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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ungenauigkeiten Speichentensiometer bzw. Speichentensiometer kalibrieren



SpacemanSpiff
13.12.2017, 20:45
Hallo Zusammen

Ich hatte schon länger "Lust" auf ein besseres Tensiometer als mein Park Tool TM-1. Ich habe mich dann etwas in die Materie hineingedacht und festgestellt, dass eigentlich alle Tensiometer ob teuer oder günstig nach der gleichen Methode arbeiten
- "Dreipunktbiegeversuch" mit definierter Federkraft
- Messwert ablesen
- Messwert mittels einer Tabelle umrechnen auf den entsprechenden Spannungswert je nach Material und Form der Speiche

Ich sehe da ziemlich viel Potential für Messungenauigkeiten. Zum einen weiss man nicht wie genau das Tensiometer ab Werk kalibriert ist und vor allem auch ob die Kalibrierung lange genug stabil bleibt wenn Gleitlager verschleissen, die Feder evtl. etwas nachlässt usw. Den weitaus grösseren Risikofaktor sehe ich allerdings in der Umrechnungstabelle. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Messerspeichen der verschiedenen Hersteller deutlich unterschiedliche Querschnittsformen haben, auch wenn Breite und Dicke grundsätzlich gleich sind. Die freie Speichenlänge hat vermutlich auch einen leichten Einfluss und wird in der Tabelle nicht berücksichtigt. Ein weiterer Punkt ist, dass Auflage der Speiche und Messstelle (mit Ausnahme vom Wheel Fanatyk Tensiometer) auf unterschiedlichen Seiten der Speiche liegen, so dass auch eine Dickenabweichung der Speiche einen deutlichen Einfluss auf den angezeigten Wert hat.

Alles in Allem bin ich also zum Schluss gekommen, dass es wichtiger ist das Tensiometer auf die jeweilige Speiche zu kalibrieren als ein superteures neues Tensiometer zu kaufen, da dieses im Endeffekt mit den gleichen Problemen kämpft wie ein billiges.

Am Wochenende bin ich dann endlich dazu gekommen eine Vorrichtung zu bauen mit der man Speichen zum Kalibrieren des Tensiometers definiert spannen kann:

https://4.bp.blogspot.com/-LR3Jgx0NkCc/WjGARHJ5iPI/AAAAAAAAyNg/dS-13dEaCnoT50l1o44qoAi9BEmFiyPLgCLcBGAs/s1600/20171209_221224%2B%2528Medium%2529%2B-%2BKopie.jpg

https://1.bp.blogspot.com/-EinTs9LvEX8/WjGARRJJhiI/AAAAAAAAyNo/mg5A1zqqT0Et-huOHnfMvsieVtAfSk1mwCLcBGAs/s1600/20171209_221255%2B%2528Medium%2529%2B-%2BKopie.jpg

Die Idee ist, dass ich zukünftig bei jedem Aufbau eines Laufradsatzes vorher die entsprechenden Speichen mit der voraussichtlichen Vorspannung in die Vorrichtung einspanne und mit dem Tensiometer messe um genau zu wissen, was auf der Tensiometerskala mein Zielwert ist. Solange das Tensiometer einigermassen wiederholgenau ist sollte man so äusserst genaue Ergebnisse bekommen da man jedes mal das Tensiometer auf genau die Speiche aus genau dem Fertigungsbatch und in der Länge kalibriert, wie man sie dann auch im Laufrad verwendet.

Der erste Test einer Sapim Race Speiche bei 1200 N ergab gleich, dass das Park Tool nach der mitgelieferten Tabelle satte 30% zu wenig anzeigt :eek:. Ich werde noch mehr Messungen mit verschiedenen Speichen und verschiedenen Spannungen machen, wenn ich etwas mehr Zeit habe.

Mich würde jetzt interessieren wie ihr mit der Sache umgeht. Ich gehe davon aus, dass die meisten Leute sich nicht so viele Gedanken machen und ihrem Tensiometer vertrauen. Aber gibt es auch Leute die Ihr Tensiometer regelmässig kalibrieren oder kalibrieren lassen? Die Vorgehensweise der Profis hier im Forum würde mich natürlich besonders interessieren!

