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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auch wenns leidig ist: Reklamation bei zuviel Teile-Gewicht (>10%) ?



varenga
28.07.2010, 17:04
Hallo zusammen,

daß gerne mal bei Laufrädern nach unten geschönt wird mit Gewichten ist klar...War auch gerne als "italienisches" Gewicht bezeichnet:D Auch Mavic hat bei der Ksyrium Reihe oft krasse Abweichungen gehabt, von den Easton EA70 Lenkern (235g jaja...) ganz abgesehen.

Sind mehr als 10% Gewichtsunterschied ein Reklamationsgrund, wenn der Hersteller mit Gewicht wirbt?

Kann man da dem Hersteller einen Lenker, eine Nabe oder einen Reifen auch wieder zurückbringen?

Ich hatte es mal seinerzeit bei GROFA versucht mit der Antwort: Ich geb Ihnen einen neuen Lenker, aber glauben sie ja nicht, daß ich Ihnen denen auswiege...

Wie ist das bei Euch? Rückgabe bei großer Gewichtsabweichung kleinkariert oder durchaus berechtigt?

Schreibt doch mal, ob Ihr da von Regelungen wißt und welche Erfahrungen Ihr damit gemacht habt, als Ihr reklamieren wolltet.

Bei mir gehts -mal wieder um zwei Lenker, nämlich Bontrager und Ritchey WCS, die ja mit traumhaften Gewichten von 230 und 233 g locken wollen laut Hersteller. Ist aber wohl auch auf jedes andere, gewichtsbeworbene Radprodukt übertragbar, oder?

Gruß,

Varenga

Algera
28.07.2010, 17:59
Kann man da dem Hersteller einen Lenker, eine Nabe oder einen Reifen auch wieder zurückbringen?



Dem Hersteller sicher nicht, sondern allenfalls dem Händler, also dem Vertragspartner.

Entscheidend ist Folgendes:

Wenn das Gewicht eine zugesicherte Eigenschaft und damit Vertragsgegenstand ist, ist ein zu hohes Gewicht ein Sachmangel im Sinne des BGB. Dann hat der Käufer ggf. das Recht, vom Kaufvertrag zurückzutreten.

Eine werbemäßige Anpreisung ist im Regelfall keine zugesicherte Eigenschaft, so daß der Käufer daraus auch keine Rechte herleiten kann.

Ob im Fall einer zugesicherten Eigenschaft eine Abweichung von 10 % als Sachmangel anzusehen ist, wird von Fall zu Fall zu entscheiden sein.

Von einem Sachmangel wird man dann sprechen können, wenn z. B. dem Verkäufer bekannt ist, daß der Käufer ein Leichtbauprojekt plant und vertragich festgehalten ist, daß ein Teil nicht mehr als x Gramm wiegen darf.

OCLV
28.07.2010, 18:03
Bei mehr als 10% Abweichung vom beworbenen (!) Gewicht (genaue Maße, Breiten, Ausführungen, etc beachten) hast du ein Recht auf Nachbesserung, was bei einem Carbonlenker schwer möglich ist, Umtausch gegen ein Exemplar, das den Toleranzen entspricht oder Rückgabe.

Gerade Deda ist da ja mit z.T. 30% Abweichung vom Kataloggewicht sehr negativ aufgefallen in der Vergangenheit. FSA auch.

Dirk_MS
28.07.2010, 20:16
Gerade Deda ist da ja mit z.T. 30% Abweichung vom Kataloggewicht sehr negativ aufgefallen in der Vergangenheit. FSA auch.

Mir ging es mit DEDA genau so. Egal ob Vorbau, Lenker, Stütze. Alle Teile waren zwischen 20 - 30% schwerer als angegeben. Ich habe sie trotzdem behalten da das Gewicht nicht so die Rolle spielte aber arg dreist fand ich es schon.

Grüße,
Dirk

varenga
28.07.2010, 20:38
Genau DAS meinte ich mit italienischem Gewicht, hehe...

Aber ist schon ärgerlich:Mit meinem Easton Lenker (sage und schreibe 295 g bei angegebenen 235g, der EA70 also) bin ich immer zufrieden gewesen, wollte mich aber verbessern vom Gewicht.

