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clone
16.08.2007, 18:46
Hallo zusammen

Meine Freundin hat nun auch das Radfieber gepackt. Zur Zeit kurvt sie nun mit einem alten Rad von mir rum, dass ihr jedoch etwas zu gross ist.
Meine Frage nun: Lohnt es sich ein Rad mit Frauengeometrie zu kaufen, oder ist das blos Marketing? Irgendwelche empfehlungen?

Danke schonmal

Sean Kelly
16.08.2007, 18:54
Rennfahrerinnen fahren die gleichen Kisten, wie ihre männlichen Kollegen.

O.k., vielleicht kommt ein anderer Sattel drauf.

mtbbee
16.08.2007, 19:45
Fahre normalen Rahmen, allerdings die Kindergröße 49 ;) mit einer Oberrohrlänge von 51.5. Ist das kleinste, was bei Speci möglich war. Paßt allerdings bestens. Sattel ist das einzige "Damen" - hafte : SLK Lady Gel Flow.
Denke es kommt auf die Proportion und Körpergröße an. Wenn ihr Dein Rad nur etwas zu groß ist und es ihr ansonsten Spaß macht, nimmt Du z.b. einen Rahmen, welcher 2cm kürzer ist oder besser vermessen lassen.

Mr.T
16.08.2007, 20:21
Hallo,
Erstmal herzlichen Glückwunsch zum gemeinsamen Hobby!

Meine Freundin fährt nun seit etwa zwei Jahren mit mir Rennrad, die Erfahrungen aus dieser Zeit fasse ich nun in folgender Abhandlung zusammen:

Ob Deine Freundin ein Rad mit Frauengeometrie braucht, hängt meines Erachtens von zwei Faktoren ab.

1. Körpergröße

Ich bin der Meinung, dass eine Frauengeometrie vor allem sinnvoll ist für Frauen, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als 170 cm. Vor allem bei sehr kleinen Rahmengrößen weichen Frauengeometrien von den Standard - Rahmenmaßen ab, damit ein kürzerer Rahmen erreicht wird. Frauen haben im Vergleich zu Männern längere Beine und dafür einen kürzeren Oberkörper. Bei gleicher Beinlänge, also gleicher Rahmengröße, muss der Frauenrahmen daher kürzer sein, will man nicht mit einem (sich auf die Fahreigenschaften negativ auswirkenden) Stummelvorbau durch die Gegend fahren. Da jedoch gerade bei kleinen Größen durch die Verkürzung des Rahmens das Vorderrad irgendwann das Unterrohr im Weg rum geht, weist eine Frauengeometrie regelmäßig einen flacheren Lenkwinkel auf, damit das Vorderrad wieder Luft bekommt.
Bei Körpergrößen von mehr als 170cm kann gerade bei Sloping - Geometrien (abfallendes Oberrohr) oft einfach der Rahmen eine Nummer in Verbindung mit einer weiter herausgezogenen Sattelstütze kleiner gewählt werden. Zudem kann man sich nach einem Hersteller umsehen, der verhältnismäßig kurze Oberrohre verbaut (auch hier gibt´s deutliche Unterschiede).

2. Die gewünschte Sportlichkeit der Sitzposition, d.h. Überhöhung

Frauengeometrien weisen ein längeres Steuerrohr und damit eine geringere durch den Rahmen vorgegebene Überhöhung auf. Sicherlich kann man auch beim Standard - Rahmen viel durch einen anderen Vorbau ausgleichen, aber wirklich schön ist das dann erzielte Ergebnis meist nicht, ein Rennrad - Vorbausollte schließlich eher Flach nach vorne zeigen und auch nicht auf einem Spacerturm tronen (bei der zweiten Alternative setzt auch die Gabelschaftlänge Grenzen).
Mit der Überhöhung ist bei der rennradfahrenden Frau an sich immer vorsichtig umzugehen, da mit steigender Überhöhung das Becken immer stärker nach vorne kippt, was bei Frauen wesentlich schneller Sitzprobleme hervorruft, als dies etwa bei Männern der Fall ist.

Meine Freundin fährt mittlerweile bei 173 cm Körpergröße ein Cube Streamer, Größe 53 cm. Die (von mir gemessene) Oberrohrlänge dieses Rahmens ist 53 cm, die Sitzlänge (Mitte Oberlenker - Sattelspitze) beträgt ebenfalls 53 cm, die Überhöhung (Satteloberfälche oberhalb Lenkermitte) liegt etwa bei 8- 8,5 cm, die Sattelhöhe (Mitte Tretlager - Mitte Sattelgestell) beträgt 65 cm. Das Rad ist mit einem flach montierten Vorbau mit 6 Grad Steigung und 100 mm Länge ausgestattet.

Mit diesem Rad hat meine Freundin bei Touren, die über 3 -4 Stunden nicht hinausgehen, keinerlei nennenswerte Sitz - oder Nackenbeschwerden. Problematisch wird es erst ab 5 - 6 Stunden Fahrzeit, wobei hier wohl die allermeisten das eine oder andere Zipperlein verspüren dürften... . Sicherlich spielt bei derartigen Distanzen auch Gewöhnung und Übung eine Rolle, ich denke aber , das ein passendes Rad hierfür zwar keine hinreichende aber doch notwendige Bedingung ist.

Noch ein Wort zum Antrieb:

Da es meiner Freundin wichtig war, nicht ständig das Kettenblatt zu wechseln und man meiner Meinung nach eine Dreifach-Kurbel nur dann montieren sollte, wenn´s wirklich nicht anders geht, wurde an dem Streamer eine (170 mm lange) 53/39 - Standard-kurbel montiert. Am Hinterrad dreht sich eine 12-25er oder eine 12-27er Kassette, Wobei meine freundin mittlerweile lieber die 12-25 er fährt und zwar wegen der geringeren Sprünge. Sie kommt hirmit in der Münchner Umgebung klar, für Extremfälle ist noch eine 172,5 mm lange 34/50 - Compactkurbel (Shimano Hollowtech II läßt sich prima umstecken) nebst Schaltwerk mit langem Käfig (um die Kette nicht kürzen zu müssen) vorhanden. Diese Kombi musste aber bisher auch auf über 150 km langen RTF´s (der Schnitt lag hier immer so bei 26-27 km/h) hier in Bayern nicht eingesetzt werden.

So das war´s jetzt endlich.
Viel Spaß noch!

dentabiker
16.08.2007, 23:33
Frauengeometrien weisen ein längeres Steuerrohr und damit eine geringere durch den Rahmen vorgegebene Überhöhung auf. Sicherlich kann man auch beim Standard - Rahmen viel durch einen anderen Vorbau ausgleichen, aber wirklich schön ist das dann erzielte Ergebnis meist nicht, ein Rennrad - Vorbausollte schließlich eher Flach nach vorne zeigen und auch nicht auf einem Spacerturm tronen (bei der zweiten Alternative setzt auch die Gabelschaftlänge Grenzen).
Mit der Überhöhung ist bei der rennradfahrenden Frau an sich immer vorsichtig umzugehen, da mit steigender Überhöhung das Becken immer stärker nach vorne kippt, was bei Frauen wesentlich schneller Sitzprobleme hervorruft, als dies etwa bei Männern der Fall ist.




dies kann meine rennradfahrende bessere hälfte zu 100% bestätigen.

gruß dentabiker

http://www.rennrad-news.de/fotos/data/500/thumbs/chesini.JPG (http://www.rennrad-news.de/fotos/showphoto.php/photo/18421)

victim of fate
16.08.2007, 23:37
Nix da spezieller Rahmen oder Sattel. Wo kommen wir denn da hin?
Was würde denn Alice Schwarzer dazu sagen? *g*

killy
17.08.2007, 09:04
Hallo,
vor 2 oder 3 Monaten war in der Tour ein Bericht über Damen-Rennräder.
Fazit: die Rahmengeometrie war bei den meisten identisch mit dem Herrenmodell,
aber die Damenräder waren zum Teil deutlich schwerer, als die von den männlichen Kollegen in der gleichen Preislage...:(

Die angebotenen Damenrennräder sind in meinen Augen mehrheitlich nur ein Werbegag. Vielleicht ist die ein oder andere sinnvolle Lösung dabei, aber das kommt dann immer auf den Einzelfall an.

Ich fahre mit 163 Körpergrösse einen Storck Vision Rahmen mit 51 cm Rahmenhöhe und bin restlos zufrieden. Als ich das Rad vor 2 Jahren gekauft hab, hab ich mich auch mit dem Thema beschäftigt.
Bei gleichem Preis waren die angebotenen Damenrennräder fast alle schlechter ausgestattet, als das vergleichbare Herrenmodell.
Dafür gab es sie dann in Rosa oder mit Blümchendekor....:9confused

Auch beim Sattel bin ich mittlerweile von den sogenannten Damensätteln abgekommen und hab mit einem Specialized Alias in 143 mm Breite einen super Sitzplatz gefunden.
Einziges Zugeständnis sind 2 Spacerringe um die Überhöhung etwas zu entschärfen, aber das ist eigendlich mehr meinen Halswirbeln geschuldet...:ü

Was bei Körpergrössen von 165 oder kleiner eine Überlegung wert ist, sind 26" Laufräder. Bei 28" kommts schon mal vor, dass man, bei stark eingeschlagenem Lenker und entsprechender Pedalstellung, Schuhe und Vorderad auf Kollisionskurs bringt...:eek:

Alpenbiker
17.08.2007, 10:10
Ich habe für meine Rennmaus (169cm) letztes Jahr ein neues Rad aufgebaut.
Wichtig war mir, das das Rad dem Gewicht der Fahrerin (51 kg) angemessen sein sollte, besonders, da der Einsatzschwerpunkt die Alpenpässe sind. Viele der Modelle die die Hersteller für Damen anbieten sind aber eher schwerer als vergleichbarer Normalmodelle. Wenn ich (75 kg) ein 8-kg-Rad fahre, müsste sie eigentlich ein 5,5 kg Rad fahren, damit die Relationen stimmen. Ganz hat das noch nicht geklappt (momentan 6,5 kg).
Ich habe einen Scott CR1 (52cm) mit Campa Rekord aufgebaut. Das etwas längere Steuerrohr des CR1 und ein paar Spacer sorgen für eine eher geringe Überhöhung.
Für ein anderes Problem habe ich bisher auch noch keine vollständig befriedigende Lösung gefunden: die kleinen Hände!
Da mein Mädel Campa fährt und etwas anderes für sie nicht in Frage kommt, ist der weite Abstand zum Bremshebel in Unterlenkerhaltung immer unbefriedigend. Um dies etwas zu Entschärfen, habe ich am CR1 einen Specialized Carbon-Damenlenker (Ruby) eingesetzt, der durch seine Biegung den Abstand möglichst gering hält.
Sitzen: Nach einigem Probieren hat sie mit dem Sattel Spezcialized Toupe jetzt eine gute Lösung gefunden. Außerdem für Touren >6 Stunden: Hose Assos Fi Lady.

showdown
17.08.2007, 12:55
Viel richtiges wurde ja hier schon gesagt.

Insbesondere, daß Damenräder meist gar keine Damen-Geometrie haben, mit dem man dem Damenwunsch nach etwas aufrechterem Sitzen durch kürzeres Oberrohr und weniger Überhöhung auch wirklich entgegenkäme.

Ergo: Herrenrahmen mit relativ langem Steuer- und relativ kurzem Oberrohr und kürzerem Vorbau tun´s bei "mittlekleinen" Damen oft sehr gut.

Und bei wirklich kleinen Damen würde auch ich zum 26" Rad neigen. 46er oder 48 Rahmen sehen bei 28" immer bissle nach verkorkstem Kinderrad aus. Abgesehen davon, daß (eben bei den Mini 28" Rahmen) die Geometrie und damit angenehmes Fahren unter extrem steilen Sitz- und extrem flachen Lenkwinkel doch merklich leidet.

Bei der Erreichbarkeit der STI kann man (nicht nur für seine Lady) als Shimano-Fahrer die short-reach Hebel (Ultegra-) ST-R700 (bei Rose im Rahmen des custom Programms) ans Rad machen lassen oder zumindest in die Standard-STI die Reduzierstücke einsetzen. :)

UweR
17.08.2007, 16:15
Hier ist unser "verkorkstes Kinderrad" :) meines 168 cm großen Zwergs, mit dem wir morgen in Hannover an den Start gehen. Zur Griffweite hatte ich mir im Forum einige Meinungen eingeholt, es ist letztendlich der 3T Eva Lenker geworden. Im Vergleich zum vorherigen Lenker mit alten Ergos sind wir jetzt über eineinhalb Centimeter näher am Lenker.

Meine Wegbegleiterin ist offensichtlich ein Paradebeispiel für eine Maßanfertigung! Da wir auf Langstrecken noch einen Aufsatz montieren, darf die Überhöhung nur minimal sein, sonst gibt´s die beschriebenen Sitzprobleme nach mehreren Stunden. Die Profile Stütze verkürzt das Oberrohr nochmals effektiv und, wie ich finde, mit wenig optischen Einbußen. So, wie das Rad jetzt aufgebaut ist, fährt sie aber auch die Unterlenkerposition gerne und häufig.

Rahmen Müsing Izalco Elite RH 48 Mitte - Oben, Mizuno Alpe d´Huez Vollcarbongabel 1 Zoll mit Mizuno Expander, Silva Genius Sattelklemme, Mavic Ksyrium SL Laufräder, SSC Bremsen, Profile Fast Forward Carbon Sattelstütze, Bontrager Carbon Side Entry Flaschenhalter, Centaur Kurbel 48/34 172,5 mm 2006, Schaltung, Kassette, Innenlager, Chorus Ergos 2007, Record Umwerfer und Steuersatz, Suunto T6 Computer (Sender im Schnellspannerhebel), Nokon Züge, 3T Eva Lenker, Look Ergostem Vorbau, PP 396 Pedale, Grand Prix 3000 Reifen (Lauffläche musste zum Rahmen passen! :eek:), Sattel Selle Italia SLR Gel Flow

Jetzt brauchen wir noch Pedale mit geringerer Auslösekraft als die Look (vielleicht Keos passend zum Rahmen).

Edit: Extra für´s Forum (weil ich vergessen habe, sie abzumachen): Die gelben Ventilkappen passen zum "Bewegungsfreiheitsversteller" der Pedale - geil, oder?

Grüße, Uwe