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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : konusnaben-fetischisten sind gefragt



ivan
21.11.2008, 17:26
ein berühmter zweirad-philosoph schreibt auf seiner homepage http://www.radplan-delta.de/rennradtechnik/naben.html

Zitat:"Fast alles, was heute an Konusnaben über die Theke geht, ist zu hart eingestellt, da die meisten Käufer ohne Kenntnis des obigen Sachverhaltes meckern würden, wenn sie bei einer neuen Nabe im Laden schon Spiel merkten! Aber genau dann ist es richtig. Man muss der Nabe 500 km Zeit geben, sich einzulaufen, danach kann man geringes Spiel immer noch wegstellen. So bekommt man dauerhafte und glatte Laufbahnen, sonst gibt es Hobelspäne."

Können das mit dem "einfahren" die erfahrenen Kollegen bestätigen?

chill33hh
21.11.2008, 17:29
Jein. Ich würde eine neue Nabe prinzipiell einstellen, aber nicht härter als nötig. Sinn macht die zu harte (Werks)Einstellung aber bei den meisten Radkäufern schon, weil die sicher nicht nach ein paar Hundert Kilometern erneut einstellen werden, was aber Sinn macht, weil sich die Lager tatsächlich einlaufen. Er sagt also was Wahres, nennt aber meiner Ansicht nach den falschen Grund aus technischer Sicht.

PAYE
21.11.2008, 18:02
Ich finde es auch wichtig, neue Konusnaben daraufhin zu kontrollieren, ob sie perfekt eingestellt sind.
Das kann so sein, muss aber nicht!
Je nach verwendetem Schnellspanner und dessen Zugkraft muss die Nabe etwas enger oder weiter gestellt werden.
Bei starkem Schnellspanner (z.B. Standard-Shimano oder -Campa) stelle ich die Nabe lieber etwas weiter ein und ziehe den Schnellspanner dafür kräftiger zu. Bei filigranen tune-Spannern stelle ich die Nabe etwas enger, da der tune-Spanner die Lager nicht so stark klemmt.

Die Begründung von rpd ist so esoterisch wie man es von Moskopp gewohnt ist.
Die "Feinst-Einstellung" von Konusnaben erfolgt ja immer letztlich über den Schnellspanner.

i-flow
21.11.2008, 18:20
Die Story mit den Hobelspaenen kenne ich jetzt nicht, allerdings ist durchaus die ganz korrekte Einstellung so, dass man ein klein wenig Spiel laesst, welches dann vom QR beseitigt wird.
Und um Mecker von dummen Kunden wg. angeblichen Spiels zu vermeiden, liefert man die Naben dann halt (ganz uneigennuetzig) zu straff eingestellt aus ;)

Stell Dir vor, Du seist Lieferant und stuendest vor der Frage: Unberechtigte Reklamationen wg. Spiel oder zu stramm ausliefern und sich ins Faeustchen lachen weil die doofen Kunden auf diese Weise ihr Glump schneller ruinieren, was machst Du? :9confused

Wenn Dich die Leute zu mehr Geschaeft pruegeln wollen, weil sie die Naben lieber so haetten, dass sie nicht so lange halten, dann gibst Du irgendwann dem Druck nach (und verkaufst umso eher die naechsten) ;)
Wer sich auskennt, stellt sich seine Naben dann selber korrekt ein.
Manchmal brauchen die Leute keinen, der sie fuer dumm verkauft. Manchmal sind sie es von ganz alleine :eek:

LG ... Wolfi :)

marvin
21.11.2008, 18:20
Ja, das kann man unterschreiben (bezogen auf Naben mit Hohlachse und Schnellspanner).
Die Hersteller befinden sich da leider in einer Zwickmühle. Liefern sie zu locker aus, wird gemeckert, liefern sie zu hart aus, verringert zwangsläufig sich die Lebensdauer der Nabe.
Wer das Maximum an Lebensdauer und Leichtlauf aus seiner Nabe rausholen möchte, kommt nicht drumrum, sich mit der Einstellerei auseinanderzusetzen.

