei etwa 200 Grad eingebrannt, das ist mehr als die oben genannten Temperaturen. Wirkt sich das nicht negativ auf das Alu Material aus? Die Wärmebehandlung erfolgte ja vor dem Pulvern. Es gibt doch hier einige Leute die beruflich mit Alu zu tun haben. Bitte um Antwort. Laßt mich nicht dumm sterben.:)

marvin
22.04.2007, 20:20
Also ich bin zwar kein ausgewiesener Spezialist, aber allein schon um das Thema wieder nach oben zu bringen:

Bei der Wärmebehandlung werden - wie Du richtig schreibst - Spannungen aus dem Material genommen, die beim Schweissen entstanden sind. Wenn nun die Wärmebehandlung erfolgreich absolviert wurde, ist der Rahmen spannungsfrei, also quasi homogen.
Wenn ich diesen Rahmen dann erwärme, um das Pulver zum Schmelzen zu bringen, so macht ihm das garnichts, denn er ist ja spannungsfrei und die Hitzeeinwirkung beim Pulvern geschieht - im starken Gegensatz zum Schweissen - absolut gleichmässig.

Soviel zu meiner Theorie - mal wieder rein aus dem Bauch raus - ohne grösseren wissenschaftlichen Hintergrund.
So und jetzt dürfen mich die Spezialisten in der Luft zerreissen :D

OCLV
22.04.2007, 20:28
So sehe ich das eigentlich auch! Einzige Ausnahme dürfte sein, dass sich der Rahmen etwas verzieht, wenn er nochmals "aufgebacken" wird! :) Das hängt davon ab, wie er aufgehängt wird beim pulvern.

marvin
22.04.2007, 20:35
Einzige Ausnahme dürfte sein, dass sich der Rahmen etwas verzieht, wenn er nochmals "aufgebacken" wird! :) Das hängt davon ab, wie er aufgehängt wird beim pulvern.
Genau das war ja die eigentliche Frage. Und ich würde mal behaupten, dass das nicht der Fall ist - sofern die Wärmebehandlung sorgfältig und materialgerecht durchgeführt wurde. Und das ist natürlich ein Kostenfaktor, denn eine sorgfältige Wärmebehandlung kostet erheblich Lagerkapazität und Heizkosten - ich kann mir sehr gut vorstellen, dass da bei Produktionsspitzen gerne mal "dran gedreht" wird.

showdown
22.04.2007, 20:52
Andererseits: wie lange kommen die gepulverten Werkstücke denn zum Backen nochmal in den Ofen ? Geht das nicht zu schnell, als daß da noch was passieren könnte ?

124tobi
22.04.2007, 21:04
Bei der Wärmebehandlung werden - wie Du richtig schreibst - Spannungen aus dem Material genommen, die beim Schweissen entstanden sind. Wenn nun die Wärmebehandlung erfolgreich absolviert wurde, ist der Rahmen spannungsfrei, also quasi homogen.
Richtig



Wenn ich diesen Rahmen dann erwärme, um das Pulver zum Schmelzen zu bringen, so macht ihm das garnichts, denn er ist ja spannungsfrei und die Hitzeeinwirkung beim Pulvern geschieht - im starken Gegensatz zum Schweissen - absolut gleichmässig. stimmt fast

viel wichtiger ist dann der anschließende Abkühlvorgang, der sollte so langsam wie möglich stattfinden damit es im Bauteil keine größeren T-unterschiede gibt,

da ich nicht weiß, wie GEPULVERT wird, kann ich keine Aussage zur Auswirkung auf den Rahmen (in Bezug auf Verzug etc.) machen - ihr sagt 200°C aber wo? das pulver, die KAmmer , der Rahmen ??

kampfgnom
23.04.2007, 00:02
Wenn ich jetzt mal annehme, dass der Rahmen nicht KTL-beschichtet wird wird er elektrisch leitend (geerdet) an einen Rahmen gehängt und mit statisch aufgeladenem Pulver benebelt, welches sich dann auf der Oberfläche niederschlägt. Dieses Gebilde wird dann in eine Ofenstraße gefahren (Großserie), wo er innerhalb von rund 20min auf die jeweilige Temperatur (180-240°C) zum Sintern/Aufschmelzen des Puders aufgeheizt wird. Für sensible Bauteile gibt es dann noch Abkühlstrecken, die sind aber wohl nicht üblich...

Würde die Beschichtungstemperatur zu lange gehalten könnte der Werkstoff verspröden, bei 20min sollte das aber kein Problem darstellen.