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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gewichstgrenze für (Aero) - Laufräder



wasserträger
14.10.2002, 13:31
Hallo!

Ich trage mich gerade mit dem Gedanken, mir ein paar neue Laufräder zu gönnen. Bis jetzt bin ich ein Standard - LRS gefahren mit 32 Speichen vorne und 32 Speichen hinten. Über Laufräder selbst gibt es hier ja eine Menge zu lesen, aber hat jemand eine Fausformel für mich, wieviel Gewicht die LRS mit unterschiedlicher Speichenzahl aushalten können.


Mein aktuelles Gewicht liegt bei ca. 73 Kg, 16 vorne und 20 hinten scheint da schon ein bisschen gewagt, oder?

Vielen Dank für Eure Antworten.

Wasserträger

messenger
14.10.2002, 13:51
Hängt von der Felge ab. Eine hart gespeichte Hochprofilfelge kann das gut ab. Habe bei auch 73kg weder mit 16/16 Vento, noch mit 20/20 Scirocco Probleme. Letztere stehen besser als mein 32L. open pro LR-satz.

Gruß mess.

yoda
14.10.2002, 14:20
Heutzutage gibt es sehr leichte Laufräder mit sehr wenigen Speichen, die auch von sehr schweren Fahrern gefahren werden können.
Der Grund ist, wie schon von meinen Vorrednern erwähnt, das hohe Felgenprofil, welches wie bei den Oversized-Rahmen mehr Steifigkeit bietet, als flache Kastenfelgen.

Ein extremes Beispiel sind die Citec3000plus mit 12 Speichen am Vorderrad (18 hinten). Trotzdem sind die sehr steif.


Zum Thema Laufräder ist die Website von Christian Smolik (http://www.smolik-velotech.de) zu empfehlen. Dort findest du auch was zu deiner Frage, wieviele Speichen (http://www.smolik-velotech.de/laufrad/06einsp.htm#Speichen-Minimierungen) ein Laufrad haben sollte.

Du musst bei Laufrädern mit wenigen Speichen aber mit mehr Speichenbrüchen rechnen, da die Speichenspannung in der Regel relativ hoch ist, um eine hohe Seitensteifigkeit zu erzielen.

messenger
14.10.2002, 18:59
...aber wenn Du genau nachliest, wirst Du finden, daß und warum sich HÖHERE Speichenspannung POSITIV auf ihre Haltbarkeit auswirkt.

Gruß mess.

yoda
15.10.2002, 13:56
@Messenger:

Ich bezog mich auf dies:


(...) Diese 6000 N (durch die Antriebskraft, Anm. v. yoda) wirken in Laufrad-Drehrichtung und können nur von den sogenannten Zugspeichen aufgenommen werden. Das sind jene Speichen, die von der Nabe aus gesehen nach links abgewinkelt sind. Bei unseren 36 Speichen trifft es nun nahezu nur die 9 Speichen auf der Zahnkranzseite, der rund 90% dieser Antriebskraft trägt, während der gegenüberliegende Flansch es lediglich mit den restlichen 10% zu tun bekommt. 90% von 6000 N macht 5400 N, geteilt durch 9 währen dann 600 N pro Speiche. Einzeln betrachtet sicherlich keine Extrembelastung, doch im Verbund mit den auch durch den Wiegetritt auftretenden Seitenkräften wird das auf Dauer doch zu einer insgesamt kernigen Belastung, die dann doch hin und wieder nach längerer Betriebsdauer diesen oder jenen Speichenbruch zur Folge haben.

Vor allem sportlich orientierte Radfahrer nehmen aus Gründen der Windschnittigkeit gern eine Reduzierung der Speichenanzahl vor. Das läßt natürlich die Belastung auf die einzelnen Speichen höher werden. Andererseits "hilft" sich aber Dank der Elastizität das spannungsgeladenen Gebildes Laufrad selbst, um die Kräfte auf die Speichen übermäßig groß werden zu lassen. Betrachten wir beispielsweise die Antriebslasten bei einem Shamal-Hinterrad mit nur 16 Speichen ingesamt: Hier längen sich die vorhandenen nur 4 Zugspeichen stärker und ein größerer Anteil der Antriebskraft gelangt über die Nabe auf den anderen Speichenflansch. Nehmen wir da einmal das Verhältnis 70 % Zahnkranzseite und 30 % Gegenseite an, so macht das 4200 N für die Zahnkranzseite und 1800 für die Gegenseite. Daraus resultieren dann 1050 N Zusatzlast für die Zugspeichen der Zahnkranzseite und 450 N Für die der Gegenseite.


Zusammengefasst kann man also sagen, dass auf die Zugspeichen durch das in die Pedale treten Kräfte wirken. Für jede einzelne Zugspeiche wird die Zusatzkraft zur Vorspannung größer, je weniger (Zug-)Speichen vorhanden sind.

In Smoliks Beispiel sind das 600N Zusatzkraft für ein 36 Speichen Laufrad und 1050N für ein 16 Speichen Laufrad.
Addiert man die Vorspannung hinzu hat man die gesamte Kraft, die an einer einzelnen Zugspeiche zieht. Je weniger Speichen das Laufrad hat, desto größer ist also diese Gesamtkraft pro Speiche und desto näher ist sie der Bruchlast.

messenger
15.10.2002, 19:12
Diese ständige Schwell-Belastungen, zu denen sich dann noch Belastungsspitzen durch Seiten- und Antriebskräfte sowie herbe Schlaglochrumpler hinzu gesellen, setzen den Speichen auf Dauer erheblich zu, ja sie "zerrütten" regelrecht die innere Materialstruktur der Speichen...

...Vertikal steife Felgen (Tropfen-Felgen), eine hohe Speichenspannung und die Verwendung von sogenannten DD-Speichen sorgen weiterhin dafür daß die Schwell-Lasten für die Speichen kleiner ausfallen.
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Fatal wäre also die Ansicht, durch geringe Vorspannung die Speichen vor gefährlichen Belastungsspitzen schützen zu wollen, weil damit die Schwellbelastungen erhöht würden (und das Laufrad wabbelweich wird).

Gruß mess.

yoda
15.10.2002, 20:22
Hallo Messenger,

du hast natürlich vollkommen recht, dass eine hohe Speichenspannung vor Speichenbrüchen schützt, das wollte ich nicht anzweifeln.

Was ich sagen wollte ist, dass man es mit der Vorspannung auch übertreiben kann. Wenn nämlich zu der Vorpsannung und der Antriebskraft noch andere Kräfte kommen können einige Speichen in den kritischen Bereich von ca. 2kN bis 3kN Zugspannung kommen, die eine Speiche maximal aushält. Dies betrifft insbesondere Laufräder mit geringer Speichenzahl, um die es ja ursprünglich ging.