Bursar
21.11.2008, 18:33
Der Konusnaben-Hersteller würde die Naben nur mit immer gleichem Lagerspiel ausliefern.
Aber jeder knallt seinen Schnellspanner unterschiedlich stark an.
Deswegen soll auch jeder sein Lagerspiel selber einstellen.

rudy
21.11.2008, 18:37
wenn die einstellung des lagers erst im eingespannten zustand des rades stimmig ist, wie kontrolliert ihr dann?

ich habe mir erst kürzlich ein lager in einer campagnolo olympus hr-nabe ruiniert.
eventuell auch, weil der schnellspanner sehr stramm angezogen war. ich hab bisher nämlich so leichtgängig wie möglich, aber immer spielfrei eingestellt.
die nabe war aber leider auch zu wenig geschmiert, was mich überrascht hat. vielleicht hat der anhänger mit seiner belastung noch das übrige getan?
jetzt habe ich die ersatzteile für den austausch des lagers zusammen, die reparatur steht also an.
schade nur, dass die heute erhältlichen ersatzteile in der qualität nicht mit den originalteilen mithalten können. im gegensatz zu den ersatzlagerschalen, deren oberfläche gehärtet ist, waren die alten lagerschalen auch noch hochglanzpoliert.

PAYE
21.11.2008, 18:44
Lagerkontrolle:

-kein seitliches Spiel fühlbar, wenn das Laufrad im Rahmen eingespannt ist und du daran wackelst

-Laufrad pendelt sich trotzdem noch mit schwerstem Punkt nach unten ein (ich klemme einen Spokey Nippelstanner an eine beliebigen Speiche zum Test. Eine Wäscheklammer tut es aber auch).

-Fett: das muss halt drin sein. Kann man von aussen nicht vernüftig sehen.

-Laufgeräusche wie ein Hamsterrad: entweder Billignabe oder [beginnender] Lagerschaden.

marvin
21.11.2008, 18:46
wenn die einstellung des lagers erst im eingespannten zustand des rades stimmig ist, wie kontrolliert ihr dann?
Es gibt ja nur die eine Möglichkeit, sich aus "Richtung locker" langsam heranzutasten, denn ob die Nabe zu fest eingestellt ist, kann man im eingesetzten Zustand kaum erkennen.
Also lieber erst zu locker einstellen, einbauen, prüfen, ggf. wieder ausbauen und noch etwas fester machen.

SpacemanSpiff
21.11.2008, 19:11
Ich habe einmal von jemand gesagt bekommen, dass er zum Einstellen im ausgebauten Zustand einen Schnellspanner durch die Nabe macht (evtl. mit Abstandshülsen, damit er nicht zu lang ist um zu klemmen) und diesen dann mit der von ihm gewohnten Spannkraft zu macht.
Somit kann er die Naben im ausgebauten Zustand perfekt einstellen, ohne dass der Schnellspanner beim Einbau die Lager zu fest spannt.

Ich habe das allerdings selber noch nie ausprobiert.

Grüße
Johannes

dresscode
21.11.2008, 19:22
Das liest sich nach einem praktikablen Tip.

rocco
21.11.2008, 19:47
Ich habe einmal von jemand gesagt bekommen, dass er zum Einstellen im ausgebauten Zustand einen Schnellspanner durch die Nabe macht (evtl. mit Abstandshülsen, damit er nicht zu lang ist um zu klemmen) und diesen dann mit der von ihm gewohnten Spannkraft zu macht.
Somit kann er die Naben im ausgebauten Zustand perfekt einstellen, ohne dass der Schnellspanner beim Einbau die Lager zu fest spannt.

Ich habe das allerdings selber noch nie ausprobiert.

