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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TRP Spyre optimieren? Reibung in der Bremse?



Der Michi
16.09.2017, 08:43
Hallo zusammen,

im Juli konnte ich nicht widerstehen und habe zu einem guten Preis ein Merida Cyclocross 3000 geschnappt. U.a. weil es die TRP Spyre verbaut hat (wollte aus div. Gründen eine mechanische Disc am Crosser: Unabhängigkeit bei der STI-Wahl etc.). Ich habe am Schlechtwetter-Rad bereits die Avid BB7 und bin mit der zufrieden, und da die Spyre gut beleumundet wird machte ich mir da auch keine Sorgen.
Allerdings war die Performance von Anfang an schlechter als bei der BB7: deutliche Reibung (Losbrechkraft beim Hebel ziehen) und eine Art "rubbeln" über den Hebel- resp. Seileinzug-Weg. Dazu bzw. infolge dessen eher schlechte Bremsperformance und Modulation. Eingebremst habe ich die Spyre mit 30 Bremsungen aus 25...30 km/h bis knapp vor Stillstand (was sich die Nachbarn wohl gedacht haben :-))
Was ich bisher unternommen habe:
- Einstellung gemäß TRP-Anleitung: Bremsarm mögl. wenig vorgespannt, dafür Beläge dicht an die Scheibe per Stellschrauben,
- Züge gegen SRAM Road PRo Slick getauscht
- vorne zudem stauchfeste SRAM-Außenhülle verlegt
Es ist jetzt besser bzgl. Reibung und Dosierbarkeit sowie auch Bremsleistung. Aber ich habe immer noch eine schlechtere Bremswirkung als bei den BB7 und auch immer noch dieses "rubbeln" bei der Hebelbetätigung, wenn auch geringer. Ich werde mal noch auf organische Beläge wechseln, mal schauen. Aber bzgl. Rubbeln: da ich nun ja gute Züge habe muss das eine andere Ursache haben. Kann es sein, dass die Mechanik im Bremskörper selbst hier ein Problem hat? Kann man da irgendwas prüfen und ggf. optimieren? Erfahrungswerte?

Grüße Michael

elmar
16.09.2017, 08:46
Reibung zu hoch in der Hülle?
Betätige die Bremse händisch, Kabel dabei lösen.
Wie ist das ?
Garantie?
Reklamation?
Zug flutscht wirklich leicht in der Hülle ?

Rubbeln beim Ziehen des Hebels oder beim eigentlichen Bremsen? Dann wären die Rotoren die Ursache.
Bei beiden Bremsen?

Der Michi
16.09.2017, 08:58
Ui Elmar, das ging schnell :-)
Also die Bremse selbst rubbelt nicht; Rotoren und Beläge sind viell. nicht optimal abgestimmt aber dahingehend i.O.
Reibung in der Hülle schließe ich eig. aus: Zug und Hülle sind neu und "besser" als die an meiner BB7, bei der ich das Problem in keinster Weise habe. Ich habe auch bereits versucht zu lokalisieren und die Bremse direkt per Hand betätigt. Da spüre ich nichts. Ist aber wg. der Hebelübersetzung auch nicht besonders feinfühlig möglich. Umgekehrt wenn ich den Zug von Hand belaste und dann den Bremshebel betätige läuft der wirklich leicht und reibungsarm.
Garantie: schwierig. Im eigentlichen Sinne tut es ja; und ich habe auch kein Referenz-System mit Spyre, an dem ich eine bessere Performance demonstrieren könnte.

magicman
16.09.2017, 09:07
auch mich bewogen ähnliche Gründe vor zwei Jahren mir eine Mech Disc zu kaufen.

erstere war eine Cannondale gelabelte MB 700T (https://thumbor.pukit.de/C5KkXLa5UfyNT9HgGVPcLg0XeOg=/620x413/smart/http%3A%2F%2Fcdn.coresites.factorymedia.com%2Froad cyclingde%2Fwp-content%2Fuploads%2F2013%2F08%2FIMG_3305-620x413.jpg)

mit dieser war ich eigentlich zufrieden , da ja viele die BB7 loben
hatte ich mir diese mal geordert , nach 4 Wochen aber genervt wieder demontiert.
Hier in der Börse verkaufte ein User günstig eine TRP Spyre .
absolut zufrieden.
Die Cannondale habe ich immer auf Halde liegen , mit der Bremsperfomance ist sie mit der TRP
gleich auf.

was mich bei allen nervt ist singen wenn die Scheiben nass sind.

