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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einspuriger Radanhänger am Rennrad/Crossrad versus Bikepacking



Dierk
16.06.2016, 14:52
Hallo,

Ich möchte ans Mittelmeer fahren (mit dem Rad ohne Gepäckträger) und Zelten/Biwaken, jedoch ohne kochen. Einen Rucksack am Rücken möchte ich möglichst vermeiden, da schon nach 5 Tagen die Haut aufgescheuert wird.

Dazu meine Frage: wie fährt sich ein einspuriger Radanhänger am Rennrad, z.B. Mule von Tout Terrain (6.5 kg, wird am Sattelrohr befestigt)? Im Vergleich zu anderen einspurigen Anhängern (Bob Yak, Befestigung an der Hinterachse) und im Vergleich zu Taschen am Rad?

Eine Alternative wäre Bikepacking, wird allerdings etwas knapp. Habe dazu drei Taschen von Blackburn, die eine ist eine grössere Satteltasche, in die das Zelt (ca. 40 cm) reinpassen würde, dann noch eine Rahmentasche, wobei es dann mit den Flaschen eng wird, und eine kleine Tasche am Oberrohr. Notfalls könnte noch eine Lenkertasche dazu... In Frankreich möchte ich an zwei, drei Stationen jeweils etwas länger bleiben und dann nur mit dem Rennrad ohne Gepäck Tagestouren fahren.

Wenn ich den Anhänger nehme, kommen natürlich keine Taschen ans Rad und alles in den Anhänger, Ausnahme die Oberrohrtasche für Foto, Geld usw. Wenn man den Inhalt des Anhängers mit Stahlseil sichert, könnte man auch mal in den Supermarkt ohne Angst wegen den Sachen haben zu müssen... Vorteil vom Anhänger wäre auch, ich könnte ein deutlich größeres Zelt nehmen, evtl. sogar eines, wo ich Rad und Anhänger ins Vorzelt stellen kann...

Wichtig ist nur, dass die Fuhre sich in der Ebene einigermaßen wie ein Rennrad fährt, das Rhônetal ist ja auch recht flach.

Tipps? Erfahrungen?

Joule Brenner
16.06.2016, 15:19
Die Leute, die ich mit Anhänger kenne, sind zwar begeistert, merken aber doch an, dass die Fuhre ordentlich drückt und meist aufwändig rangiert werden muss. Ich persönlich würde mir so einen Klotz nur anhängen, wenn noch ein Faltboot, mittelgrosse Haustiere und/oder Lebensmittel für einen Monat mit müssten; "Long Vehicle" Aufkleber nicht vergessen. ;)

Ein Satz Ortlieb Backroller wiegt 1,5 kg, mit Tubus und leichter Gepäckrolle liegt man bei 2 kg und hat weiterhin ein kompaktes Fahrzeug. Und die Tagestour vor Ort lässt sich notfalls auch mit Gepäckträger erledigen.

Campingausrüstung nur über Bikepacking erfordert schon am MTB eine erhebliche Ausrüstungsreduktion, am Renner mit schmalem Lenker noch mehr; ohne Küche/Lebensmittel aber wohl noch machbar. Wirkliche Vorteile sind aber - bis auf die saubere Optik - kaum auszumachen; spätestens, wenn die Radflasche aus dem Rahmendreieck weichen muss, wäre für mich damit Schluss.

Luigi_muc
16.06.2016, 15:28
Ich würd das Geld lieber in leichtere und kompaktere Ausrüstung investieren.
Also Zelt, Schlafsack, Isomatte. Evtl Kleidung.

Hab ich so gemacht und war happy. Zwar mit Gepäckträger, allerdings ginge das auch mit Bikepacking (Apidura jeweils die größten zB). Ich hatte noch zivile Kleidung, ein zweites Paar Radschuhe und weiteres Zeugs dabei, das kann man allein ja getrost weglassen.

Dierk
16.06.2016, 16:53
Hallo,

Danke erstmal, so wenig/leicht mitnehmen wie möglich ist vom Gewicht klar besser, beim Bikepacking ohne Träger ist weniger das Gewicht, als das zur Verfügung stehende Volumen das Problem... mit Backrollers hätte ich mehr (ausreichend) Volumen, das wäre dann die Zwischenlösung, na ich überleg's mir mal.

Joule Brenner
16.06.2016, 17:28
Noch ein paar wenige Anmerkungen:


Die Sachen von Ortlieb sind wirklich wasserdicht (die angebotenen Bikepacking-Lösungen oftmals auf Dauer nicht).
Alle Taschen sind allabendlich mit drei Handgriffen abgenommen und ebenso schnell wieder montiert (kein nerviges Klettriemen-Gefummel).
In einer richtigen Lenkertasche kommen Wertsachen und Technik gut geschützt unter, sie ist schnell mit in die Bäckerei o.ä. genommen.
Zu den von Anfang an mitgeführten Sachen kommen unterwegs (zumindest temporär) noch einige Lebensmittel hinzu, ausserdem packt man nicht jeden Tag optimal. Der verfügbare Platz sollte also nicht schon zu Beginn voll ausgereizt sein.

Dierk
16.06.2016, 17:34
Stimmt, ist nervig, wenn man abends zum Einkaufen noch mal weg muss, weil man unterwegs nichts mitnehmen konnte.

Und à propros Faltboot:

http://www.cyclo-randonnee.fr/images/carry-freedom/remorque-velo-y-frame-9.jpg

Joule Brenner
16.06.2016, 17:52
Da bleibt wenigstens noch ordentlich Platz für das 15 kg Steilwandzelt, den Schwenkgrill und die gefüllte Kühlbox. Wie sicherst du eigentlich unterwegs den TV-Empfang? :D

Kathrin
16.06.2016, 18:07
Inkl. Fäustel, Kabeltrommel, Kaffeemaschine....

Alles schon gesehen. Aber die sind nicht weit gekommen und er musste umfahren und das Auto holen [emoji23]

Joule Brenner
16.06.2016, 18:41
Mit dem Boot würde ich im Rhônetal jedenfall nicht radfahren - zumindest nicht flussabwärts. :)

Meddy Erckx
16.06.2016, 23:40
Ich habe auf meinem Einspuranhänger schon so einiges transportiert.
Von 2 Säcken Spezialzement á 25 kg, von Farbe und kurzen Leitern bis hin zum Schubkarrentransport (75 l Betonkarre von MüBa). Wer mal für 4 Wochen mitten in einem Auftrag den Führerschein abgeben muss wird halt erfinderisch.

Bis 25 kg Gewicht ist der Anhänger zugelassen.
:quaeldich
Doch wir reden hier über Urlaub. Man sollte schon in der Lage sein, mit 20 kg Gepäck zu überleben. Mir würden 10 reichen.
Es gibt für großes Geld einfach superleichte Sachen wie 1 1kg Zelt was angeblich vollwertigen Schutz bieten soll usw.
Mit 15 - 20 kg Gepäck planst du einfach 1 Drittel Strecke weniger ein als ohne Anhänger.
Und immer schön auf eine hohe Trittfrequenz achten.

Auf so Dinge wie Schuhschrank, Kehrgarnitur oder Abendgarderobe sollte man verzichten können.

Kauf dir einen 50 € Chinaanhänger, stecke ein paar Stunden in die Modifizierung rein (ausgiebige Probefahrt nicht vergessen) und gehe einfach für so 5-600 € einkaufen in einem teuren Outdoorladen. Den Sch... Anhänger klaut dir dann auch niemand.

Kannst dir natürlich auch für hunderte von € Taschen von Ortlieb um das Fahrrad hängen. Und vergiss dann den Klorollenschutz von Ortlieb für das große Geschäft im Wald bei Regen nicht. Das sinnloseste Produkt was ich je in dem Bereich gesehen haben.

luesche
17.06.2016, 07:25
Ich habe auf meinem Einspuranhänger schon so einiges transportiert.
Von 2 Säcken Spezialzement á 25 kg, von Farbe und kurzen Leitern bis hin zum Schubkarrentransport (75 l Betonkarre von MüBa). Wer mal für 4 Wochen mitten in einem Auftrag den Führerschein abgeben muss wird halt erfinderisch.

Bis 25 kg Gewicht ist der Anhänger zugelassen.
:quaeldich
Doch wir reden hier über Urlaub. Man sollte schon in der Lage sein, mit 20 kg Gepäck zu überleben. Mir würden 10 reichen.
Es gibt für großes Geld einfach superleichte Sachen wie 1 1kg Zelt was angeblich vollwertigen Schutz bieten soll usw.
Mit 15 - 20 kg Gepäck planst du einfach 1 Drittel Strecke weniger ein als ohne Anhänger.
Und immer schön auf eine hohe Trittfrequenz achten.

Auf so Dinge wie Schuhschrank, Kehrgarnitur oder Abendgarderobe sollte man verzichten können.

Kauf dir einen 50 € Chinaanhänger, stecke ein paar Stunden in die Modifizierung rein (ausgiebige Probefahrt nicht vergessen) und gehe einfach für so 5-600 € einkaufen in einem teuren Outdoorladen. Den Sch... Anhänger klaut dir dann auch niemand.

Kannst dir natürlich auch für hunderte von € Taschen von Ortlieb um das Fahrrad hängen. Und vergiss dann den Klorollenschutz von Ortlieb für das große Geschäft im Wald bei Regen nicht. Das sinnloseste Produkt was ich je in dem Bereich gesehen haben.

Respekt! Mit dem Einspuranhänger im Baumarkt einkaufen zu gehen hat einen mächtigen Coolness-Faktor. War schon immer meine Idealvorstellung, meine Gartenarbeiten komplett ohne Auto zu erledigen. Zu mehr als dem Transport eines kleinen Baumes hat es leider noch nicht gereicht ...

Joule Brenner
17.06.2016, 09:10
...
Kannst dir natürlich auch für hunderte von € Taschen von Ortlieb um das Fahrrad hängen.
...

https://www.globetrotter.de/shop/ortlieb-back-roller-orange-line-178965-orange-schwarz?ref=-_tCqNihB

Genau 1600 Gramm, absolut wasserdicht, selbst bei täglichem Einsatz Jahrzehnte haltbar, so "teuer" wie ein Satz gute Reifen.

heckantrieb
17.06.2016, 14:47
Kauf dir einen 50 € Chinaanhänger, stecke ein paar Stunden in die Modifizierung rein (ausgiebige Probefahrt nicht vergessen)

Habe ich auch gemacht.



Den Sch... Anhänger klaut dir dann auch niemand.


Nicht zuletzt deshalb.
Einsatzzweck war aber im Urlaub vor Ort die Handtuecher und Bodyboards zum Strand zu bringen. Bei einem Ausfall des Haengers haette nicht gleich der ganze Urlaub gelitten.

Die Dinger sind geeignet und billig genug ausgiebig Erfahrungen mit so einem Gefaehrt zu sammeln, aber auch wirklich nicht mehr als 50 EUR wert. Das Gestell an sich ist ganz OK, das Hinterrad ist uebelst zusammengebratener Mist (was komischerweise nicht mal arg stoert), die Sicherungsstiftfedern an den Kupplungen kommen scheinbar aus dem Kugelschreiber (haben trotzdem funktioniert). Das groesste (und sicherheitsreleante) Problem an meinem war der nicht wirklich spannende und uebel verarbeitete Spezialschnellspanner (ohne den es leider nicht geht). Ich habe nach dem Kauf ein paar Tage ueberlegt das Ding zurueckzuschicken, es letztlich aber doch behalten und genutzt.

Ich habe nicht ausprobiert, ob der einzeln lieferbare Bob Yak Schnellspanner kompatibel ist. Wenn ja und mit einem neuen Hinterrad laesst sich aus dem Chinahaenger was ganz Ordentliches machen.


Das Fahrverhalten fand ich sehr gut und ueberhaupt nicht umstaendlich, ausser beim Abstellen des Rades. Das Wiegetritt und schnelle Zickzack-Kurven mit viel Gepaeck anders sind und man merkt, dass das Gewicht sich von einer auf die andere Seite legt empfand ich nicht als arg stoerend. Ein 50kg Fahrer wird das anders empfinden.

Fuer eine Tour wie deine wuerde ich aber schon das Geld fuer einen Bob Yak locker machen.

kaipi
20.06.2016, 17:17
Meist fahr ich mit Mini-Rucksack durch die Berge, aber mit Einradanhänger (Tout Terrain) fand ich auch cool: http://www.rennrad-news.de/forum/threads/mit-einradanh%C3%A4nger-durch-die-franz%C3%B6sischen-alpen.121807/

Kürzer
20.06.2016, 17:52
Ich würde auch die Lösung mit Packtaschen und Gepäckträger nehmen. Notfalls baust du den für deine Tagestouren ab, wenn er dich aus mir nicht ersichtlichen Gründen stören sollte.

Haaner
21.06.2016, 10:43
Ich war bisher mit dem Anhänger auf Tour:

http://www.extrawheel.de

Habe ihn am Crosser gehabt und bin damit auch durch das Gelände gefahren. Fährt sich absolut problemlos. Bergauf merkt man allerdings das zusätzliche Gewicht. War damit bis jetzt bis zu 1 Woche unterwegs und hatte das Gepäck für 2 Personen am Anhänger. Mit Ortlieb-Taschen blieb auch nach einem Regenguss alles trocken.