Grüße
Johannes

klingt gut
werde ich mal probieren...

ritzelman
21.11.2008, 21:23
klingt gut
werde ich mal probieren...

hier (http://sheldonbrown.com/cone-adjustment.html)

gibt es noch eine Anregung für ein "Klemmwerkzeug".

Al_Borland
21.11.2008, 21:27
wie soll das gehen? die klemmung des schnellspanners lockert sich doch, sobald man die konen enger stellt (bzw. anders rum - er klemmt noch stärker, je weiter die konen auseinander kommen). ich denke, um etwas erfahrung kommt man nicht herum, wenn es ums einstellen des lagerspiels geht.

SpacemanSpiff
21.11.2008, 22:10
Zum einstellen klemmt man den Schnellspanner ja nicht gegen die Konen (bzw. deren Kontermuttern) sondern gegen die Achse...
Dabei wird dann natürlich das Gewindespiel, was im eingebauten Zustand unter Spannung auch die Konen mit beeinflusst nicht berücksichtigt, da hast du Recht... (wobei die Frage ist, ob das etwas zur Sache tut, wenn alles ordentlich gekontert ist...)

Muss man einfach mal ausprobieren denke ich... meine Naben sind aber gerade super eingestellt...:ä

quaentchen
21.11.2008, 22:45
OK, durch "konusnaben-fetischist" fühl ich mich angesprochen.

Wo hier von "Nabenherstellern" die Rede, wollte ich doch mal abfragen,
was denn von den zwar mittlerweile 20 Jahre alten aber noch
jungfräulichen Produkten eines italienischen Herstellers zu halten ist
(auf ebay heißt der "Brev Camagnollo, oder so). Die
Vollachsen-Bahnnaben sind fühlbar leichter eingestellt als die
C-Record Straßennabe, von denen ich letztens eine (wenn ich den posts
hier glaube) fahrlässigerweise "einfach so aus dem Kasten"
eingespeicht habe. Und ich glaube, alle hier haben eine Vorstellung
davon, wie sich sowas dreht nach 1000km, einfach traumhaft natürlich.

Fetischist oder nicht, ihr wollt mir hier nicht wirklich erzählen,
dass ihr solche Naben noch vor dem ersten Fettwechsel nachstellt.

Thomas

ivan
21.11.2008, 23:51
ich fasse also zusammen (korrigiert mich, wenn nötig):

auch die neuen Naben stellt frau/man exakt, d.h. gerade noch spielfrei. Wenn dann aber nach einigen hundert km Spiel aufkommt, sollte frau/man nicht den Verkäufer anfahren, sondern die eingelaufenen Naben noch mal eistellen.

Mensch! ist das einfach (wenn man´s nur weiß). Das gechört schon fast ins Bereich des Genialen.

Sigi Sommer
22.11.2008, 09:27
Bei den letzten beiden Campa LRS (Eurus + Neutron Ultra) waren beide HR-Naben im nicht verbauten Zustand bereits deutlich zu stramm eingestellt, liefen hakelig/eckig. Unverständlich, da das Einstellen bei diesen Naben eine Sache von einer Minute ist.

Gruß!

q314
22.11.2008, 10:13
auch die neuen Naben stellt frau/man exakt, d.h. gerade noch spielfrei.


muß man m.M.n. nicht. Man kann die Nabe auch so einstellen, daß die Achse vor dem Radeinbau *minimales* Spiel (soll heißen: genau die Grenze zwischen "nicht mehr verringerbarem Spiel" und "spielfrei") hat, wenn man an der Achse rüttelt.

Dieses Spiel kann dann vom Schnellspanner beseitigt werden. Natürlich darf das Rad im eingebauten Zustand dann kein seitliches Spiel mehr haben, sonst nachjustieren.

ivan
22.11.2008, 10:27
muß man m.M.n. nicht. Man kann die Nabe auch so einstellen, daß die Achse vor dem Radeinbau *minimales* Spiel (soll heißen: genau die Grenze zwischen "nicht mehr verringerbarem Spiel" und "spielfrei") hat, wenn man an der Achse rüttelt.