Grundsätzlich muss ich noch dazu sagen, dass in vielen Fällen ein so genaues Messen natürlich garnicht nötig ist. Ich habe Laufradbau noch ganz Oldschool gelernt, da gab es garkein Tensiometer und trotzdem habe ich damals viele gute und haltbare Laufradsätze gebaut, halt nach Gefühl.
Aber wenn ich schon den Aufwand betreibe mit einem Tensiometer zu arbeiten möchte ich natürlich so genau wie möglich arbeiten, da kommt dann natürlich auch die Technikverliebtheit durch ;)

Grifoncino
13.12.2017, 20:59
Ich hab so ein ähnliches Gerät zum kalibrieren.
Allerdings war mein centrimaster tensio und das neue, das ich jetzt hab von sapim sehr gut kalibriert sind. Auch mit dem beiliegenden Kalibrierstick lassen sich die Werte wieder gut herstellen.
Ich hab mir aber ein ähnliches Gerät wie das deine bauen lassen um Spannungen für Speichen anderer Hersteller überprüfen zu können, für die keine Liste beim tensio dabei ist.
Ich würde daher also sagen wenn man sich einen ordentlichen tensio kauft, dann stimmen die Werte auch.

Marin
14.12.2017, 09:11
Ich hab ähnliche Überlegungen angestellt und bin für mich zu dem Schluß gekommen dass ich weiter ohne Tensiometer aufbaue, da ein Einsatz ohne eine Vorrichtung wie deine für mich sinnlos ist :)

Sehr schön gebaut!

Rolf1
14.12.2017, 09:50
Hallo Zusammen

Ich hatte schon länger "Lust" auf ein besseres Tensiometer als mein Park Tool TM-1. Ich habe mich dann etwas in die Materie hineingedacht und festgestellt, dass eigentlich alle Tensiometer ob teuer oder günstig nach der gleichen Methode arbeiten
- "Dreipunktbiegeversuch" mit definierter Federkraft
- Messwert ablesen
- Messwert mittels einer Tabelle umrechnen auf den entsprechenden Spannungswert je nach Material und Form der Speiche

Ich sehe da ziemlich viel Potential für Messungenauigkeiten.

Hallo,

aber klaro, genau so ist es! Man kalibriert mit einer Musterspeiche und hofft, dass alle Speichen dieses Typs gleich aussehen. Aber leider gibt es da signifikante Fertigungsstreuungen. Ich habe Speichen des gleichen Typs mit gleicher Länge, die ein um mehr als 1/10g unterschiedliches Gewicht haben. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass es ja Speichen mit unterschiedlicher Länge gibt, bei denen das Verhältnis der Längen an den Enden zur Länge des dünneren Schaftes variiert, dann ist das noch ein zusätzlicher Einfluss. Last but not least wird ein Laufrad erst zentriert und danach der Reifen montiert und der Schlauch aufgepumpt. Dann sinkt die Speichenkraft deutlich. Ich messe die Speichenkraft daher erst mit aufgepumpten Reifen, weil eigentlich nur das relevant ist. Dazu verwende ich keinen Tensiometer sondern nur eine Schieblehre mit digitaler Anzeige. Dazu klemme ich 2 Anschläge an die Speiche mit der höchsten Speichenkraft (Basis: "Zupfprobe"), messe den Abstand zwischen den Anschlägen, löse die Speiche (dabei merke ich mir die Anzahl Umdrehungen des Nippels), messe wieder und ziehe die Speiche wieder mit der gleichen Anzahl Umdrehungen an. Aus der Längenänderung ergibt sich die Speichenkraft. Natürlich muss man dazu auch die Durchmesser (bzw. Breite * Dicke bei Messerspeichen) ermitteln. Damit umgeht man alle "Kümmernisse" der Dreipunktmessung und der Fertigungsstreuungen der Speichen. Das mag ein wenig umständlich sein, aber für den gelegentlichen Hausgebrauch reicht das vollkommen und ist auch genau genug. Ganz nebenbei gäbe es für meine abgeschliffenen Speichen natürlich keine Umrechnungstabelle....

Ciao Rolf

Vordrängler
14.12.2017, 10:22
Ich hab ähnliche Überlegungen angestellt und bin für mich zu dem Schluß gekommen dass ich weiter ohne Tensiometer aufbaue, da ein Einsatz ohne eine Vorrichtung wie deine für mich sinnlos ist :)

Sehr schön gebaut!

sicher baut man auch super Laufräder ohne Tensio. Aber die Hauptaufgabe liegt doch in der relativen Gleichheit der Speichenspannung und nicht am Erreichen eines theoretischen Absolutwertes. Somit wäre ein Tensio auch unkalibriert von Vorteil.

chaval
14.12.2017, 10:26
@TE: Super gelöst und schön ist es auch.