Dierk
25.06.2016, 15:54
Hier mal Bikepacking mit dem Rennrad: https://youtu.be/nVOefruhRAc

Und hier die Anhängervariante: https://youtu.be/v-1hi99BM20

Kathrin
25.06.2016, 17:12
Beim ersten darf es aber nicht lange regnen, dann ist die komplette Ausrüstung nass. Und nasse Daune wärmt nicht wirklich und braucht lange, bis wieder trocken ist...

Dierk
25.06.2016, 21:45
Kein Vertrauen in wasserdichte Packsäcke? Die Dinger sind sogar luftdicht. Klar, wenn es beim Zusammenpacken morgens regnet, ist's dumm gelaufen...

Kathrin
26.06.2016, 06:59
Natürlich vertraue ich auch wasserdichten Packsäcken. Nur die hat er mMn nicht verwendet. Und ein Biwaksack ist toll bei Dauerregen. Da bleibt alles so gut trocken :rolleyes:

PAYE
26.06.2016, 07:21
... Und ein Biwaksack ist toll bei Dauerregen. Da bleibt alles so gut trocken :rolleyes:


Stimmt.

Dabei fällt mir ein dass ich seit ewigen Zeiten einen Gore-Tex Biwaksack (http://forum.tour-magazin.de/showthread.php?354254-Biwaksack-Gore-Tex-f%FCr-1-Person&p=5288924#post5288924) im Vorratskammerl liegen habe den ich eigentlich gar nicht mehr benötige.
=> falls jemand sowas dringend braucht: PN schicken.

Joule Brenner
27.06.2016, 13:20
Hier mal Bikepacking mit dem Rennrad: https://youtu.be/nVOefruhRAc
...

Das ist so ziemlich die übelste Packorgie, die ich seit langem gesehen habe; mit zwei Wabbelpaketen am Lenker und einem weiteren unter dem Sattel, an dem die Oberschenkel scheuern werden. So kann mal mal starten, wenn man das Budget klein halten will (dann vllt. besser ohne Arcteryx Jacke), aber spätestens nach der ersten Tour wird man nach professionelleren Transportmöglichkeiten suchen.

Edit: Der Sinn der Kombination aus Wasserfilter und keinem Platz für Kocher/Lebensmittel erschliesst sich auch nicht unbedingt.

Dierk
28.06.2016, 21:28
Ich könnte ja das alte Triathlonrad nehmen und statt Klickfix-Lenkertasche (die zwar fest sitzt, aber auch was wiegt) einen Packsack in Längsrichtung (wegen Aerodynamik) unter den Tria-Aufsatz schnallen... da könnte ein Ultraleichtzelt ohne Gestänge und der Schlafsack rein. Kleider und Luftmatratze könnten in das Seat-pack. Naja, muss ich mal ausprobieren ob's platzmässig reicht und wie sich das dann fährt. Für Kleinkram gäb's noch das Oberrohrtäschchen. Zeltstangen könnten parallel unter das Oberrohr... wenn es Bäume gibt, könnte ich auch das Pilgrim nehmen, das braucht gar keine Stangen, eine Zeltecke wird per Seil nach oben gebunden. Blöd nur, wenn nur Wiese und kein Baum vorhanden ist.

Joule Brenner
28.06.2016, 23:36
... bzw. die einzigen Plätze mit Bäumen bereits von Wohnmobilisten belegt sind. :)

Nimm ein richtiges Zelt, da bist du flexibler. Triaaufsatz plus Gepäckrolle längs ist bestimmt nicht die schlechteste Idee (insb. im Rhônetal), aber du solltest auf dem Rad nicht zu tief sitzen, wird sonst schnell unbequem. Gewichtsmässig kannst du so jedoch nicht viel rausholen, wenn der Aufsatz schon 400-500 Gramm wiegt (trotzdem alles viel leichter als ein 6,5 kg Anhänger plus Tasche); Oberlenkerhaltung sollte auch nicht blockiert werden.

Zeltstangen am Oberrohr dürfen die Knie nicht berühren (also auch nicht seitlich daneben, falls zu lang), alternativ in die Schmutzzone unters Unterrohr (gibt bei Regen aber eine Sauerei, wenn nicht gut verpackt).