Dieses Spiel kann dann vom Schnellspanner beseitigt werden. Natürlich darf das Rad im eingebauten Zustand dann kein seitliches Spiel mehr haben, sonst nachjustieren.

natürlich gehört die justage mit dem schnellspanner zur einstellung dazu:D

Tuesday
22.11.2008, 13:50
Ich kann mir vorstellen, das man das perfekte Lagerspiel nur unter einer bestimmten (Labor-) bedingung vorfindet.
Zu viele äußere Faktoren beeinflussen die Lagerluft in diesem Bereich veränderlich, wie zum Beispiel die immer wieder minimal andere Klemmung über den Schnellspanner, oder auch Temperaturveränderungen Sommer zu Winter, wahrscheinlich sogar die Menge der Fettfüllung.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß ein Konuslager vom Hersteller absichtlich aus dem Grund zu eng gestellt ist, damit es auf keinen Fall wackelt - umgekehrt würde eher ein Schuh daraus, da die meisten Kunden die Qualtität einer Nabe im Geschäft am Leichtlauf messen, der eben auch in direktem Zusammenhang mit der eingestellten Lagerluft steht.
Möglicherweise werden diese Naben von Haus aus "strammer" eingestellt, um der Weitung des Lagersitzes nach dem Einspeichen vorzugreifen - dies wäre zumindest bei einzelnen Naben dann eine Erklärung.

Überdies ist die Lebenserwartung einer Nabe mit zu wenig Lagerluft nicht kleiner, als bei einer Nabe mit zu viel.

Der beste Weg ist sicherlich, die Nabe vor der ersten Fahrt in eingespeichtem Zustand einmal nachzustellen und dann eben regelmäßig beim (abhängig von der Fahrleistung und dem Einsatzgebiet) Jahresservice.
Konuslager vertragen ein suboptimales Lagerspiel deutlich besser als gewöhnliche Rillenkugellager - der Rest ist dann eben wirklich Verschleiß.

pinguin
22.11.2008, 19:25
Ich habe einmal von jemand gesagt bekommen, dass er zum Einstellen im ausgebauten Zustand einen Schnellspanner durch die Nabe macht (evtl. mit Abstandshülsen, damit er nicht zu lang ist um zu klemmen) und diesen dann mit der von ihm gewohnten Spannkraft zu macht.
Somit kann er die Naben im ausgebauten Zustand perfekt einstellen, ohne dass der Schnellspanner beim Einbau die Lager zu fest spannt.

Ich habe das allerdings selber noch nie ausprobiert.

Grüße
Johannes

Genau so funktioniert das.

pinguin
22.11.2008, 19:31
Fetischist oder nicht, ihr wollt mir hier nicht wirklich erzählen,
dass ihr solche Naben noch vor dem ersten Fettwechsel nachstellt.


Ich öffne jede konusgelagerte Nabe, bevor sie von mir gefahren wird. Ich halte nichts vom Lotteriespiel der Hersteller, mal kein, mal ein wenig Fett reinzugeben.

Ich hatte heute erst wieder eine 15 Jahre alte Alivio-Nabe meines MTB in der Hand, das Ding dreht immer noch seidenweich. Dank dem damaligen Verkäufer des Komplettrades. Er sagte zu mir beim Verkauf "Hast du noch Zeit?" Ich bejahte und er nahm mich in die Werkstatt mit. Dort wurde das Rad ordentlich eingestellt und abschliessend nahm er die Laufräder raus und öffnete die Naben. Ich hab's natürlich nicht kapiert, das war das erste Fahrrad, das ich mir sozusagen selber kaufte, vorher hat mich das alles nicht so sehr interessiert.

Also lernte ich schon damals, dass man die Lagerung vor der Nutzung derselben ordentlich einstellt. Habe ich nicht vergessen.