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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum haben sich Hydraulikbremsen nicht durchgesetzt?



johnson
07.11.2005, 23:01
Hallo,
eine Frage von einem relativ unbedarften Hobby-
Radler:
Ich habe vor einigen Wochen ein einige Jaare altes Triathlon-Bike mit Magura-Hydraulik-Bremsen zwischen die Finger bekommen. Bei einer Probefahrt fand ich die Bremsen eigentlich genau so brauchbar wie die Dura-Aces auf meinem eigenen Rad. Das bringt mich zu der Frage (nur so aus technischer Neugierde): Warum gibt es praktisch keine Hydraulik-Bremsen beim Rennrad? Ist es das Gewicht? (Obwohl diese gar nicht so schwer wirkten).

black
07.11.2005, 23:12
Die Lobby der Radialeinspeicher verhinderte dies bisher weitgehend erfolgreich, da diese Bremsen erst mit Bremsscheibe ihre Möglichkeiten voll ausreizen.

AndreasIllesch
07.11.2005, 23:15
Ich glaube, es waren hydraulische Felgenbremsen gemeint.

black
07.11.2005, 23:19
Ich glaube, es waren hydraulische Felgenbremsen gemeint.

Fiel mir dann auch ein => Änderung war bereits in Arbeit s.o.

johnson
07.11.2005, 23:22
Meine Frage bezog sich wirklich auf Felgenbremsen.

black
07.11.2005, 23:40
Meine Frage bezog sich wirklich auf Felgenbremsen.
Die werden etwas schwerer sein. Die feine Dosierbarkeit ist IMHO beim RR nicht so wichtig wie beim MTB. Die anderen Vorteile gibts nur mit Scheibe.

Wie groß ist eigentlich der RR-Markt gegenüber dem MTB-Markt? Vielleicht zu klein, damit sich mehrere Bremssysteme lohnen?

Außerdem: Wohin mit den Nokons?


Und nun die Hauptargumente: Optik und Tradition

kampfgnom
07.11.2005, 23:44
Durch die Nehmerzylinder sind Hydraulikbremsen immer etws klobiger als mechanische.
Viele wird daher die Optik etwas stören.
Und mit guten Zügen/-hüllen ist das Ansprechverhalten der klassischen Rennbremsen auch nicht so weit von dem vollhydraulischer entfernt... :rolleyes:

EDITH: sitzt hier faul herum und nörgelt, ich sei wieder zu lahm gewesen :(

kogafreund
07.11.2005, 23:54
Warum gibt es praktisch keine Hydraulik-Bremsen beim Rennrad? Ist es das Gewicht? (Obwohl diese gar nicht so schwer wirkten).
Es gab mal eine Hydraulik-Bremse f. Rennrad, nämlich die Magura HS 77, die im übrigen sehr leicht ist (ich fahre die HS 77 nach anfänglichen Vorbehalten selber, s. Bild). Leider kam diese Bremse fast zeitgleich mit den Bremsschalthebeln auf den Markt, so daß die HS 77 - trotz unbestrittener Vorteile - schon bei Markteinführung tot war.
Daß es heute noch keine Hydraulik-Bremse am Rennrad gibt, ist wohl eher "aus Gewohnheit" den Bremsschalthebeln zu verdanken, die immer noch den Seilzug brauchen.
Ich bin sicher, daß sich hier in Zukunft einiges am Markt tun wird.
Dennoch ist zu berücksichtigen: Die Fahrradbranche ist eine "Popelbranche".
Würden wir hier über Flugzeuge reden, wären einige Probleme längst schneller + besser gelöst.


...Und mit guten Zügen/-hüllen ist das Ansprechverhalten der klassischen Rennbremsen auch nicht so weit von dem vollhydraulischer entfernt...
Der Vergleich hinkt sehr. Hydraulische Bremsen sind im Hinblick auf Druckpunkt und Dosierbarkeit den Seilzugbremsen um Längen überlegen. Immer. Einfach mal ausprobieren.