Bau doch mal eine Kleinserie für die TF-members. Der Bedarf wäre bestimmt da.

Geruß
Chaval

Patrice Clerc
14.12.2017, 10:47
Der absolute Wert ist doch gar nicht so spannend. Viel interessanter ist das Tensiometer, dass man reproduzierbar die Speichspannung überprüfen und damit die Speichen weitgehend gleichmässig stark spannen kann. Dass man das nach der Manier von Zupfinstrumenten auch ohne Tensiometer machen könne, wird auf diese Aussage immer wieder erwidert. Ich bleibe diesbezüglich skeptisch. Einerseits kann man man mit einem Tensiometer auch kleine Unterschiede klar und deutlich messen. Zum anderen tönen für mich die Speichen erst dann deutlich unterschiedlich, wenn die Spannungsunterschiede ebenfalls deutlich sind.

Unter dem Strich ist das Tensiometer, selbst wenn es nur reproduzierbare, aber nicht absolut präzise Werte liefert, deutlich praktikabler.

Wie ich sehe, hat sich Vordrängler namensgerecht vorgedrängt und schon vor mir das sinngemäss gleiche geschrieben.

:Applaus:

Vordrängler
14.12.2017, 10:58
ich habe den Vorteil an meiner Arbeitstelle Zugang zu einer "Zwick" zu haben. Da kann ich eine Musterspeiche einspannen, mit definierter genauester Kraft belasten und das Tensio anlegen.
Erfahrung 1: so schlecht war die Tabelle von Parktool auch wieder nicht.
Erfahrung zwei: dein Tool muss entweder immer trocken oder immer geölt sein, der Unterschied ist gross.

Aber auch Tensios sind keine Raketenwissenschaften, man muss damit nicht zum Mars fliegen. Mir ist noch nie eine Speiche gerissen (höchstens mal ein oxidierter Alunippel). 20 Newton hin und her ist doch fast egal, Hauptsache eine Seite ist gleich gespannt.

In meiner Heimatstadt, wo ich aufwuchs, war jahrzehntelang eine grosse Fahrradfabrik. Dort wurden die "Mars"-Räder produziert, die über den Quelle-Versand vertrieben wurden. Oft hatte ich als Ferienarbeiter den Frauen zugesehen, die im Akkord Laufräder eingespeicht hatten. Sicherlich keine Präzisionsteile, Massenware eben. Aber die hielten auch, ich habs ja als Jugendlicher selbst gefahren und wir hatten damit auch Treppensprünge und Trail-Einlagen hingelegt, lange bevor das MTB nach Europa kam. Die Damen speichten die Räder in enormer Geschwindigkeit ein, hielten die Nabe kurz für einen Proberundlauf fest, drückten vielleicht zwei dreimal ab und waren nach wenigen Minuten fertig. Die Räder liefen rund, ohne Messuhren, Tensio. Ich weiss nicht mal mehr genau ob sie eine Lehre für die Mittigkeit benutzten. Und sie beratschten nebenher noch aktuellen Kleinstadttratsch :D

pepperbiker
14.12.2017, 11:15
Sehr schönes Teil...interessant wäre jetzt noch die akustische Messung der Speichenspannung für verschiedene Speichenformen und -längen :D. Da würde ja drei bis vier Längen pro Speiche reichen (260, 270, 280 mm). Tonhöhe lässt sich ja gut mit Tablet und Konsorten "messen" (wer misst, misst Mist). Die Streuung der Speichen wäre allerdings auch interessant.

Ecoon
14.12.2017, 11:59
Aber gibt es auch Leute die Ihr Tensiometer regelmässig kalibrieren oder kalibrieren lassen? Die Vorgehensweise der Profis hier im Forum würde mich natürlich besonders interessieren!

