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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Absinken der Leistungsfähigkeit im Winter



Opa-Bernie
13.11.2002, 22:18
Über die Jahre habe ich mich daran gewöhnt. Werden die Temperaturen kälter, sinkt meine Leistungsfähigkeit gemessen an der erreichten Durchschnittgeschwindigkeit auf den Hausstrecken um fast 4 - 5 km/h.

Das ist meiner Meinung nach schon erstaunlich viel. Vor allem in den ersten Monaten im Jahr (Januar bis März) ist der kontinuierliche Leistungsabbau zu erkennen.

Folgende Erklärungen fallen mir hierzu ein:
- schlechtere Atmung weil die kalte Luft die Atemwege verengt
- schlechtere Aerodynamik weil man mehr Kleidungsstücke zwangsläufig anzieht
- wegen der Kälte: schlechte Durchblutung der Beinmuskulatur

Was ist eure Erfahrung zu diesem Thema. Habt ihr ähnliches beobachtet oder gibt es sogar eine plausible "medizinische" Erklärung hierfür.

Vergleichbares ist einmal über Zabel bei der diesjährigen Weltmeisterschaft im Fernsehen berichtet worden. Sinngemäß hieß es: Kalte Außentemperaturen behindern seine Sprintfähigkeit.

Gruß Bernd

Bautræger®
13.11.2002, 23:02
Hast Du schonmal an die Auswirkungen des doch anders aufgebauten Wintertainings (Umfang/ Intensität) nachgedacht - dies ist wohl der Faktor, der am meisten ins Gewicht fällt! Ein Leistungsrückgang ist da völlig normal und logisch.

Best regards

yoda
13.11.2002, 23:12
Ein weiterer Grund ist, dass bei kalten Temperaturen die chemischen Vorgänge und somit der Stoffwechsel langsamer arbeiten. Daher vermehren sich Bakterien bei wärme besonders schnell.

Bautræger®
13.11.2002, 23:22
Original geschrieben von yoda
Ein weiterer Grund ist, dass bei kalten Temperaturen die chemischen Vorgänge und somit der Stoffwechsel langsamer arbeiten. Daher vermehren sich Bakterien bei wärme besonders schnell.

Das mit den Bakterien sollte nicht verallgemeinert werden - die Optima Psychrophiler liegen nicht in den landläufig als Wärme empfundenen Temperaturbereichen.

Best regards

Freeman 6
14.11.2002, 21:00
und der luftwiderstand ist bei kälteren temperaturen größer...
guckt mal im radteile forum...

Opa-Bernie
14.11.2002, 21:38
... auch wenn ich es nicht beweisen oder eindeutig medizinisch erklären kann, ist meine Vermutung, dass bei Kälte die Atmung deutlich "flacher" ist. Ich meine damit, pro Atemzug wird weniger Luftvolumen aufgenommen. Unterstützt wird meine Vermutung dadurch, das nicht die Muskulatur im Winter die Leistungsgrenze darstellt sondern eher eine Kurzatmigkeit bei mir auftritt. Damit kann die Lunge sich u.U. auch vor einer Unterkühlung schützen.


Gruß Bernd

Rupert
15.11.2002, 12:39
Moin,

die Frage habe ich mir noch nie gestellt. Im Sommer fahre ich um die 400 km in der Woche, im Winter nur noch 120 km. Die Antwort ist hier für mich einfach klar. Desweiteren trainiere ich ja auch ganz anders im Winter...Ausserdem schleppe ich mehr Gewicht, durch die Klamotten, durch die Gegend.

Opa-Bernie
15.11.2002, 22:54
Original geschrieben von Rupert
Moin,

die Frage habe ich mir noch nie gestellt. Im Sommer fahre ich um die 400 km in der Woche, im Winter nur noch 120 km. Die Antwort ist hier für mich einfach klar. Desweiteren trainiere ich ja auch ganz anders im Winter...Ausserdem schleppe ich mehr Gewicht, durch die Klamotten, durch die Gegend.


Bei mir hängen die gefahrenen Kilometer weniger von der Jahreszeit sondern eher von der "Freizeit" ab, die ich zur Verfügung habe. Ich fahre pro Woche zwischen 250 - 350 km unabhängig ob es Sommer oder Winter ist. Da ich Kilometerleistung und Durchschnittsgeschwindigtleit in eine Exceldatei wöchentlich eintrage, habe ich einen recht guten Überblick über die persönliche "Leistungskurve".

Dabei ist im Sommer eben dieses deutlich ausgeprägte Maximum zu erkennen und ca. im Februar eindeutliches Minimum.

Gruß Bernd

Plasmo
16.11.2002, 01:12
Wichtig dabei ist aber auch das Du dein Durchschnittspuls aufschreibst die Du bei jeder Trainingseinheit gefahren bist, sonst bringts im endfekt eigentlich garnichts.