Gruß

koga

johnson
07.11.2005, 23:57
@kogafreund
Das ist genau die Bremse, die auf dem Tria-Bike montiert war. Da das Rad, wie viele Triathlon-Räder mit Lenkerend-Schalthebeln ausgerüstet ist, spielt hier ja STI keine Rolle.

mountainbiker
07.11.2005, 23:59
Würden wir hier über Flugzeuge reden, wären einige Probleme längst schneller + besser gelöst.
Gruß
koga

Zu diesem Punkt gibt's einen fetten Einspruch! Weißt du wie lange es dauert für ein Flugzeug etwas Neues freizuprüfen? Und wieviel Kohle das kostet? Da ist es um einiges einfacher in Radbranche, die oftmals den einfachen Kunden als Testfahrer nutzt. ;) :heulend:

PD-7401
07.11.2005, 23:59
Wenn jemand eine verkaufen will, wäre interessiert.

kogafreund
08.11.2005, 00:01
Wird nur ganz schwer zu kriegen sein.
Hier habe ich gerade eine gefunden (müßtest aber wohl das ganze Rad kaufen):
:D

http://cgi.ebay.de/Rennrad-TREK-2100-Triathlon_W0QQitemZ7194943366QQcategoryZ30760QQrdZ 1QQcmdZViewItem

Marco Gios
08.11.2005, 08:48
Ich persönlich finde sie an einem leichten Rad mit halbwegs leichtem Fahrer etwas oversized. Ein Freund fährt sowas am Speedbike. Er hat sich bei Notbremsungen schon 2 mal damit auf den Pinsel gepackt, weil die Bremse so brachial zupackt, dass gleich beide Räder stehen während der Rest des Fahrades sich noch bewegt.
Wenn ich aber so an ein voll beladenes Reiserad denke, dann kann ein bisschen mehr Bremsleistung sicher nicht schaden. Am meinen alten Trekking-/Reise-Rad kommt dann selbst die sonst so giftige Suntour Pedersen-Bremse am HR an ihre Grenzen.

cluso
08.11.2005, 08:59
Wie Kogafreund schon ausführte:

Als die HS77 auf den Markt kam, waren bereits die "STI"s in Mode.
Aus diesem Grund und weil die Magura Bremse im Verhältniss schlicht zu teuer war hat sie sich bei den Rennradlern nicht durchgesetzt.

Bei den Triathleten sah die Sache anders aus: Lenkerendschalthebel und vielleicht ein höherer Hang/Drang zum Experimentieren.

Bei ebay gehen die HS77 teilweise zu Hammerpreisen weg. Vor kurzem sind 2 Bremshebel für knapp 120 Euro (Neupreis liegt nicht weit entfernt) weggegangen.

Gruß

cluso <-- der bisher die Bremse erst 2 (!!!) mal in der Wildbahn gesehen hat.

bike_andy
08.11.2005, 09:01
hallo zusammen,

ich fahre seit gut acht jahren die HS33 am mtb und die HS77 am rennrad
(siehe: http://www.campyonly.com/howto/lefthandshifting3.html).

diese extrem rafinierte lösung verdanke ich meinem bike-partner:
http://www.haroweb.de/andisbikeservice/kontakt.htm.

ich finde auch, dass diese technik mehr aufmerksamkeit und damit innovation verdient hätte.

aber aufgepasst es gibt da was interesantes neues :
http://www.alutech-bikes.com/de/rrbremse/index.html.

mal sehn ob das auch mit felgenbremse geht?
das wäre dann eine gute lösung mit der viele möglichkeiten offen sind.

Spargel
08.11.2005, 09:16
...und weil die Magura Bremse im Verhältnis schlicht zu teuer war...Na das wäre heutzutage wenigstens kein Problem mehr, wo doch die Leute die Hunderteuroscheine schon dutzendweise für schwachsinnige und potthäßliche Karbonkurbeln, von den Rahmen ganz zu schweigen, zum Fenster raus schmeißen. :ü

Und an noch ner anderen Verbindung Hydraulikgeber - Bremsschaltgriff wird gerade gearbeitet.
(Tobias, wann bist' endlich fertig?!? :heulend: )

ciao Christian

cluso
08.11.2005, 10:24
Na das wäre heutzutage wenigstens kein Problem mehr, wo doch die Leute die Hunderteuroscheine schon dutzendweise für schwachsinnige und potthäßliche Karbonkurbeln, von den Rahmen ganz zu schweigen, zum Fenster raus schmeißen. :ü

