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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Luxus-Sitzproblem oder Sattelverschleiß?



Indurey
19.07.2019, 23:16
So, nachdem mir hartnäckige Sitzbeschwerden (schmerzende Sitzknochen nach einer Stunde und ein seit Jahren an gleicher Stelle wiederkehrendes furunkelartiges Teil im Schritt, das selbst nach längerer Pause spätestens bei der zweiten Ausfahrt wieder "Hallo" sagt, machts nicht besser) wieder kurz davor waren, mir die Lust zu verderben und auch mit Trainingsfortschritt nicht besser wurden, hab ich jetzt kürzlich eine ganze Batterie neuer Sättel für meinen Fuhrpark bestellt.

Hab vorher meine vorhanden (darunter SLR, Fizik, Ferrari Novus, Rolls) durchprobiert - hat nix geholfen. Schon etwas genervt, hab ich dann mal zu Testzwecken mehrere neue bestellt, allesamt eher billigere bzw. (zumindest für mich) No-Names. Auswahlkriterien waren, es sollte nicht schon optisch schmerzen, günstig/runtergesetzt und nicht bleischwer sein.

Soweit ja eigentlich nix besonderes. Nun probier ich die alle abwechselnd durch, und siehe da, ich sitze nun auf jedem einzelnen von denen besser als auf all meinen hochwertigeren alten Sättel. Ich hab schon früher regelmäßig die Erfahrung gemacht, dass auch gute Sättel, mit denen ich zunächst prima zurechtkam, nach einiger Zeit angefangen haben, Probleme zu machen.

Hab zunächst gedacht dass dies möglicherweise an mir, d.h. schleichende anatomische Veränderungen, Trainigszustand, andere Belastungsgewohnheiten, etc. liegt.

So langsam tendiere ich aber zur Annahme, dass es am Sattel liegt, d.h. dass auch gute Sättel mit der Zeit an Spannung oder Steifigkeit verlieren und ich dann nicht mehr da aufsitze, wo es sein soll, sondern da, wo es am ehesten schmerzt (und körpereigene Polsterung hab ich nur sehr wenig).

Kann das so sein? Meine vorläufige Schlussfolgerung ist jedenfalls, ich kauf mir keinen teuren Sattel mehr sondern dafür lieber regelmäßig einen neuen (und muß nicht rumheulen, wenn das alte Teil in die Tonne fliegt).

Nicht gerade nachhaltig, aber wenn's hilft.

Alumini
22.07.2019, 11:58
Ich hatte noch keinen explizit durchgesessenen Sattel, aber Hosenpolster sitzen sich auch irgendwann durch.

Die Forunkeldinger sind oft entzündete Haarwurzeln, was tendenziell öfter vorkommt, wenn rasiert wird.

Indurey
22.07.2019, 12:17
Ich hab auch schon einen Gel-Sattel probiert, der hatte nach kurzer Zeit deutlich sichtbare und bleibende Eindrücke der Sitzknochen (macht das nachmessen einfach), der Effekt des Gel-Zeugs war damit exakt 0. Weshalb ich auch einen echten Ledersattel eher ausschließen würde, im Gegensatz zu guten Schuhen wäre da - so vermute ich mal - die Anpassung bei mir eher kontraproduktiv.

Und P.S. Beine rasieren ja, aber soweit dann normalerweise doch nicht - ich vermute es liegt eher an den Einsätzen, weil sich da öfter mal Falten bilden und ich schon während dem Fahren, jedesmal wenn ich mich setze schon am Hosenbein rumzupfe.

Gosy
22.07.2019, 12:24
Falsche Hose , Sattel , Sitzposition .

Indurey
22.07.2019, 12:30
Logisch, irgendwo daran wird's liegen. Hab aber alles schon mit zig Variationen durch und die einzige halbwegs stabile Korrelation, die ich bisher festgestellt habe, war die Nutzungsdauer des Sattels (der ja, wie gesagt zunächst, vielleicht so 2-3 Jahre, gepasst hat).

Gosy
22.07.2019, 12:34
Einige Zeit oder 2-3 Jahre ? Nach 3 Jahren kann ein Sattel auch mal durch sein. Guter fitter. Und die Hose muss gut sitzen sonst hilft der gute Sattel auch nix .