Carbonlenker kam nicht in Frage, reach 75mm und Drop um die 130-140mm waren wichtig. Und da gibts ja bis auf den weichen WCS-Krams keine leichten Alu-Alternativen, die spurtstark sind.

Und dann kam der Bontrager Race Light als Verheißung daher. Hatte ich schon in der Hand, war bombensteif als 2009-Modell(bei Extratour in Freiburg) und dann hab ich den mit 230 g haben wollen.
Und heute bei meinem Händler abgeholt, mit dem ich lange den Lenker ausgesucht hatte, weil ich auf jeden Fall den richtigen Lenker (Bontrager hat viele Lenker..) wollte.

Und mit 256g statt 230 bin ich nicht glücklich.. Denn - mein leichtester EA70 (hab vier Stück) ist mit 265 NUR 30g zu schwer und wegen 9 Gramm wollt ich jetzt keine 45 Euro ausgeben. Das Euro-Gramm-Gerechne ist mal irgendwann astronomisch, dazu ein ander Mal mehr.

Aber is klar, daß das gut klingt, mal 60g für 45 Euro sparen zu können(hab um keinen Cent gefeilscht, was ich ja hasse, was man bei kleinen Läden auch nicht macht...) Ist quasi auch das letzte Teil, an dem ich Gewicht sparen kann, ohne daß es utopisch teuer wird, weich wird oder an Funktionalität einbüßt.
Deswegen die herbe Enttäuschung. Bin ich jetzt so ein kleinkarierter, erbärmlich Gewichts-Wicht oder ist das nachvollziehbar?
In unserem Universum sind 11 Prozent Abweichung eine Ungeheuerlichkeit, in der normalen Welt heißts nur wieder "ja, zwei Schluck weniger in der Flasche haben den gleichen Effekt."

Und irgendwo dazwischen befinde ich mich wohl.

Habt Ihr da schon Rückgabe-Erfahrungen mit Reaktionen der Händler?

Gruß,

Varenga

Profiamateur
28.07.2010, 22:07
Jupp, zwei Schluck aus der Pulle oder eine viertel Portion Pommes... Wir sprechen hier von sage und schreibe 26g (in Worten: sechsundzwanzig Gramm), oder?

Wobei ich Dich aber auch ein klein bißchen verstehen kann, zumal Du den Lenker erworben hast, um Dich gewichts-mäßig zu verbessern. Hat nun aber doch auch geklappt, wenn auch nur um 9g. Als kundenorientierter Händler würde ich aber das unbenutzte Teil schon allein aus Kulanzgründen anstandslos zurücknehmen. Andernfalls sähe mein Händler mich als Kunden zukünftig nicht mehr.

(Und ja, ich weiß genau, was im Fachhandel abgeht. Bin da beruflich involviert. Und trotzdem bzw. gerade deswegen habe ich das obige bezüglich der Kundenorientierung geschrieben.)

varenga
28.07.2010, 23:12
Jupp, zwei Schluck aus der Pulle oder eine viertel Portion Pommes... Wir sprechen hier von sage und schreibe 26g (in Worten: sechsundzwanzig Gramm), oder?

Wobei ich Dich aber auch ein klein bißchen verstehen kann...Hat nun aber doch auch geklappt, wenn auch nur um 9g. Als kundenorientierter Händler würde ich aber das unbenutzte Teil schon allein aus Kulanzgründen anstandslos zurücknehmen...(Und ja, ich weiß genau, was im Fachhandel abgeht. Bin da beruflich involviert. Und trotzdem bzw. gerade deswegen habe ich das obige bezüglich der Kundenorientierung geschrieben.)


Jupp, zwei Schluck aus der Pulle oder eine viertel Portion Pommes... Wir sprechen hier von sage und schreibe 26g (in Worten: sechsundzwanzig Gramm), oder?

Wobei ich Dich aber auch ein klein bißchen verstehen kann, zumal Du den Lenker erworben hast, um Dich gewichts-mäßig zu verbessern. Hat nun aber doch auch geklappt, wenn auch nur um 9g. .... Und trotzdem bzw. gerade deswegen habe ich das obige bezüglich der Kundenorientierung geschrieben.)