Ciao.

Radfahrer
16.11.2002, 10:00
Absinken der Leistung ist normal!!! Bei mir sind es auch etwa 5Kmh unterschied

Oscar
16.11.2002, 15:05
Eine weitere Erklärung erscheint mir ebenfalls ganz einleuchtend:

Körperfunktion Nr.1: Aufrechterhaltung der Körpertemperatur!

Hierzu wird Energie bereitgestellt, die der Muskelfunktion nicht mehr zur Verfügung steht.

Gerade bei mäßiger Belastung tendiert der Körper auf dem Rad zur Auskühlung.

Deshalb ist ein entsprechender Leistungsrückgang bei kalten Temperaturen völlig normal.

Plasmo
16.11.2002, 15:15
Dann man eine Frage?

Wie schnell seit ihr denn jetzt im Winter auf 100 km in der Ebene mit einem Puls von 130-135 HF zum Vergleich Sommer ???

Ciao.

Oscar
16.11.2002, 15:17
@plasmo

ca. 2-5 km/h langsamer.

speedygonzales
16.11.2002, 18:47
Original geschrieben von yoda
Ein weiterer Grund ist, dass bei kalten Temperaturen die chemischen Vorgänge und somit der Stoffwechsel langsamer arbeiten. Daher vermehren sich Bakterien bei wärme besonders schnell.

der menschliche körper hält seine kerntemperatur in jeglicher situation annähernd konstant. der stoffwechsel geht bei kalten temp. genauso vonstatten wie bei hitze....

Opa-Bernie
16.11.2002, 20:07
Original geschrieben von Plasmo
Dann man eine Frage?

Wie schnell seit ihr denn jetzt im Winter auf 100 km in der Ebene mit einem Puls von 130-135 HF zum Vergleich Sommer ???

Ciao.

Bei der derzeitigen Witterung 0 .. 10 grd C kann ich auf 100 km noch einen Schnitt von ca. 28 km/ h fahren. Mit zunehmender Kälte sinkt der aber noch weiter (also bis etwa Februar). Im Sommer sind es gute 30 km/ h.

100 km in der Ebene gibt es bei uns nicht. Man hat immer ca. 1% der Strecke als Höhenmeter. D.h. bei 100 km sind das etwa 1000 Höhenmeter. Mein Puls ist bei den oben genanten Durchschnittsgeschwindigkeiten deutlich höher als die Werte, die Du genannt hast. Er liegt etwa zwischen 145 - 150 HF.

Gruß Bernd

Ivo
17.11.2002, 00:20
Ich kan die obengenannte Ursachen alle nicht bestaetigen. Im Winter mache ich EIsschnellauf, auf Wettkampfebene. Ich spuere total keinen Leistungsrueckgang. Ich trainiere anders, kuerzer und intensiver, deswegen bin ich weniger gut in der Ultradistanz. Aber generell bin ich schneller.
Es ist eine eindeutige Trainingsfrage. Die meisten Radfahrer trainieren weniger im Winter, also sinkt die Leistung. Und man ist oft ermuedet von der langen Saison. Mental ist es auch so eine sache, wenn du keine Kaelte magst, faehrst du schlechter.
Heuteabend fuhr ich noch einen Eislaufrennen, so eine halbe Stunde am Anschlag, morgen wieder das gleiche.

Ivo

axelball
17.11.2002, 11:33
Original geschrieben von Plasmo
Dann man eine Frage?

Wie schnell seit ihr denn jetzt im Winter auf 100 km in der Ebene mit einem Puls von 130-135 HF zum Vergleich Sommer ???

Ciao.

bin auch so zwischen 3 und 5 km langsamer, was aber auch ein wenig dem fahrrad zuzuschreiben ist: das winterrad ist eigentlich nicht schlecht, so 9,5 kg, 105er ausstattung, aber irgendwie läufts einfach schon mal von haus aus schlechter: an dem tag, als ich das erste mal damit gefahren bin dieses jahr, es war im oktober und die form war gut, war ich schon mal fast 2 km/h langsamer, einfach so.
meine fahrwerte sind praktisch identisch mit denen von opa-bernie, die strecken sind auch ähnlich, da ich auch in franken rumkurve! ein größeres leistungsloch möchte ich dieses jahr eigentlich vermeiden, aber das wetter ist gerade nicht angetan....deswegen gehts nächste woche, sozusagen zur saisoneröffnung winterzeit nach la palma...

;)

Mario-Cipollini
17.11.2002, 15:40
Ich weiss gar nicht was ihr alle habt. Ist doch ganz normal wenn die Leistung etwas zurück geht, wir sind doch alle keine Profis.
Die Leute die durchtrainieren sind dann im April voll platt.

Plasmo
17.11.2002, 16:04
Profi oder nicht, slebst De haben Leistungsminderung im Winter, aber nach einer harten Rennsasion doch eigentlich normal und jeder brauch auch mal Pause. Nach der Pause gehts dann in Vorbereitungssasion und die ist ja dazu da seine Leistung wieder aufzubauen also würd ich mir um Leistungsrückgang im Winter keine paltte machen. Mit der Zeit kommt die Form schon wider.


Ciao.

Ivo
17.11.2002, 16:45
Die grosse Pause braucht ja nicht unbedingt im Winter zu sein. Ich schaue immer wann ich den Saisonhoehepunkt habe. Danach plane ich minimal 4 Wochen Pause ein. Dieses Jahr war das nach Sofia-Varna-Sofia, also von anfang Juli bis halb August. Naechstes Jahr nach Paris-Brest.
Als Randonneur soll man ja in Maers schon 200-er fahren koennen, der Saisonaufbau ist dementsprechend anders. Und in der Eislaufsaison sill ich natuerlich auch gut abschneiden.

Ivo

Opa-Bernie
17.11.2002, 22:49
Original geschrieben von Oscar
Eine weitere Erklärung erscheint mir ebenfalls ganz einleuchtend:

Körperfunktion Nr.1: Aufrechterhaltung der Körpertemperatur!

Hierzu wird Energie bereitgestellt, die der Muskelfunktion nicht mehr zur Verfügung steht.

Gerade bei mäßiger Belastung tendiert der Körper auf dem Rad zur Auskühlung.

Deshalb ist ein entsprechender Leistungsrückgang bei kalten Temperaturen völlig normal.

Beim zweiten Durchlesen Deines Beitrags kommt mir der Aspekt mit "Aufrechterhalten der Körpertemperatur" ganz vernünftig vor. Denn allein die Atemluft muss bei 0 grd C Außentempreatur um ca. 25 - 30 grd aufgewärmt werden. Dass dürfte schon einen erheblichen Zusatzenergieverbrauch ausmachen. Energie, die der Muskulatur nicht mehr zur Verfügung steht, oder sehe ich das falsch/ zu einfach.

Gruß Bernd

Ivo
18.11.2002, 02:09
Original geschrieben von Opa-Bernie
Beim zweiten Durchlesen Deines Beitrags kommt mir der Aspekt mit "Aufrechterhalten der Körpertemperatur" ganz vernünftig vor. Denn allein die Atemluft muss bei 0 grd C Außentempreatur um ca. 25 - 30 grd aufgewärmt werden. Dass dürfte schon einen erheblichen Zusatzenergieverbrauch ausmachen. Energie, die der Muskulatur nicht mehr zur Verfügung steht, oder sehe ich das falsch/ zu einfach.

Das ist zu einfach. Wen du richtig intensv faehrst produziert den Koerper genuegend Hitze um warm zu bleiben. Bei Eislaufrennen (sehr Intensiv) dieses WE brauchte ich nicht mehr als ein duennes Funktionsunterhemd unter den lycra Renneinteiler. Ich hatte es nur in den ersten Runden kalt, danach eher zu heiss. Beim Finland Icemarathon startete ich mit doppelte Funktionsunterwaesche, lycra Einteiler, Windstopper und RR Trikot, das bei -12. Zu kalt war es sicherlich nicht. Und langsam gar nicht, ich fahre auf dem Eis schneller und intensiver als im Sommer auf dem Rad.

Ivo

Oscar
18.11.2002, 10:25
Ist sicherlich etwas populär wissenschaftlich augedrückt.

Ich glaube auch weniger, daß das Thema bei hoher Belastung so "fühlbar" ist. Aber gerade beim langandauernden Training im GA-Bereich ist das Thema Körpertemperatur und damit verbunden Durchblutung und "Energieversorgung" stark spürbar.

Auch die meisten andere Argumente wie Trainingszustand, Material, .. sind nachvollziehbar und fließen sicherlich ein.

Trotzdem stelle ich immer wieder eine starke Temperaturabhängigkeit fest. Sobald es ein paar Grad wärmer ist, geht´s auch wieder besser.

Ich bemühe mich dabei auch gar nicht mehr irgendein Tempo aufrechterhalten zu wollen, sondern fahre einfach in meinem Pulsbereich. Damit ist die organische Belastung definiert und führt wohl auch zum gewünschten Trainingseffekt.

Ich frage mich dann allerdings schon, ob Einheiten wie KA3 oder andere überhaupt Sinn machen. Das kommt mir vor wie ein Leistungstest eines 12-Zylinders der nur auf 4 Zylindern läuft.

Oscar