Indurey
22.07.2019, 12:41
Wenn der Sattel nicht schon von vorneherein nicht gepasst hat dann waren es schon so 2-3 Jahre (ich glaube beim Fizik Pave hab ich am längsten geglaubt, den richtigen zu haben - waren allerdings 2 davon, weil der erste auch nach längerer Zeit nicht aufgehört hat, sehr stark abzufärben). Aber eigentlich war das ja genau die Frage, worauf ich hinaus wollte.

los vannos
22.07.2019, 12:44
Haste deine Sitzknochenbreite mal gemessen?
Setz dich auf einem Hocker auf ein Stück Wellpappe und mach in "Töpfchenstellung" :D zwei Abdrücke der Sitzknochen!
Die Mitte davon, also der mittige Abstand beider Abdrücke ist dann der Anhaltspunkt, in welche Richtung auch die Sattelbreite sein sollte.
Man nimmt dann den Abstand und gibt pro Seite 10mm mehr, also ein Abstand von z.B. bei mir von 120mm ergibt eine Sattelbreite von ca. 140mm (oder eben wie bei meinen älteren Specialized Sätteln 143mm, was bei mir sehr gut funzt)

Und da ist bei mir noch nie was ausgeleiert...sprich ich fahre schon ewig meine Toupe Sättel und die fahren sich wie am Anfang

Abeer, sowohl Sattelhöhe, dann Ausrichtung zur Mitte Tretlager, sowohl die Vorbaulänge und Lenkerhöhe sind maßgeblich entscheidend dafür, dass es auch schmerzfrei bleibt.
Wenn die Sitzposition von Anfang an verkehrt ist, dann wird es auch schwer, den Boppes schmerzfrei radeln zu lassen ;)

Beaver
22.07.2019, 12:52
Da kannst Du mal schauen: https://forum.tour-magazin.de/entry.php?6162-Links-zur-Suche-nach-einem-passenden-Sattel

Passt die Sitzhöhe? Ansonsten müsste der Druck bei Dir von den Sitzknochen weg, also ein flaches statt geschwungenes Modell nehmen.

Die Polsterung lässt immer mit der Zeit nach, wenn der Sattel an sich aber passt, sollte das unkritisch sein.

Indurey
22.07.2019, 12:56
Wie gesagt am Gelsattel sind die Eindrücke deutlich sichtbar, die Hauptbelastungspunkte sind aber deutlich enger (ca. 6cm, verpfuschte Anatomie?) und genau da schmerzt es dann auch, bei breitern und schmaleren Sätteln.
Das andere, ja, da hab ich auch schon mit leichten Variationen gearbeitet, und da veränderen sich bei mir auch die Präferenzen je nach Trainigsstand ein wenig.

Indurey
22.07.2019, 13:04
Da kannst Du mal schauen: https://forum.tour-magazin.de/entry.php?6162-Links-zur-Suche-nach-einem-passenden-Sattel

Passt die Sitzhöhe? Ansonsten müsste der Druck bei Dir von den Sitzknochen weg, also ein flaches statt geschwungenes Modell nehmen.

Die Polsterung lässt immer mit der Zeit nach, wenn der Sattel an sich aber passt, sollte das unkritisch sein.

Das hab ich mittlerweile schon irgendwie intuitiv festgestellt, dass mir allein schon beim Anschauen ein flacherer Sattel passender vorkommt.

Sitzhöhe fühl ich mich eher im oberen (aber nicht übertrieben) Bereich wohl, tiefer schmerzt irgenwann das rechte Knie. Ich hab auch schon an einen möglichen Beckenschiefstand (2 Bänderisse mit gebrochen Knöchel u. Mittelfuß) gedacht - aber die Ärzte, die ich bisher kennengelernt habe, haben Sportunanehmlichkeiten als Luxusproblem vernachlässigt.

Ralphi
22.07.2019, 13:12
So, nachdem mir hartnäckige Sitzbeschwerden (schmerzende Sitzknochen nach einer Stunde und ein seit Jahren an gleicher Stelle wiederkehrendes furunkelartiges Teil im Schritt, das selbst nach längerer Pause spätestens bei der zweiten Ausfahrt wieder "Hallo" sagt, machts nicht besser) wieder kurz davor waren, mir die Lust zu verderben und auch mit Trainingsfortschritt nicht besser wurden, hab ich jetzt kürzlich eine ganze Batterie neuer Sättel für meinen Fuhrpark bestellt.


Manchmal nützt die beste Körperpflege nichts und der Poppes neigt bei längeren Touren zu Entzündungen und Schmerzen.
Wenn der Sattel der Wahl es nicht richten kann, dann kann man unter Umständen mit Cremes etwas nachhelfen.

Hier eine Auswahl aus meinem Fundus, wobei ich in letzter Zeit die Hirschtalg-Sportcreme bevorzuge. Hilft bei meinem Hintern :)

683072

Indurey
22.07.2019, 13:21
Ja, manchmal, nutz ich das auch, wenn ich umfangreicher unterwegs bin, mag nur das Geschmiere nicht so.

Achja, vielleicht zu den Einstellungssachen als Hintegrund. Als ich voll im Saft stand (ca. 20Tkm im Jahr) hatte ich das alles penibel eingestellt. Nun, das ist 20 Jahre her und zwischenzeitlich gab es auch Jahre mit 0,nix (wobei ich dann natürlich auch nichts am Rad verstellt habe) - was jetzt am besten bei mir wäre ist also noch/wieder Gegenstand der Forschung.

Beaver
22.07.2019, 13:32
Die Position an sich ist nicht wirklich vom Trainingszustand abhängig. Mit mehr Muskeln könnte sich da etwas um einige Millimeter verschieben, aber das ist nicht dramatisch. Schon mal ein paar Millimeter niedriger probiert?

Ansonsten sollte der Druck gleichmäßig verteilt sein, also weder Sitzknochen noch Dammbereich deutlich mehr Druck vermelden. Bei Dir dann eben ein flaches Modell, bei Leuten mit Problemen im Dammbereich ein geschwungenes. Und mit der seitlichen Krümmung kann man auch noch probieren. Ich bin am Ende bei einem "Tischtennisschläger" gelandet. ;) Andere Leute können damit keine 10km fahren ("wie ein Brett"), mir passt's. :D

Ralphi
22.07.2019, 13:33
Ja, manchmal, nutz ich das auch, wenn ich umfangreicher unterwegs bin, mag nur das Geschmiere nicht so.

Achja, vielleicht zu den Einstellungssachen als Hintegrund. Als ich voll im Saft stand (ca. 20Tkm im Jahr) hatte ich das alles penibel eingestellt. Nun, das ist 20 Jahre her und zwischenzeitlich gab es auch Jahre mit 0,nix (wobei ich dann natürlich auch nichts am Rad verstellt habe) - was jetzt am besten bei mir wäre ist also noch/wieder Gegenstand der Forschung.

Schmerzen und allgemeinen Sitzproblemen kann man mit einem passenden Sattel sicherlich begegnen. Wenn Furunkel (oder die Vorstufe davon, also kleinere eitrige Sitzpickelchen) aber erst mal da sind, dann muss man den Hintern zuerst wieder in Form bringen, sonst experimentiert man an der falschen Stelle. Durch die Entzündungen sitzt man gerne mal etwas schief auf dem Sattel, um die vermeintlichen Druckstellen zu entlasten (voilà die Kettenreaktion ist da).
Wie dein Hintern letztlich aussieht, kannst aber nur Du selbst beurteilen :-) Jedenfalls werden Sitzprobleme gerne mal unterschätzt, hat aber jeder von uns schon mit zu kämpfen gehabt ;)

Indurey
22.07.2019, 19:23
Dann mal danke für die Antworten, und zur Zeit fahr ich ja mit den neuen Sätteln ganz gut und kann dabei noch ein paar Erfahrungswerte sammeln.

Nebenbei, und radsporttechnisch nicht mein Ernst: Aus schierer Neugierde, weil ich mal sehen wollte, was einem da für 1/10 bis 1/20 des normalen Preises angedreht wird, hab ich mal so einen Super-billig-China-Carbon-Sattel bestellt. Nun aus psychologischen Gründen kann ich mir den ans Rad hängen, wenn ich es denn mal wiege. Aber ich habe schon Schiss. mit sowas auf die Straße zu gehen oder mich mehr als 500m von zuhause zu entfernen. Hat das denn schon mal jemand gewagt? Ich würde das auch nicht als Empfehlung zur Nachahmung auffassen.

PAYE
22.07.2019, 19:33
Dass sich die Decke des Ur-Flite verformte über die Jahre (hin zur Bananenform) kann ich bestätigen.
Bei anderen Sätteln jedoch nicht. Z.B. meine tune KommVor aus Carbon bleiben wie sie sind.

Bei no name Carbon Sätteln hätte ich am ehesten Bedenken dass sich diese schmerzhaft plötzlich unter dem Allerwertesten auflösen!

Indurey
22.07.2019, 19:38
Dass sich die Decke des Ur-Flite verformte über die Jahre (hin zur Bananenform) kann ich bestätigen.
Bei anderen Sätteln jedoch nicht. Z.B. meine tune KommVor aus Carbon bleiben wie sie sind.

Bei no name Carbon Sätteln hätte ich am ehesten Bedenken dass sich diese schmerzhaft plötzlich unter dem Allerwertesten auflösen!

Das ist der Punkt. Steinhart wäre jetzt nicht meine Sorge, das ist schon, dass das Teil spätestens, wenn man mal am Berg nach hinten drückt einfach zerbrösselt (und ein, allerdings gewöhnliches, Sattelgestell ist mir unterwegs schonmal gebrochen, da wäre ich auch beinahe gestürzt).

PAYE
22.07.2019, 20:20
not funny:


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Auch Carbonsplitter im Sitzfleisch mag man nicht wirklich leiden ... :D