Aus dem Laufradbau kann ich dir nichts erzählen, aber Leute die Steuerseile in Flugzeugen (Cessna 152 bis Boeing 747) benutzen ja auch Tensiometer und da gibt es eine sehr ähnliche Vorrichtung zum Abgleich des Tensiometers. Die sehen halt nicht ganz so hübsch aus wie deines. Außerdem arbeitet man dort mit Gewichten die an den Seilen hängen, dass hat den Vorteil, dass man weniger einstellen muss und rückwirkungsfrei messen kann. Letztendlich wird es aber kaum einen Unterschied machen. Man muss ja auch dazu sagen, dass die Seile in Flugzeugen deutlich länger sind und die Messung mit dem Tensiometer kaum Einfluss hat, wahrscheinlich bildet deine Kalibriereinrichtung den tatsächlichen Zustand im Rad sogar besser ab.
Finde deine Lösung optisch auch sehr chic :applaus:

Marin
14.12.2017, 12:41
sicher baut man auch super Laufräder ohne Tensio. Aber die Hauptaufgabe liegt doch in der relativen Gleichheit der Speichenspannung und nicht am Erreichen eines theoretischen Absolutwertes. Somit wäre ein Tensio auch unkalibriert von Vorteil.

Das mach ich über die Tonhöhe beim Zupfen, das geht viel schneller. Für mich wäre ein Tensiometer nur da, um rechts hinten die Spannung hoch, aber nicht zu hoch zu bringen, der Rest ergibt sich dann eh von selbst.

Pedalierer
14.12.2017, 13:59
Ich habe früher auch nur über Tonhöhe zentriert, aber in der Kombi aus Tensio und Zupfprobe bin ich schneller und genauer. Bei gekreutzten Speichen ist Ton auch schnell mal eine dissonante Mischung aus vielen Tönen, da kann man dann nur vage nach Tonhöhe agieren.

Vordrängler
14.12.2017, 15:17
Das mach ich über die Tonhöhe beim Zupfen, das geht viel schneller. Für mich wäre ein Tensiometer nur da, um rechts hinten die Spannung hoch, aber nicht zu hoch zu bringen, der Rest ergibt sich dann eh von selbst.

ist bei gekreuzten Speichen nicht ganz so einfach/genau. Da ist das Tensio klar im Vorteil

•Žarko
14.12.2017, 19:30
Ein Tensio liefert eben so präzise wie es alle Umstände zulassen.
Ob günstig oder teuer ist wohl tatsächlich nicht die entscheidende Frage.
Wie wertvoll also für sich gesehen die Erkenntnis oder Gewissheit einen absoluten Wert zu haben?

Ich z.B mache mir mittlerweile die meisten Gedanken darüber, um welchen Betrag die Spannung sinkt sobald ein Reifen montiert ist und wie sehr es die angepeilte Mittigkeit des Rades beeinflusst bzw verfehlt.

Pedalierer
14.12.2017, 20:25
Ich z.B mache mir mittlerweile die meisten Gedanken darüber, um welchen Betrag die Spannung sinkt sobald ein Reifen montiert ist und wie sehr es die angepeilte Mittigkeit des Rades beeinflusst bzw verfehlt.

Ja in Zeiten von Tubeless-Felgen ist das ein immenser Faktor geworden. Man erschreckt sich immer wie viel das ausmacht.

SpacemanSpiff
14.12.2017, 21:58
Zunächst vielen Dank für die vielen interessanten Rückmeldungen!


Dazu verwende ich keinen Tensiometer sondern nur eine Schieblehre mit digitaler Anzeige. Dazu klemme ich 2 Anschläge an die Speiche mit der höchsten Speichenkraft (Basis: "Zupfprobe"), messe den Abstand zwischen den Anschlägen, löse die Speiche (dabei merke ich mir die Anzahl Umdrehungen des Nippels), messe wieder und ziehe die Speiche wieder mit der gleichen Anzahl Umdrehungen an. Aus der Längenänderung ergibt sich die Speichenkraft. Natürlich muss man dazu auch die Durchmesser (bzw. Breite * Dicke bei Messerspeichen) ermitteln. Damit umgeht man alle "Kümmernisse" der Dreipunktmessung und der Fertigungsstreuungen der Speichen.

Das ist natürlich auch eine sehr interessante und wohl ziemlich genaue Methode! Was verwendest du als Anschläge?


ich habe den Vorteil an meiner Arbeitstelle Zugang zu einer "Zwick" zu haben. Da kann ich eine Musterspeiche einspannen, mit definierter genauester Kraft belasten und das Tensio anlegen.
Erfahrung 1: so schlecht war die Tabelle von Parktool auch wieder nicht.
Erfahrung zwei: dein Tool muss entweder immer trocken oder immer geölt sein, der Unterschied ist gross.