Der Michi
31.12.2017, 08:10
Weihnachtszeit = Schrauberzeit :-)
Ich habe mir das System anässlich des anstehenden Belagswechsels nochmal vorgenommen. Die Bremszangen scheinen die Wurzel des Übels zu sein: ich habe mal eine BB7-Zange drangehängt (5 Jahre alt, null Service) und die läuft deutlich besser. Im Umkehrschlluss die Spyre: bei der Betätigung von Hand spürt man das Ruckeln in den Lagern, und es klingt wie Sand im Getriebe. Ich habe nun die vordere Zange mal mit Kriechöl gespült. Richtig viel Schmutz kam da nicht raus. Die Betätigung geht aber jetzt deutlich leichter. Das Bremsverhalten kann ich erst nach Einbremsen der neuen Beläge richtig testen. Nach wie vor mag ich die Bremse wegen ihrer einfachen Montierbarkeit und Einstellbarkeit. Wenn's jetzt mit Swiss-Stop-Belägen und gereinigten/geschmierten Lagern performance-mäßig noch aufwärts geht... ;-) Apropos schmieren: was wäre Euer Tipp, um wieder Schmierung in die Lager zu bekommen? Kettenöl (das sollte doch gut kriechen)? Evtl. ein synthetisches, weil das besser reinläuft?

esel
31.12.2017, 13:27
Hallo Michi,

bitte berichte unbedingt weiter. Ich fahre auch seit 8 Wochen eine Spyre am CX und habe den Eindruck, dass sie noch nicht optimal zubeisst. Vorher hatte ich die Shimano CX77 und die bremste, zumindest aus hoher Geschwindigkeit, schneller runter.
Organische Beläge haben bei mir eine Verbesserung gebracht. Aber für meinen Geschmack, könnte die Bremse immer noch etwas fester zupacken.
Einbremsen, Züge, Einstellung, sind bei mir auch so, wie Du es beschreibst.
Die Bremsscheiben gründlich entfettet, nicht zu vergessen.
Kannst Du vielleicht mal genauer sagen, wie und was Du an der Mechanik gespült hast?
Und natürlich, ob es etwas gebracht hat? Danke!

Falls hier jemand mitliest, bei dem die Spyre optimal läuft, wäre es toll zu wissen, mit welchen Bremsscheiben Ihr diese betreibt?

Duamax
31.12.2017, 13:33
Wenn Lager wirklich leicht laufen sollen, nehme ich immer Nähmaschinenöl. Das Problem dabei ist, dass das Öl sehr niedrigviskos ist und damit beim Nässe sehr leicht rausgespült wird. Für eine erste Reinigung würde ich tatsächlich Kettenspray nehmen, da du das mit der Sprühdose mit Druck an Stellen bringt, an die man sonst nicht hinkommt.

@Michi: Da ich momentan meinen ersten Disc Renner aufbaue und auch schon einen Spyre auf Lager liegt, ich aber auch bzgl. der Performance organische SwissStopper fahren möchte, kannst du bitte berichten, wie die funktionieren?

Auf diversen MTBs habe ich mit SwissStop Belägen immer top Erfahrung gemacht und daher wäre der organsiche Belag von den Schweizern auch am Rennrad die erste Wahl.

softcake
31.12.2017, 13:36
Weihnachtszeit = Schrauberzeit :-)
Ich habe mir das System anässlich des anstehenden Belagswechsels nochmal vorgenommen. Die Bremszangen scheinen die Wurzel des Übels zu sein: ... bei der Betätigung von Hand spürt man das Ruckeln in den Lagern, und es klingt wie Sand im Getriebe. ...

Die Spyre will mindestens einmal pro Jahr zerlegt, gereinigt und gefettet werden. => Hier eine gute Anleitung <= (http://singletrackworld.com/forum/topic/psa-trp-spyre-rebuild-guide). Nach der Wartung sollte sie wieder wie neu funktionieren.

T.

esel
31.12.2017, 14:29
Danke!

Der Michi
02.01.2018, 08:10
Super, danke! Da werde ich dann wohl nochmal drangehen. Die Anleitung sieht sehr brauchbar aus. Wenigstens kein DOT- oder Hydrauliköl-Gepansche :-)

Der Michi
02.01.2018, 14:38
Eine Frage zur Anleitung stellt sich mir noch: Punkt 2 lautet "2. Pop off the actuator arm torq bolt covers". Hat das schonmal jemand gemacht? Wie bekomme ich die ab? Von außen sehe ich keine Möglichkeit. Von innen rausdrücken nach Demontage der Beläge?

softcake
02.01.2018, 14:50
Eine Frage zur Anleitung stellt sich mir noch: Punkt 2 lautet "2. Pop off the actuator arm torq bolt covers". Hat das schonmal jemand gemacht? Wie bekomme ich die ab? Von außen sehe ich keine Möglichkeit. Von innen rausdrücken nach Demontage der Beläge?