Und an noch ner anderen Verbindung Hydraulikgeber - Bremsschaltgriff wird gerade gearbeitet.
(Tobias, wann bist' endlich fertig?!? :heulend: )

ciao Christian


Stimmt, die Gehälter müssen sich ja in den letzten 2 Jahren mehr als verdoppelt haben :rolleyes:

Wobei ich ehrlichgesagt gar kein Bremsschalthebel brauche, komme gut mit den Rahmenschalthebeln zurecht. (jehova jehova jehova)

cone-A
08.11.2005, 12:19
Meiner Meinung nach ist der Hauptvorteil der Hydrostopper (schmutzunempfindliche Bremskraftübertragung) beim RR eher zweitrangig. Beim MTB schummelt sich halt in kürzester Zeit der Modder in die Bremszüge, so daß meistens nach einem Jahr im Gelände die Innenzüge und nach zwei Jahren auch die Außenzüge gewechselt gehören.

Beim RR ist im Normalbetrieb (wer hat da Roubaix gerufen?!) einfach nicht so viel Schlamm um die Züge (auch weil - im Gegensatz zu V-Brakes - die Zugklemmung aus der Dreckwurfzone des Reifens raus ist), so daß einfach nicht so viel Schlamm, Staub und Zeugs in die Züge kommt.

Ansonsten ist auch die HS 77 eine Felgenbremse mit allen Nachteilen wie schlechteres Naßbremsverhalten und Felgenverschleiß.

Warum also Mehrgewicht, Mehrpreis, Konventionenbruch :D ,... in Kauf nehmen, wenn der Vorteil nicht mal richtig zum Tragen kommt? Warten wir also ab, bis wir in 10 Jahren alle Scheibenbremsen fahren.

Gruß cone-A (der sich gerade ein neues MTB mit V-Brakes aufbaut :eek: )

Netzmeister
08.11.2005, 13:29
Ja, leider sind die Hydraulischen Felgenbremsen fast nur noch in Nischenbereichen zu finden (z.B. Fahrradtrial)
Und das Beste: man kann an einen Bremskörper zwei Bremshebel anschließen. Das geht zwar auch mit Seilzubremsen; bei Magura war das schon immer so.

Wahrscheinlich hat es sich nicht durchgesetzt, weil die Reparatur unbedarfter Hobbyschrauber in macher Öldusche endete.

Spargel
08.11.2005, 14:07
Welche Reparatur?

Drum hab ich sie ja, weil sie seit zwölf Jahren keine Reparatur braucht;
und zum Belagwechsel langt man n u r den Belag an und einen Inbusschlüssel fürs Geberzylindervolumen-Verstellschräubchen - und selbst dafür gibts jetzt ein schöneres (?) Rädchen. :)

ciao Christian

Widda
08.11.2005, 19:19
Wohl vor ein paar Jahren war die Scheibenbremstechnik noch nicht so ausgereift bzw.ist sie auch noch nicht. Scheibenbremsen sind für RR einfach noch zu schwer. Selbst wenn die Marta SL aus dem MTB-Bereich die leichteste Disc ist. Allerdings hab ich mal irgendwo gelesen, dass es Alu-Scheiben geben soll.


Ja, leider sind die Hydraulischen Felgenbremsen fast nur noch in Nischenbereichen zu finden (z.B. Fahrradtrial)

Mhm..eigentlich nicht wirklich. Die HS33 findet sich des öfteren bei den CC-Fahrern wieder, da sie wartungsarm ist. Mittlerweile verfluche ich meine Disc am MTB etwas, da die ab und an rumzickt und schleift.

Wie sähe es den mit schleifenden Scheiben im Radsport aus? Jedenfalls gehören für meinen Teil keine Scheibenbremsen an ein RR.

Arm Lancestrong
08.11.2005, 19:45
Also mal ehrlich, was wollt ihr denn mit 'ner Hydraulik-Bremse am Rennrad. Ich habe auch mit der herkömmlichen Bremse immer mehr als ausreichend Bremswirkung. Und das mit der Dosierbarkeit halte ich für nicht kriegsentscheidend. Ausserdem maltretiert die überaus kräftig zugreifende Hydraulik Bremse die Felge mehr als Not tut.
Beim MTB über Stock und Stein. Da macht es Sinn, allerdings nur mit einer Bremsscheibe, denn auch hier leiden die Felgen.

npk
08.11.2005, 22:20
Ich muss sagen das am MTB die HS33 die Bremse mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis überhaupt ist.