Hm, jetzt wo du es sagst, eine Zwick hätte ich auf der Arbeit auch zur Verfügung... Aber jetzt ist es schon gebaut :D Vielleicht mache ich mal eine Referenzmessung. Ja, ich hoffe, dass nicht alle Park Tool Tensiometer so falsch messen wie meins...Habe meins noch nie geölt aber dann würde es ja wahrscheinlich noch weniger Spannung anzeigen...



Wie wertvoll also für sich gesehen die Erkenntnis oder Gewissheit einen absoluten Wert zu haben?

Ich z.B mache mir mittlerweile die meisten Gedanken darüber, um welchen Betrag die Spannung sinkt sobald ein Reifen montiert ist und wie sehr es die angepeilte Mittigkeit des Rades beeinflusst bzw verfehlt.

Ich finde es in sofern sinnvoll, dass ich versuche in den Maximalwerten der Komponentenhersteller zu bleiben. Gerade bei sehr asymmetrischen 11 fach Naben muss man nach meiner Erfahrung rechts die erlaubte Maximalspannung oft sehr ausreizen um links halbwegs auf Speichenspannung zu kommen. Hängt aber natürlich auch damit zusammen, dass mein Tensiometer, wie ich ja jetzt weiss, 30% zu wenig anzeigt... Früher ohne Tensio habe ich deutlich härter eingespeicht als heute und die LR haben teilweise zehntausende problemlose km hinter sich. Aber gerade wenn Freunde sich teures Material kaufen und von mir aufbauen lassen will ich mich schon an die Herstellerangaben halten.

Das mit der sinkenden Spannung mit Reifen ist in der Tat je nach Felge ein grosses Thema. Ich messe meistens mit Reifen nochmal und arbeite gegebenenfalls etwas nach.

bob600
14.12.2017, 22:27
Ich hab meinen TM-1 vor einer Weile mal vermessen:
http://forum.tour-magazin.de/showthread.php?359819-Unterschiedliche-Messwerte-DT-Swiss-vs-TM-1&p=5470132#post5470132

Für mich absolut in Ordnung. Ob das jetzt bei anderen Speichentypen stärker abweicht ist mir realtiv egal. Hauptsache homogen gespannt ob das dann 900N oder 1100N sind ist meistens auch realtiv irrelevant.

ArneL
19.12.2017, 17:27
... Am Wochenende bin ich dann endlich dazu gekommen eine Vorrichtung zu bauen mit der man Speichen zum Kalibrieren des Tensiometers definiert spannen kann:

Neben der Funktion sieht dieser Kalibrierer auch richtig gut aus. Ich kann mir die Freude beim Bauen des Geräts vorstellen.

:gut::gut::gut:

Die Antworten oben geben ganz gut das Meinungsspektrum zum Arbeiten mit Tensiometer wieder. Es ist eben ein Werkzeug, das zum Verwender passen muss. Mir hilft ein Tensiometer sehr, ein Speichengefüge besser zu verstehen.

Rolf1
19.12.2017, 18:57
Zunächst vielen Dank für die vielen interessanten Rückmeldungen!


Das ist natürlich auch eine sehr interessante und wohl ziemlich genaue Methode! Was verwendest du als Anschläge?



Hallo,

dazu kann man je 2 schmale, längliche Alubleche benutzen, die an den Enden Bohrungen für Schrauben haben. Nach Lösen einer Schraube kann man das Ganze über eine Speiche machen und mit dann an der Speiche befestigen. Der Abstand sollte möglichst groß sein um den Messbereich der Schieblehre (meist max. 150mm) so weit wie möglich auszunutzen. Bei 1000N und einem Querschnitt von 2mm^2 ergibt sich bei 140mm Messlänge eine elastische Dehnung von etwa 0,35mm. Bei einer Messgenauigkeit von ca. 0,05mm wären das etwa 14% Abweichung, was vollkommen ausreichend ist. Ich glaube nicht, dass Tensiometer mit 3-Punktmessung und Umrechnungstabelle genauer sind. Die Methode ist natürlich umständlich und nur für den gelegentlichen Hausgebrauch sinnvoll. Ich messe damit auch nur die Speiche mit dem höchsten Ton, weil ich verhindern will, dass z.B. bei radial eingespeichten Vorderrädern die Nippellöcher ausreissen oder dass Leichtbaunaben überlastet werden. Gleichmäßige Speichenspannung erreiche ich nur über die "Zupfprobe". Daher interessiert mich der Absolutwert nur bei der am stärksten gespannten Speiche.

Ciao Rolf

Vordrängler
19.12.2017, 19:32
Ein Tensio liefert eben so präzise wie es alle Umstände zulassen.
Ob günstig oder teuer ist wohl tatsächlich nicht die entscheidende Frage.
Wie wertvoll also für sich gesehen die Erkenntnis oder Gewissheit einen absoluten Wert zu haben?

Ich z.B mache mir mittlerweile die meisten Gedanken darüber, um welchen Betrag die Spannung sinkt sobald ein Reifen montiert ist und wie sehr es die angepeilte Mittigkeit des Rades beeinflusst bzw verfehlt.

hast du absolut Recht, mach ich mir auch immer mehr Gedanken. Oft sinkt die Spannung links hinten mit Reifen schon bedrohlich tief. Andereseits - das mach ich auch schon ein paar Jahre und es ist nie was passiert.

felixthewolf
19.12.2017, 19:58
Das mit der sinkenden Spannung mit Reifen ist in der Tat je nach Felge ein grosses Thema.

Nach unseren Messungen ist es eher eine Frage des Reifens.
Wir haben Reifen, die drücken die Spannung um 40%, sowohl bei einer 400gr-Alufelge als auch bei einer Hochprofil-Carbonfelge um 35%. Mit gleichem Riefen aus der nächsten Charge sind es nur 10% aber der Reifen springt bei 4bar ab - von der Felge mit einem hohem Horn nach neuer UST-Norm.
Uns als Laufradbauer stellt das gerade vor ziemliche Herausforderungen.
Hier wird es Zeit, dass die Reifenhersteller ihre Toleranzen in den Griff bekommen und einen guten Mittelwert finden.

Felix

Pedalierer
19.12.2017, 20:48
40% ist wirklich gewaltig. Bei mir waren es immer so 25% was ich auch schon als viel empfand. Ohne Luftdruck war die Spannung wie ohne Bereifung, unter 6 bar dann um 1/4 reduziert.

Wäre ja mal interessant unter welchem Reifenmodell das wie schwankt, aber wenn schon ein und das selbe Modell so stark streut ist man da hilflos da gegen zu steuern.

ArneL
19.12.2017, 20:51
Andereseits - das mach ich auch schon ein paar Jahre und es ist nie was passiert.

"Die letzten Worte eines Schraubers." :D




Ich z.B mache mir mittlerweile die meisten Gedanken darüber, um welchen Betrag die Spannung sinkt sobald ein Reifen montiert ist und wie sehr es die angepeilte Mittigkeit des Rades beeinflusst bzw verfehlt.

hast du absolut Recht, mach ich mir auch immer mehr Gedanken. Oft sinkt die Spannung links hinten mit Reifen schon bedrohlich tief.

Die Frage will natürlich beantwortet werden. Ich habe gerade mal ein Hinterrad nachgemessen, frisch zentriert, ohne Reifen: rechts 1150 N, links 700 N; mit Schlauch + Reifen 7.0 bar bzw. 100 psi: rechts 1050 N, links 600 N.

Mein Fazit: Die Last wird auf der rechten Seite getragen, daran ändert sich durch den Reifendruck nichts. Wesentlich für ein stabiles Gefüge ist eine über alle Speichen gleichmäßige Spannung. Und wenn das ohne Reifen gegeben ist, dann bleibt es auch mit Reifendruck erhalten. Anders ausgedrückt: Der Druck durch den montierten Reifen ist hier nicht der relevante Faktor.

Pedalierer
19.12.2017, 21:07
"Die letzten Worte eines Schraubers." :D
Der Druck durch den montierten Reifen ist hier nicht der relevante Faktor.

Also wenn das LR ohne Reifen mittig steht und mit Reifendruck dann 1 mm außer der Mitte steht, dann ist das sehr wohl relevant. Ist mir bei meiner Ryde Sprint 16:8 so passiert. Seitdem zentriere ich immer unter Betriebsdruck nach, sowohl Mittigkeit wie auch Vorspannung. Das kann der Laufradbauer nur nicht leisten wenn unterschiedliche Reifen die Felge unterschiedlich zusammendrücken und deshalb versteh ich deren Sorgen recht gut.

felixthewolf
19.12.2017, 21:15
40% ist wirklich gewaltig. Bei mir waren es immer so 25% was ich auch schon als viel empfand. Ohne Luftdruck war die Spannung wie ohne Bereifung, unter 6 bar dann um 1/4 reduziert.

Wäre ja mal interessant unter welchem Reifenmodell das wie schwankt, aber wenn schon ein und das selbe Modell so stark streut ist man da hilflos da gegen zu steuern.

Bei tubeless_Felgen, mit denen der Riefne auf einen Sitz poppt ist der Reifendruck nahezu unwirksam. Hier drückt nur der Kevlargürtel des Reifens die Felge zusammen.
Bei leichten Alufelgen sogar teilweise plastisch: ohne Reifen frisch gebaut 1200N, mit Reifen 700N, ohne Reifen 1000N (jeweils auf der Antriebsseite, exemplarisch).

Felix

Pedalierer
19.12.2017, 21:50
Doch mit Faltreifen spielte bei meinem Fall der Luftdruck eine entscheidende Rolle. Konnte ich leicht nachprüfen indem ich die Luft abgelassen habe. Prompt war die Vorspannung wieder normal.

Tom
19.12.2017, 21:55
Am Wochenende bin ich dann endlich dazu gekommen eine Vorrichtung zu bauen mit der man Speichen zum Kalibrieren des Tensiometers definiert spannen kann:

Einfach Hammer Gerät.
Für mich und meine Laufräder brauche ich kein Tensiometer. Aber wnn, dann nur mit dem Spaceman.

ArneL
19.12.2017, 22:25
Also wenn das LR ohne Reifen mittig steht und mit Reifendruck dann 1 mm außer der Mitte steht, dann ist das sehr wohl relevant. Ist mir bei meiner Ryde Sprint 16:8 so passiert. Seitdem zentriere ich immer unter Betriebsdruck nach, sowohl Mittigkeit wie auch Vorspannung. Das kann der Laufradbauer nur nicht leisten wenn unterschiedliche Reifen die Felge unterschiedlich zusammendrücken und deshalb versteh ich deren Sorgen recht gut.

Dann lasse ich mal die Luft aus dem Reifen... an der Mittigkeit ändert das nichts, die Messuhr für die Seite ist davon unbeeindruckt.

Richtig ist der Einwand, dass dieser eine Versuch alles andere als repräsentativ ist. Je nach Felge usw. sind die Abweichungen bei montiertem Reifen größer. Das A und O bleibt für mich aber die rundum gleichmäßige, hohe Spannung, damit es nicht "bedrohlich tief" wird.

ArneL
19.12.2017, 22:36
@TE: Super gelöst und schön ist es auch.

Bau doch mal eine Kleinserie für die TF-members. Der Bedarf wäre bestimmt da.

Würde auch ein Bauplan helfen, mit Teileliste usw.? Oder denkst Du an ein schlüsselfertiges Gerät?

Pedalierer
20.12.2017, 11:11
Dann lasse ich mal die Luft aus dem Reifen... an der Mittigkeit ändert das nichts, die Messuhr für die Seite ist davon unbeeindruckt.


Eben doch. Fast 1 mm

•Žarko
20.12.2017, 11:27
Dann lasse ich mal die Luft aus dem Reifen... an der Mittigkeit ändert das nichts, die Messuhr für die Seite ist davon unbeeindruckt.

Richtig ist der Einwand, dass dieser eine Versuch alles andere als repräsentativ ist. Je nach Felge usw. sind die Abweichungen bei montiertem Reifen größer. Das A und O bleibt für mich aber die rundum gleichmäßige, hohe Spannung, damit es nicht "bedrohlich tief" wird.


Für dein Laufrad mag das zutreffen. Nach unzähligen Messungen denke ich, einen etwas repräsentativeren Eindruck bekommen zu haben. Die Schwankungen sind unter professionellen Gesichtspunkten schon enorm.
Daher mein Eingangspost, das angepeilte 50N rauf/runter bereits in der Homogenität der meisten handelsüblichen Laufräder weit verfehlt werden. Erschreckend weit sogar. Vielleicht wird auch deshalb Prolock niemals aussterben.

Grifoncino
22.12.2017, 18:50
Jetzt muss ich mein Kalibriergerät auch zeigen. Hab ich mir für kleines Geld bauen lassen; Vorbild war unverkennbar der Tensioner von Centrimaster. Das teuerste an dem ganzen Teil war das Gelagerte Kurbelrad, der Rest waren übriggebliebene Alu und Edelstahlteil. Eben mal ein Feingewinde aufdrehen lassen :D
Ich bin nicht vom Fach aber so oder so ähnlich wurde es mir erklärt. Eloxiert wurde das ganze auch noch. Farblich passenden Tensiometer hab ich mir dann auch noch machen lassen - naja fast farblich passend. Für das rot eloxieren hab ich es verpasst das Teil mitzugeben...
Allerdings benutze ich diesen Tensiometer sehr selten, da ist mir der von Sapim irgendwie lieber; obwohl der selbst gemachte deutlich leichter ist.

635770635771

NightRacerII
24.12.2017, 14:56
@SpacemanSpiff

kannst bitte mal schreiben welche Waage du verwendet hast?
Wenn du Bock hast vielleicht auch ne Teileliste bzw. die Maße von deinem Holzrahmen.
Ich will mir das Teil auch nachbauen...


beste Grüße und besinnliche Feiertage


Michael

ArneL
28.12.2017, 13:00
kannst bitte mal schreiben welche Waage du verwendet hast?
Wenn du Bock hast vielleicht auch ne Teileliste bzw. die Maße von deinem Holzrahmen.
Ich will mir das Teil auch nachbauen...

Suche mal im Netz nach "Hängewaage" bzw. "Kranwaage". Wichtig ist der Wägebereich, bis 150 kg sollte sie können.

Der Rahmen hat ein Innenmaß - geschätzt - von 60 cm x 15 cm.

Viel Spaß beim Bauen...

•Žarko
29.12.2017, 00:15
Heute: Lose Speiche am Vr! Rad eines Kunden nach 3000Km (3. lose Speiche in 10 Jahren!)

Felge RR440 / 28Loch. Speiche : Comp-Race, 2 fach. knapp 1000! N

mit Reifen (Grand Prix Classic 25, der sehr easy ist) nur noch knapp 700!! N >

Fahrer 100kg

Mit Corsa Speed 23 das gleiche Ergebnis.

Zufällig die gleiche Felge mit 20 Loch Cx Ray aufegbaut zur Hand gehabt, ohne nennenswerten Spannungsverlust.

Felge begutachtet, nichts Auffälliges gefunden jedoch.

Am dazugehörigen HR ebefalls kein Spannungsabfall.

Die rr440 ist kein Kanditat, bei dem ich mir bislang Sorgen darum gemacht hätte. Reifen gingen ziemlich leicht drauf.

Sehr kurios.

Also, liebe Leut, mit Tensio, nutzt die Gelegenheit

Ich überdenke das mit dem Prolock nochmal :D

NightRacerII
29.12.2017, 10:07
...
Also, liebe Leut, mit Tensio, nutzt die Gelegenheit
...


Wie meinst du das ? Welche Gelegenheit?


mfg

Michael

SpacemanSpiff
29.12.2017, 22:09
Ui Entschuldigung, ich habe gerade erst mitbekommen, dass im Thread hier noch so viel gegangen ist :eek:

Jetzt muss ich mein Kalibriergerät auch zeigen. Hab ich mir für kleines Geld bauen lassen; Vorbild war unverkennbar der Tensioner von Centrimaster. Das teuerste an dem ganzen Teil war das Gelagerte Kurbelrad, der Rest waren übriggebliebene Alu und Edelstahlteil. Eben mal ein Feingewinde aufdrehen lassen :D
Ich bin nicht vom Fach aber so oder so ähnlich wurde es mir erklärt. Eloxiert wurde das ganze auch noch. Farblich passenden Tensiometer hab ich mir dann auch noch machen lassen - naja fast farblich passend. Für das rot eloxieren hab ich es verpasst das Teil mitzugeben...
Allerdings benutze ich diesen Tensiometer sehr selten, da ist mir der von Sapim irgendwie lieber; obwohl der selbst gemachte deutlich leichter ist.

635770635771

Das sieht beides hervorragend aus!


@SpacemanSpiff

kannst bitte mal schreiben welche Waage du verwendet hast?
Wenn du Bock hast vielleicht auch ne Teileliste bzw. die Maße von deinem Holzrahmen.
Ich will mir das Teil auch nachbauen...



Ich bin gerade nicht Zuhause aber ich schaue, dass ich nächste Woche ein paar Details zusammenstellen kann. Gibt ja doch wohl einige die es interessiert (um eine Kleinserie zu bauen habe ich leider nicht die Zeit). Die Waage ist eine "Kern HCB 200K100". Eine günstigere Waage mit ähnlichen technischen Daten tut es aber sicherlich auch.