Nun ja, es geht hier nicht um die 9 Gramm, sondern um die elf Prozent. Beim Laufradsatz wären das mal bei nem 1600g-Laufradsatz mal schlappe 1770g oder bei nem Komplettrad statt 8 kg mal eben fast 8,9 kg...
Wobei für 9 Gramm Ersparnis hier manche Unsummen ausgeben, wenns um das letzte Quentchen geht, hehe...

Von daher also nicht die Gramm-Frage, sondern ob man das als "Produktionsschwankung" hinnehmen soll oder auch nicht.

Witzig wäre, wenn jetzt auch noch ein weiterer Lenker so schwer wäre wie dieser, den ich reklamieren möchte :heulend:

Aber wie gesagt, schreibt ruhig, wie das bei Euch so ausgegangen ist bzw. was Ihr schon für Toleranzen hattet...

Gruß,

Varenga

vorTrieB
29.07.2010, 06:44
Wenn das Gewicht eine zugesicherte Eigenschaft und damit Vertragsgegenstand ist...

So war es bis zum Inkrafttreten von: § 434 BGB (http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__434.html) in der heutigen Fassung. Seitdem gilt: Für die Einhaltung des angegebenen Gewichts als einer Ausprägung der Beschaffenheit hat der Verkäufer selbstverständlich einzustehen. Einzige Frage ist, wann eine Gewichtsüberschreitung erheblich ist und damit ein Sachmangel vorliegt. Dabei wird wohl auch ein Unterschied sein, ob ich einen 80 Euro Laufradsatz gekauft habe oder extra leichte Carbonräder für 1500 Euro.

Cyclomaster
29.07.2010, 07:58
Ich würde es vom Produkt abhängig machen.

Manche schwanken mehr (Reifen) manche sollten weniger schwanken (Naben).

felixthewolf
29.07.2010, 08:12
Im Rahmen des Fernabsatzgesetzes hast du doch eh 2 Wochen Rückgaberecht.
Egal, ob die das Produkt nicht gefällt oder dir deine Frau aufs dachgestiegen ist, weil der 299-lenker die nächste Urlaubsplanung kippt.
Zurückgeben kannst du ohne Angabe von Gründen.
Auch wenn du im Laden gekauft hast, sollte ein solcher Artikel mit ein paar freundlichen Worten zurückgegeben werden.

Der Punkt ist ja auch einfach der, dass du z.b. diesen Lenker wegen des niedrigem angegeben Gewichts gekauft hast. Wäre er mit realem Gewicht angegeben gewesen, hättest du sicher einen anderen gekauft.

Je leichtbauspezifischer und preisintensiver die Teile sind, die ich sowohl als Kunde als auch als Händler einkaufe, desto ernster nehme ich die Gewichtsangaben.
Bei einem 1000gr-LRS sind 5% auch schon 50gr. Und frag mal einen leichtbauer, was er bereit wäre für eine 50gr leichtere Felge oder Naben auszugeben.

Felix

light-motiv.de
29.07.2010, 08:39
Im Rahmen des Fernabsatzgesetzes hast du doch eh 2 Wochen Rückgaberecht.
Egal, ob die das Produkt nicht gefällt oder dir deine Frau aufs dachgestiegen ist, weil der 299-lenker die nächste Urlaubsplanung kippt.
Zurückgeben kannst du ohne Angabe von Gründen.
Auch wenn du im Laden gekauft hast, sollte ein solcher Artikel mit ein paar freundlichen Worten zurückgegeben werden.

Felix

du hast es ja selbst geagt: fernabsatzgesetz... hat nur leider nix mit fernabsatz zu tun, wenn du das im laden kaufst!

felixthewolf
29.07.2010, 09:00
Wenn man im Laden kauft, hat man zwar keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Rückgabe bei nichtgefallen, aber der Verkäufer vielleicht den Anspruch seine Kunden zufreiden zu stellen, dass sie auch das nächste mal wieder kommen und nicht online bestellen?

Felix

Johan
29.07.2010, 10:40
Habe zwei Flite SLR TT. Auf beiden steht fett 135g. Der eine wiegt 147g, der andere 151g. Ich frage mich, warum drucken die das auch noch so dreist auf den Sattel? Natürlich sind das nur zwölf, bzw. 16g, aber im Gesamtkonzept wiegt das doch ziemlich schwer!

Elise
29.07.2010, 10:55
sehr gute Frage!

wem es wichtig ist das angegebene Gewicht zu erhalten: beim Stammdealer vor dem Kauf auf die Waage legen ;)

denn es hat auch Vorteile nicht Online zu kaufen...

varenga
29.07.2010, 12:57
Habe zwei Flite SLR TT. Auf beiden steht fett 135g. Der eine wiegt 147g, der andere 151g. Ich frage mich, warum drucken die das auch noch so dreist auf den Sattel? Natürlich sind das nur zwölf, bzw. 16g, aber im Gesamtkonzept wiegt das doch ziemlich schwer!

Jaaa, wenn ich nur dran erinnern darf, mit welchen Gewichten die Flite EvolutionCarbon beworben wurden ! :D

Genau das ist der Punkt. Entweder Toleranzen angeben oder gar kein Gewicht.

Und jedem Hersteller sollte klar sein, daß andere Hersteller allein durch Ihre Ehrlichkeit punkten. Shimano Laufräder wiegen kein Gramm mehr, Schwalbe Reifen sind ordentlich und Pro Anbauteile wiegen auch das, was im Katalog steht oder drunter.

Das hat auch was mit Vertrauen und Kundenbindung zu tun. Klar sollte auch sein, daß viele Produkte schlichtweg Tuning sind.

Z.b. macht sich tuning-bikes.de (nein, hab da keine Verbindung) die Mühe und wiegt seine Artikel alle selbst (!), bevor er die Beschreibung online stellt. Weil er weiß, daß es hier um Gewicht geht und es vielen Kunden sauer aufstößt, wenn man beim Auspacken und Wiegen den Ärger hat für teuer Geld...

Gruß,

Varenga

varenga
31.07.2010, 13:17
Ach ja, wenn es interessiert:

War gestern beim Händler, wollte ihm den neuen, unmontierten Lenker zurückgeben(Bontrager Race light) , weil ich ja gesagt hatte, daß ich auf der Suche war zur leichteren Alu-Alternative zu Easton. Und 11% seien zuviel, weil man ja auch kein 8 kg Rad bewerben kann, daß in Wirklichkeit fast 9 kg wiege.

Da sagte er nur: "Neee, Lenker nehm ich nicht zurück, hab ich extra für Sie bestellt und ich hab hier genug Lenker rumliegen".

Hab ich noch die Möglichkeit, bei Bontrager direkt zu reklamieren? Er hatte das in Aussicht gestellt, aber er selbst hatte da keine Lust drauf.

Zumal Bontrager sowieso schwierig sei für einen kleinen Laden (schlechter Kontakt, Mindestbestellwert usw.)

Von daher sitz ich jetzt schön auf meinem Bontrager Lenker...Selbst wenn ich ihn versteigere, mach ich trotzdem 20 Euro Verlust, denn wer möchte einen Lenker, der nur 45 Euro kostet, mehr als 20 Euro zahlen, wenn noch Versandkosten hinzukommen...

Kulanterweise hat er mir ein Laufrad umsonst zentriert. Dennoch bin ich angefressen, vielleicht könnt ihr es verstehen.

Gruß,

Varenga

Algera
31.07.2010, 13:24
Ich würde es vom Produkt abhängig machen.

Manche schwanken mehr (Reifen) manche sollten weniger schwanken (Naben).

Das macht eben die rechtliche Würdigung schwierig. Im Zweifel werden verschiedene Gerichte die Sachlage unterschiedlich würdigen. Deshalb hatte ich oben auf die "Eckpunkte" hingewiesen. Dazwischen besteht ein erheblicher Entscheidungsspielraum.

Algera
31.07.2010, 13:28
Da sagte er nur: "Neee, Lenker nehm ich nicht zurück, hab ich extra für Sie bestellt und ich hab hier genug Lenker rumliegen".



Das ist eine Argumentation des Händlers aus dem hohlen Bauch, die mit der Rechtslage nichts zu tun hat.

Prüfe einmal das Verkaufsgespräch auf der Grundlage dessen, was ich oben unmittelbar auf Deine Frage geschrieben habe.