Von der Bremsleistung her absolut ausreichend und der Preis ist ein superschnäppchen. Ich war aber so blöd und habe meine verkauft und
mir eine LouiseFR dran gebaut. Natürlich ist die Bremsleistung das nonplusultra,
und der nicht vorhandene Felgenverschleiß auch ganz toll, und das gesparte
Gewicht am äußeren des Kreises auch, nur muß man bedenken, das die Bremsbeläge nach 1000km hin sind. In den Alpen geht das sogar noch schneller!
So ein Satz Beläge kommmt dann pro Bremse auf ca. 17€. Das ist ein teurer
Spaß!

Von daher würde ich fast jedem MTBler davon abraten diesen Disc Hype mit zumachen, und einfach ne HS33 fahren. Das gesparte Geld bei der Anschaffung einfach zum Teil in Ceramicfelgen investieren. Da hat man viel länger Freude dran und die Bremsbeläge halten doppelt solange und kosten nur die hälfte.

Am Rennrad habe ich bis heute noch keine Hydraulik vermißt. Eine Scheibe wäre eh der größte Schwachsinn überhaupt. So eine HS77 ist ja knuffig und witzig, nur würde ich meine Ergos dafür nicht hergeben. Einen Sinn sehe ich da auch nicht drin.

Arm Lancestrong
08.11.2005, 23:18
...., nur muß man bedenken, das die Bremsbeläge nach 1000km hin sind. In den Alpen geht das sogar noch schneller!
So ein Satz Beläge kommmt dann pro Bremse auf ca. 17€. Das ist ein teurer
Spaß!


Nimm mal die gesinterten Bremsbeläge, nicht die organischen. Der Unterschied im Verschleiß ist gravierend und die Bremsleistung annährend gleich.

Ich habe in den Bergen bei schlechtem Wetter, organische Beläge, die zuvor noch neuwertig waren, schon an einem Tag runtergefahren.

npk
09.11.2005, 13:02
Ich wollte jetzt mal die Koolstop testen. Der Verschleiß war bei
Endurance sowie Performance von Magura annähernd gleich. Die Bremswirkung war auch identisch.

Spargel
09.11.2005, 13:14
Ich würde bei den auf das Gesamtsystem Bremsschuh - Belag - Scheibe abgestimmten Scheibenbremsen keine Spielchen treiben, und beim Original-Belag bleiben (bzw wenn ich es weiß beim Zulieferer; der verkauft sie aber praktisch zum selben Preis).

Abgesehen davon, daß die technische Begründung bei Magura alles andere als ein PR-Gequassel ist, waren schon die Tests recht eindrucksvoll: Nix ist besser als das Original (ggfs das Performance-Original), allenfalls gleich gut - Preis siehe oben. Und die Gefahr des Totalausfalls durch thermische Probleme wegen anderem Belagmaterial ist eben auch noch zu berücksichtigen.

Es gab auch mal nen Test von Golf III Bremsbelägen in der ADAC Motorwelt: Original und ein Fremdhersteller, wohl der Zulieferer "sehr gut", der Rest befriedigend bis sehr mangelhaft, dabei auch Renommierte wie Brabus. Kein Wunder, ist ja ein abgestimmtes System.

Wer sich gute Scheibenbremsbeläge nicht leisten kann, sollte halt bei Felgenbremsen bleiben.

ciao Christian

Netzmeister
09.11.2005, 13:16
Für die Magura-RR-Bremsen gab es tatsächlich Brems-/Schaltgriffe, die aber weder mit den STIs noch mit den Ergos mithalten konnten. Ich denke das war mit einer der entscheidenden Gründe, warum sich Magura im RR-Bereich nicht durchsetzten konnte. Mal sehen, ob ich den Artikel noch finde...
Es ist richtig, dass im MTB auch die genannten Hydraulik-Bremsen finden; meistens sehe ich jedoch V-Brake-Teile verbaut.

Aus der Tour 07/93: