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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welches Fett für Ergopower Innenleben?



JürgenG
21.11.2008, 09:28
Hallo,

ich habe gestern mal einen älteren Athena 8fach-Ergopower auseinandergenommen und das gesamte Innenleben gereinigt. Meine Frage ist nun: Welches Fett nimmt man am besten für die inneren Teile bzw. den Schaltmechanismus. Original drin war ein Fett mit einer (für mich als Laien) ziemlich seifigen, fast wachsartigen Konsistenz, d.h. viel fester als das übliche Kugellagerfett. Sollte man dieses weiße Galli-Fett nehmen, das auch relativ fest ist, oder besser ein anderes?

Das Fett sollte vielleicht eher fest sein, damit es nicht so schnell aus dem relativ offenen Mechanismus herausläuft. Es sollte vielleicht auch ziemlich druckfest sein, um an den Zahnringen nicht so leicht abgeschert zu werden.

Bin für alle sachdienlichen Hinweise dankbar.

Jürgen

OCLV
21.11.2008, 11:21
Galli (aka "Creme21") halte ich für ungeeignet. Hält nicht lange genug.
Lieber was festes wie Castrol LMX. Bleibt länger haften, ist druckstabiler.

Beast
21.11.2008, 11:34
Galli (aka "Creme21") halte ich für ungeeignet. Hält nicht lange genug.


Dem möchte ich mal, mit allem Respekt, widersprechen.

Ich benutze Galli auch für die Ergos und da macht es seinen Job (wie an vielen anderen Stellen) seit Jahren perfekt.

Ist natürlich nicht so hipp und angesagt wie Castrol... :D

Lone Wolf
21.11.2008, 13:24
Ja die Frage nach dem richtigen Fett ruft regelmäßig OCLV auf den Plan und der empfiehlt Castrol LMX. Recht hat er!!! :Applaus:Ich verwende es jetzt auch seit fast zwei Jahren für Innenlager, Pedallager, Sattelstütze. LMX schmier hervorragend, ist sehr stark wasserabweisend und klebt gut auf Metaloberflächen. Und was noch sehr wichtig ist, es ist druckstabil.

Galli Fett sieht aus wie Nivea Creme, fühlt sich so an und schmiert auch nicht viel besser. Ich hatte ein Oktalink Dura Ace Lager (kann man einfach zerlegen und kommt prima an die beiden Nadellager ran) mal mit Galli Fett geschmiert und nach einem Jahr wieder geöffnet. Das Galli Fett war eine wässrige Pampe da schmierte nix mehr. Nein, ich bin nur äußerst selten im Regen gefahren. Galli Fett hält nämlich den Druck nicht aus. Nach einem Jahr mit Castrol LMX war das Fett noch wie neu!
Für Campa Naben mische ich das Castrol Fett aber 1:1 mit Nigrin Lagerfett da das LMX doch etwas zäh ist. Man will ja schließlich ganz leicht laufende Naben. :D Die Sperrklinken vom Freilauf würde ich auch nicht mit LMX schmieren da die Klinken sonst eventuell "kleben" bleiben und nicht mehr greifen.

Joey
21.11.2008, 14:14
Die Sperrklinken vom Freilauf würde ich auch nicht mit LMX schmieren da die Klinken sonst eventuell "kleben" bleiben und nicht mehr greifen.:eek: An Sperrklinken gehört nicht nur kein zähes Fett, sondern gar kein Fett. Mit dem Rest hast du sehr Recht.

MrBurns
21.11.2008, 15:06
zum Thema Schmieren wie die Profis hier was aus dem Forum, wo sich bekanntermassen viele Profis aufhalten:

http://www.rennrad-news.de/forum/showthread.php?t=49975

OCLV
21.11.2008, 21:40
Sperrklinken fette ich auch nur ganz leicht mit Castrol LMX, gehe dann aber nochmal mit dem Ölkännchen drüber und wische es etwas breit sodass es weicher wird. Nach ca. 500 km hört man dann auch den Freilauf wieder. ;)

Das Galli hatte ich selbst 3 Jahre im Einsatz. Zum Fetten von Vorbauschrauben oder so geht es ja. Aber wenn man damit seine Naben z.B. richtig mit Fett füllen will, so dass es auch überall ist und gegen Feuchtigkeit schützt, dann hält das erfahrungsgemäß (nach meiner Erfahrung) nicht so lange und man muss öfter ran. Ich mache die Nabe lieber ganz voll damit und lass es mit der Zeit rausquillen. Das dichtet super ab und drückt mit der Zeit auch immer mal wieder eventuell außen aufliegenden Schmutz weg. Im Mai oder Juni hab ich eine DA Hinterradnabe so gefettet und selbst jetzt noch ausgetretenes Fett abgewischt. :Bluesbrot

hate_your_enemy
21.11.2008, 22:28
zum Thema Schmieren wie die Profis hier was aus dem Forum, wo sich bekanntermassen viele Profis aufhalten:

http://www.rennrad-news.de/forum/showthread.php?t=49975



was für deppen ...

ich hab die erfahrung gemacht, dass das LMX für solche sachen nicht das 100% beste fett ist – vielleicht lieg ich jetzt aber auch komplett falsch. würde das innenleben eher ölen, halt nur ein paar tropfen neoval oder so.

bei meinen rahmenschalthebeln hab ich mit dem lmx die erfahrung gemacht, dass die danach recht schwergägngig waren – hab dann das motorex fett verwendet, dann gings besser.

shimano empfielt z.B. bei den STIs, falls die mal nicht richtig gehen, die zu entfetten ...

clamwinner
21.11.2008, 22:34
Galli (aka "Creme21") halte ich für ungeeignet. Hält nicht lange genug.
Lieber was festes wie Castrol LMX. Bleibt länger haften, ist druckstabiler.

Das LMX gibts beim ATU und ist vollkommen ok. Ebenso als Sattelstützenfett (auch wenn die lieben Kollegen bei Rennrad-news.de meinen, dass draufhin der Rahmen platzt und es unweigerlich zu massiven Stürzen kommen muss :rolleyes:) und Universalfett bestens geeignet.

Das Zeug ist deutlich günstiger und hält länger, da es pastöser ist. Braucht man kein ExtraspezialfettdasnurfürdieseeineAnwendunggeeigne tist


P.S. Weiß einer den Unterschied zum Castrol LM Fett?

OCLV
21.11.2008, 22:40
Hatte mir mal die technischen Spezifikationen angeschaut von LM. War vor etwa 3 Jahren. Soweit ich das in Erinnerung hab, ist es nicht ganz so hitzebeständig (verflüssigt sich schon bei 450 Grad statt bei 600 oder so :D ) und nicht so druckstabil. Letzteres hat bei mir dann den Ausschlag gegeben. Ich wollte das Maximum rausholen in dieser Beziehung und den einen Euro den die Tube mehr kostet war es mir wert. Das LM ist halt nicht ganz so fest.

clamwinner
21.11.2008, 22:43
Hatte mir mal die technischen Spezifikationen angeschaut von LM. War vor etwa 3 Jahren. Soweit ich das in Erinnerung hab, ist es nicht ganz so hitzebeständig (verflüssigt sich schon bei 450 Grad statt bei 600 oder so :D ) und nicht so druckstabil. Letzteres hat bei mir dann den Ausschlag gegeben. Ich wollte das Maximum rausholen in dieser Beziehung und den einen Euro den die Tube mehr kostet war es mir wert. Das LM ist halt nicht ganz so fest.

Naja, ich habs bei mir auch auf der Sattelstütze, obwohl mal es ja "angeblich keinesfalls auf die Sattelstütze" schmieren darf, da die Sattelstütze sonst unweigerlich bei voller Fahrt bergab ins Rohr rutscht und dies zum Sturz fährt.

Denn einige (insbesondere auf rr-news) gehen davon aus, dass nicht die Sattelklemme für die Klemmung verantwortlich ist, sondern das Fett ;) :rolleyes: und Castrol Fett als Lagerfett total ungeeignet ist.

OCLV
21.11.2008, 22:48
Hab das auch nie verstanden, warum man Montagepaste und Lagerfett nehmen sollte...
Wenn das Fett fest genug ist und wasserbeständig auch, wird da nix weggespült und trennt einfach beide Schichten so wie es es soll.
Bei der Montagepaste, speziell auch der der für Carbonteile, kommt es jedoch öfter schonmal vor, dass Teile schweineschwer wieder auseinander zu bekommen sind, weil die wässrigen oder sonst irgendwie fluiden Partikel dadrin sich verdünnisieren mit der Zeit und der reine Feststoffanteil dann im Gewinde oder an der Sattelstütze aushärtet und schön klebt. :rolleyes:

Fazit: Fett überall hin wo es angebracht ist, bei Carbonteilen nicht. Dort lieber fett- und montagepastenfrei montieren. Meine Meinung.

clamwinner
21.11.2008, 22:54
Hab das auch nie verstanden, warum man Montagepaste und Lagerfett nehmen sollte...
Wenn das Fett fest genug ist und wasserbeständig auch, wird da nix weggespült und trennt einfach beide Schichten so wie es es soll.
Bei der Montagepaste, speziell auch der der für Carbonteile, kommt es jedoch öfter schonmal vor, dass Teile schweineschwer wieder auseinander zu bekommen sind, weil die wässrigen oder sonst irgendwie fluiden Partikel dadrin sich verdünnisieren mit der Zeit und der reine Feststoffanteil dann im Gewinde oder an der Sattelstütze aushärtet und schön klebt. :rolleyes:

Fazit: Fett überall hin wo es angebracht ist, bei Carbonteilen nicht. Dort lieber fett- und montagepastenfrei montieren. Meine Meinung.

Meine MTB Sattelstütze (Alu) war im ebenso Alu Rahmen mit Montagepaste montiert, zumindest sah es so aus und roch auch so. Und trotzdem ging sie nach 3 Monaten extrem schwer raus. Sicher nicht, weil sie so minderwertig ist, sondern schlicht, weil sie sich selbst im Sommer schon nach wenigen Regenfahrten vollkommen rausgespült hatte. Naja, zumindest fahre ich jetzt schon seit gut einem Jahr mit einer gefetteten Stütze und da hat sich noch nix verwaschen, im Gegenteil, alles schön da, wo es hin soll. Die Stütze verkratzt nicht und geht wunderbar raus.

tailwind
22.11.2008, 00:03
ziemlich seifigen, fast wachsartigen Konsistenz, d.h. viel fester als das übliche Kugellagerfett.

Hört sich an, als würde das Fett verharzen - das soll ja hin und wieder mal vorkommen.


Für den angedachten Zweck würde ich persönlich kein Fett verwenden, sondern dünnflüssiges Öl oder Silikonspray.


Zum Castrol LMX:
Das Fett ist m. M. n. nicht besser als andere Produkte, sondern lediglich zäher. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Schmierwirkung länger vorhält. Mit steigender Viskosität schwinden aber leider die Leichtlaufeigenschaften, so dass das LMX im Fahrradbereich nicht die beste Wahl ist. Wer ausdauernde Schmierwirkung und Leichtlauf haben will, sollte ein Fett mit Feststoffpartikeln (vorzugsweise MoS2) verwenden.

Gruß

JürgenG
22.11.2008, 01:14
@all: Vielen Dank für die vielen Antworten auf meine Frage. Wahrscheinlich nehme ich die Sache viel zu ernst, und ein Schmiermittel tut es so gut wie das andere. Aber wenn man sich schon die Mühe macht, so ein altes Teil auseinanderzunehmen (und vor allem auch wieder zusammenzubauen), will man halt keine Fehler machen. Ich habe jetzt auch die alte TOUR-Anleitung zur Ergopower-Wartung wieder gefunden, und dort ist nur von "hochwertigem Lithiumfett" die Rede.

Ich habe es jetzt so gemacht: Für den rechten Hebel Hanseline Universalfett, für den linken Hanseline Titanfett (sieht ähnlich wie Galli aus). Mal sehen was wird.

Wen es interessiert: Demontage und Zusammenbau der Athena-Hebel waren nicht ganz einfach, da die Ergopower der 1. Generation auch innen teilweise anders aussehen und die Anleitung in der TOUR 11/2006 nicht ohne weiteres passt. Auch die Explosionszeichnungen auf Campagnolo.com sind offensichtlich nicht 100% zuverlässig: Vom Griffkörper her ("Carbon" Aufschrift) und vom Bremshebel her (Aufschrift "Athena", darunter vier 'Zierlinien') müsste es sich um ein 97er Modell handeln, vom Innenleben her passte jedoch nur die Explosionszeichnung des 96er Modells, und darauf muss man erst mal kommen. Dass die hintere Verschlussschraube des rechten Ergopowers ein Linksgewinde hat, wird in der TOUR-Anleitung übrigens auch verschwiegen.

Also,vielen Dank noch mal, und schönen Abend,

Jürgen

Joey
22.11.2008, 01:18
Dass die hintere Verschlussschraube des rechten Ergopowers ein Linksgewinde hat, wird in der TOUR-Anleitung übrigens auch verschwiegen.Also bitteschön, sowas weiß man! :D Wen interessiert schon die Tour?

OCLV
22.11.2008, 10:10
Die aktuellen/neueren haben kein Linksgewinde.

Joey
22.11.2008, 10:17
Stimmt, aber um die geht's hier nicht.

JürgenG
22.11.2008, 12:09
Die aktuellen/neueren haben kein Linksgewinde.

Oh, dann muss ich meinen Vorwurf an die Tour(-Anleitung) zurückziehen. Einen neueren Ergopower hatte ich bisher noch nicht auseinandergenommen. Aber gut zu wissen. Wenn ich es jetzt versucht hätte, wäre ich zunächst mal von einem Linksgewinde ausgegangen. Und jetzt gibt's ja schon wieder neue, we weiß wie's bei denen ist ...

Tuesday
22.11.2008, 14:11
Für Anwendungen am Fahrrad sollten ganz normale Fette vollkommen ausreichend sein, da diese hier, im Gegensatz zur Industrie, keinen extremen Temperaturen oder Drücken ausgesetzt sind.
Es bestimmt also eher das Wartungsintervall, als die Qualität des eingetzten Schmiermittels, den Erfolg.

Ein lithiumverseiftes Mehrzweckfett wie beispielsweise das Castrol LM ist hier eine gute Wahl - für alle Wälzlager (Naben, aber auch Steuersatz) und andere Schmierstellen am Rad geeignet.
Das Castrol LMX ist für höhere Temperaturen besonders geeignet (schnell drehende Wälzlager - kommt beim Rad aber praktisch nicht vor) und für höhere Druckaufnahmefähigkeit konstruiert (z.b. Steuersatz) - dafür aber eben auch deutlich fester, was im Nabenbereich dem Leichtlauf abträglich ist (zumindest theoretisch).

Wenn man es ganz perfekt gestalten möchte, kann man noch über die Verwendung von Silikonfetten bei der Montage der Schalt- und Bremszüge nachdenken, sofern die zugehörigen Hüllen mit Linern ausgerüstet sind.
Silikonfett soll entgegen den gemeinen Fetten nämlich Kunststoffe nicht quellen lassen.

Montagepasten enthaltem im Gegensatz zu Schmierfetten gewöhnlich Festkörper, welche selbst nach "Verflüchtigung" des Fettes die Reibpartner dauerhaft trennen und vor Korrosion schützen sollen.
Dies besonders bei hohen Drücken und hohen Temperaturen.
Dabei sollen sie den Reibwert, entgegen normalen Schmierfetten, nicht auf ein Minimum senken (abhängig vom verwendeten Schmierfett und Anwendungszweck).
Bestimme metallische Festkörper im Montagepasten können aber auch ungewünschte Nebenerscheinungen in Form gesteigerten Korrosionsverhalten zeigen - Stichwort ist hier die Verwendung von Kupferpaste bei zumindest einem Reibpartner aus Aluminium (wobei im Ergebnis die einzelnen Argumente strittig sind).

Das Beimengen von Festkörpern in normalen Schmierfetten ist nur bei extremen Einflüssen, wie hohem Druck oder hoher Temperatur, sinnvoll.