Einfach von außen mit einem Innensechskant oder kleinen Schraubendreher raushebeln. Die sitzen nicht sehr fest.

T.

ChristophM
02.01.2018, 15:30
Hab die Prozedur auch grad durch. Bei mir waren zwar auch die Züge überfällig und ein Großteil der Reibung dadurch begründet (separat getestet hast du ja schon). Druckfeste Hüllen und penible Verlegung mit sauberen Übergängen ist wichtig, auch neuen Zügen kann man so die Performance versauen. Aber bei der Gelegenheit habe ich auch mal alles auseinander genommen und gefettet. War ordentlich sandiger Dreck drin. Für die kleinen Plättchen, die zur Belagverstellung beschriftet sind, wie schon gesagt wurde: Die sind nur eingeklipst. Entweder mit Schraubenzieher raushebeln, oder ein Stück stabilen Draht biegen und durchschieben/drunterhaken und einfach rausziehen.
Nicht über die Haupt-Torx wundern, die die beiden großen Hälften der Spyre zusammenhalten: Dachte erst, die wären festgegammelt. Bei mir wurde da aber sehr großzügig Schraubensicherung verwendet, die saßen absolut bombenfest. Gut passendes Werkzeug ist Voraussetzung um die nicht zu zerstören und ging nur mit Einspannen im Schraubstock und sanfter Gewalt.

Wenn es rubbelt: Bremsscheiben in richtiger Laufrichtung montiert? Bremssättel korrekt zentriert und ausreichend festgezogen? Schnellspanner der Laufräder ausreichend fest? Ggf. mal Bremsscheibe vorn-hinten tauschen?

EDIT: Achso, du meinst, das Ziehen der Bremse rubbelt, nicht das Bremsen an sich...naja dann ist ja alles schon gesagt - Züge und Bremse separat testen. ;)

Noch eine Ergänzung: Am besten frühzeitig die Schraube zur Belagnachstellung rausdrehen, an die Seite legen und beim Einbau auch fetten. Die hat ein sehr leicht zu beschädigendes Alu-Gewinde...einmal dagegen schlagen beim Zerlegen und die ist hin.

Der Michi
02.01.2018, 17:34
Ein sprudelnder Quell des Wissens :-)
Zu den fragen weiter oben im Faden: ich habe die Bremssättel abgebaut und die Beläge raus (klar, um nirgends Schmierung drauf zu bekommen wo sie nicht hingehört), die Plättchen zur Belagsnachstellung rausgeschraubt und dann in alle Ritzen zwischen den beweglichen Teilen satt WD40 gesprüht. Alles rauslaufen lassen und mit Brunox geölt. Beim Zusammenbau kamen die organischen SwissStop-Beläge rein. Die Bremse lässt sich jetzt feinfühliger betätigen, der Druckpunkt ist knackig und die Leistung etwas besser als mit den Original-Belägen und vor dem Reinigen/Schmieren. Der Einfluss beider Effekte lässt sich nun nicht mehr separieren.
Apropos Druckpunkt: ich habe noch ein Setup mit BB7 und den Versa8-Hebeln am Commuter (mit Alfine-Nabe). Dort ist der Druckpunkt weniger knackig, dafür die Bremsleistung besser. Evtl. ist es auch ein Thema der Hebel-Übersetzungen/ des Seileinzugs und die 105er STI passen nicht so gut zur mechanischen Disc? Habe aber keinen Bock jetzt die Bremsen querzutauschen...

softcake
02.01.2018, 19:08
...Alles rauslaufen lassen und mit Brunox geölt...Die Bremse lässt sich jetzt feinfühliger betätigen, der Druckpunkt ist knackig und die Leistung etwas besser als mit den Original-Belägen und vor dem Reinigen/Schmieren...

Ich fürchte, das wird nicht lange so bleiben. Da laufen jeweils drei Kugeln auf Scheiben mit entsprechenden Rampen. Das gehört meiner Meinung nach ordentlich gefettet.

T.

Der Michi
04.01.2018, 21:31
Ich habe heute mein Glück versucht, bin aber an einem "actuator torq bolt" gescheitert. Die Dinger sitzen ja tatsächlich extrem fest. Mit dem Bit im Schraubstock habe ich eine Seite aufbekommen, auf der anderen Seite ist mir der Bit einmal durchgerutscht :-(, dann habe ich zunächst aufgegeben weil der Bit offenbar nicht beste Qualität ist und selbst bereits Spuren aufweist. Werde mir da erstmal was Gescheites beschaffen.

Der Michi
06.01.2018, 12:49
...sodele, wie man hierzulande sagt: mit guten Bits habe ich mich nochmal drangewagt. Entweder es geht auf, oder nicht und dann ist eine überdrehte Torx-Aufnahme auch wurscht. Kurz vor dem gefühlten Abreißen der Schrauben hat sich's dann doch noch gelöst. Nach dem Zerlegen sah alles soweit prima aus; wahrscheinlich wegen meines vorherigen Spülens mit WD40. Alles nochmal ordentlich gesäubert, leicht mit Lagerfett gefettet und montiert. Den BÜgel über die Bremszange zu bekommen ist ein Krampf und ging nicht ohne Kratzer ab... :-(.
Die frisch gefettete Bremse geht gefühlt nicht besser als die gespülte. Beide aber deutlich besser als im Original-Zustand. Ich fahre beide Bremszangen jetzt mal so, und wenn die "nur gespülte" (plus mit Brunox geölte) nicht schneller nachlässt als die demontierte und gefettete werde ich mich auf die äußerliche Behandlung beschränken.
Testfahrt steht noch aus.

softcake
06.01.2018, 14:58
Bin gespannt, ob es einen Unterschied macht. Vermute, die gefettete hält länger. Allerdings bleibt im Fett leichter Schmutz hängen...

T.

Der Michi
07.02.2018, 20:59
Zwischenstand: beide Bremsen laufen immer noch leicht. Also kein Unterschied zwischen der zerlegt/gefetteten und der gespült/geölten. Aber die immer noch im Vergleich zur BB7 an Versa-Schalthebeln schlechtere Performance lässt mir keine Ruhe. Ich habe jetzt mal den Seileinzug nachgemessen: Für 1cm Seilweg an der Bremse braucht der 105er-Hebel 6cm (gemessen am unteren Ende = längster Weg) und der Versa gute 8 cm. Da ist also der Versa schonmal im Vorteil und das könnte auch den Unterschied erklären. Weiß jemand wieviel SRAM-Hebel einziehen? Wenn die ebenfalls ein günstigeres Übersetzungsverhältnis haben wäre das ein Grund mehr, über einen Wechsel nachzudenken.

Der Michi
31.03.2018, 08:42
Zielzustand erreicht :-)
Nachdem ich hier im Forum Force22 DTs, Schaltwerk und Werfer günstig gebraucht erworben und diese mit etwas Aufwand (mittlerweile hasse ich im Rahmen verlegte Züge ganz herzlich...) appliziert habe: mit den Force-DTs bremst es nun wie gewünscht, um nicht zu sagen wie die Sau :-). Die Bremse performt jetzt besser als meine Avid BB7 am anderen Rad. Das Hebelverhältnis der 11fach-Shimano-STI scheint tatsächlich nicht optimal zu den Spyres zu passen. Nebenbei: vom "Yaw"-Umwerfer bin ich hin und weg. Schaltet schnell, präzise und läuft tatsächlich schleiffrei auf allen Ritzel-/Blatt-Kombinationen.

magicman
31.03.2018, 09:30
sollte jemand eine Spyre benötigen ,kann sich bei mir melden

Tschipollini
31.03.2018, 10:45
Zielzustand erreicht :-)
Nachdem ich hier im Forum Force22 DTs, Schaltwerk und Werfer günstig gebraucht erworben und diese mit etwas Aufwand (mittlerweile hasse ich im Rahmen verlegte Züge ganz herzlich...) appliziert habe: mit den Force-DTs bremst es nun wie gewünscht, um nicht zu sagen wie die Sau :-). Die Bremse performt jetzt besser als meine Avid BB7 am anderen Rad. Das Hebelverhältnis der 11fach-Shimano-STI scheint tatsächlich nicht optimal zu den Spyres zu passen. Nebenbei: vom "Yaw"-Umwerfer bin ich hin und weg. Schaltet schnell, präzise und läuft tatsächlich schleiffrei auf allen Ritzel-/Blatt-Kombinationen.

Gut zu wissen. Danke für die Weitergabe deiner Erfahrungen!