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  1. #1
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    Leichtbau Sättel

    Buongiorno bzw. MoinMoin!
    Ich bin ganz neu hier und sehe mit Freuden die Leichtbau-Rubrik hier. Seit etwa acht Monaten baue ich extrem leichte Sättel, allerdings nicht wegen des niedrigen Gewichts, sondern wegen des Komforts. Das niedrige Gewicht ergab sich automatisch, hängt aber von den Gestellen ab, die ich drunter montiere. Seit Jahren nervt mich mein Bobbes auf längeren Touren, wenn ich auf Mallorca mehrere Stunden im Sattel sitze. Ich hab leider keinen Eisenarsch sondern offensichtlich ein sensibles Popöchen. In diesem Jahr reifte dort der Entschluss, selbst einen Sattel zu konstruieren, der federt, nachgibt, flext oder wie auch immer man es nennen will. Ich hab Erfahrung mit GFK und CFK sowie Formenbau, nach jahrelangem Surfboardbau und danach Formteilen für Motorräder, auch fürs Rad. Im Radforum hab ich den Werdegang meines Projekts ausführlich beschrieben. Die Sitzschalen waren von Anfang an kein Problem, die Herstellung der Rails war allerdings mit Lehrgeld verbunden. Langer Rede kurzer Sinn: Auf meiner ersten Testfahrt war ich sofort absolut begeistert. Für mein Gewicht (74 kg) und meinen Hintern (Sitzknochenabstand 11,5 cm) passt der Sattel perfekt, und die Ortsdurchfahrten in Tremosine, wo ich im Sommerhalbjahr lebe, verloren ihre Schrecken. Ich war sofort überzeugt davon, dass auch andere diesen Komfort schätzen werden und hab gleich weiter gebaut. Verkauft hab ich bisher erst einen einzigen Sattel, für 100 €, mit der Option, ihn bei Nichtgefallen wieder zurückzunehmen. Der Kommentar des Käufers: Der beste Rennradsattel der Welt. Kein Kommentar!
    Jetzt will er einen zweiten.
    Die Sitzschale ist aus Carbon und zwei anderen Geweben, darauf kommen 3 mm Zellgummi, und dann wird alles mit Leder überzogen. Aufwändig - in jedem Sattel stecken 10 bis 12 Stunden Arbeit. Vor allem die Rails halten auf, deshalb suche ich verzweifelt nach Spendern, die ihre ausgemusterten Rennradsättel spenden, natürlich gegen Portoübernahme. Falls die alten Rails noch taugen und nicht zu schwer sind.
    Nun zum Thema Leitbau. Ein paar Sättel hab ich gebaut die trotz des Polsters und des Leders unter 100 Gramm wiegen.
    Das hängt natürlich sehr stark vom verbauten Gestell ab, aber es ist machbar. Für Gewichtsfreaks. Bei 120 Gramm muss ich weniger Klimmzüge machen.
    Wer Zeit und Muße hat kann sich den Fred im Radforum mal anschauen. Und wer einen alten Sattel entbehren kann oder wer Interesse an meinen Sättel hat - immer mit der Rücknahme-Option - der soll sich melden. Langfristig bin ich natürlich nicht mit meinem derzeitigen Stundenlohn von etwa 8 € zufrieden. Materialkosten von 20 € kommen nämlich auch noch dazu, das Lehrgeld nicht eingerechnet. Ich muss damit kein Geld verdienen, aber ich will die Sättel auch nicht, bzw. nur an gute Freunde verschenken. Langfristig stelle ich mir einen Preis von € 200 vor, immer noch ein Schnäppchen, wenn man den Komfort zu schätzen weiß. Den Leichtbau gibts gratis dazu.
    Viel gebabbelt, mal sehen, wie das Echo hier ist.

    Grüße aus Hamburg
    Johnny, alias Max (Max war als Nick bereits vergeben)

    Hier der Link zum Sattelbau-Fred im Radforum: https://www.radforum.de/threads/3124648-sattelbau
    Geändert von Johnny B. Goode (21.11.2019 um 21:42 Uhr)

  2. #2
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    Und so sieht der jüngste Sattel nach erfolgreicher Railtransplantation aus:





    Das China-Carbongestell ist eine Spende und hat mir viel Arbeit erspart. Sehr stabil, deshalb auch etwas schwerer als normal.

  3. #3
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    Hab gerade den Faden im Radforum gelesen, schönes Projekt!
    Ich selbst sitze gerade sehr gut und bräuchte auch was mit hochgezogenem Hintern, aber Respekt für die handwerkliche Leistung und das tiefe Einarbeiten in die Materie.

    Leider ist das Leichtbau-Forum nicht mehr so gut besucht, also nicht traurig sein, wenn es keine so rege Diskussion gibt.

  4. #4
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    Danke, wolee.
    Ja, ich hab mich schon gewundert, dass bisher gar keine Reaktion auf meinen Beitrag kam. Aber ich kenne dieses Forum noch nicht. Im Radforum kenne ich mich inzwischen ganz gut aus und weiß, dass etliche meinen Fred mit Interesse verfolgen und mich auch unterstützen. Das freut mich natürlich. Es ist verrückt, dass ich so viel Zeit in den Bau von Sätteln investiere und eventuell am Markt vorbei produziere. Aber das glaube ich nicht. Wer so einen Sattel einmal ausprobiert hat, der wird begeistert sein. Vorausgesetzt, er gehört in die Zielgruppe, was den Sitzknochenabstand und das Schmerzempfinden seines Bobbes angeht. Eisenärsche können auf jedem Sattel sitzen, die Hauptsache, er ist hart.

  5. #5
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    Ein interessantes Projekt und für deine Motivation & den Einsatz.

    Meinerseits sitze ich seit Jahren perfekt auf tune KommVor, die mit ca. 95g auch nicht schwerer sind und ohne Aufwand zu bekommen. Sonst wäre ich wohl an deinem Produkt interessiert.

  6. #6
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    Heißt "Zielgruppe [...] Sitzknochenabstand", dass du nur mit einer Form arbeitest? Also "nur" jetzt nicht im Sinne einer Abwertung, sondern rein aus Interesse, ich bräuchte definitiv was Breiteres und ggf. Weiblicheres.

  7. #7
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    Paye: Schade, dass du so zufrieden bist.
    Neee, das freut mich für dich. Natürlich hätte ich auch viel Geld ausgeben können und mich mit dem Überangebot an Seriensätteln auseinandersetzen können. So hab ich viel Geld ausgegeben, bis ich - endlich - das optimale Material für meine Sättel gefunden habe. Mir macht das Bauen halt Spaß, vor allem jetzt, in dieser tristen Jahreszeit.

    Jule: Ich hab halt mit einer Form für meinen Hintern angefangen. Der erste Sattel war ja schließlich für mich gedacht, die nächsten auch noch (wer hat denn nur ein Rad?). Dann sollte mein bester Freund und Ironman einen bekommen. Der zieht immer mehrere Radhosen übereinander an, weil er ähnliche Probleme hat(te) wie ich. Natürlich kann ich breitere Formen bauen, das ist kein Problem. Als ich die erste Fahrt mit dem neuen Sattel gemacht hatte war ich hin und weg. Der war noch besser als ich zu erwarten gehofft hatte. Das hat mich dazu bewogen, weiter zu bauen, und jetzt hab ich so viele, dass ich mich endlich ums verkaufen kümmern muss.
    Bei Frauen hab ich keine Ahnung, wie deren Sättel aussehen müssen. Breiter, das leuchtet ein. Wieviel breiter? Welchen Sitzknochenabstand hast du? Ich glaube, Damensättel (so nennt man die wohl) bauen kürzer. Obwohl meine Sättel bereits relativ kompakt gehalten sind. Länge sieht zwar schneidig aus, aber bei mir zählen: Form follows Function, sowie Less is more. Beides Architektensprüche.
    Im Moment verbringe ich mehr Zeit in meiner Werkstatt als sonstwo, und ich bin froh, nicht immer nur dasselbe zu bauen. Also gib mir bitte genauere Angaben. Vielleicht kommen wir zusammen.
    Geändert von Johnny B. Goode (24.11.2019 um 14:14 Uhr)

  8. #8
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    Jetzt kommt Bewegung in das Projekt. Bisher gabs nur einen Kunden und mich. Ich hatte mich aber auch ein halbes Jahr nicht ums Verkaufen gekümmert, bin lieber in Italien (K)Rad gefahren. Jetzt hab ich innerhalb von ein paar Tagen drei weitere Bestellungen. Auf die Meinung der Mutigen bin ich gespannt.

  9. #9
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    Macht Spaß!

  10. #10
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    Das Kind hat jetzt auch einen Namen.

  11. #11
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    Auch wenn das Interesse hier gegen Null tendiert - ich bin dabei, einen weiteren Sattel vom Stapel zu lassen.
    Irgendwann geht die Post ab, wenn sich herumspricht, was für Poschmeichler meine MAX-Sättel sind.
    Zurzeit bauen wir eine Homepage, mal sehen, ob dann auch der Vertrieb löppt.

    Grüße vom Sattelmax

  12. #12
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    danke fürs teilen
    bei Bedarf demnächst Kontakt
    Gruß
    xlight
    ich bin heute da, wo morgen gestern war

  13. #13
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    Was soll das Besondere an deinen Sätteln sein? Worin unterscheiden sich diese vom üblichen Markt? Handmade in Germany kann nicht das Kaufargument sein...

  14. #14
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    Ich hab mich nicht mit dem Überangebot an Seriensätteln auseinandergesetzt. Inzwischen weiß ich zumindest, dass bestimmte Sättel, wie z.B. Tune Komm vor, sehr gut sein sollen.
    Meine Sättel baue ich, weil die Sitzschale federt und weil die Polsterung von 3 mm Zellgummi in meinen Augen optimal ist. Niemand sonst stellt Seriensättel so her, weil es viel zu aufwändig ist.
    Die Sättel sind saubequem, deshalb baue ich sie. Natürlich auch, weil's mir Spaß macht - und weil ichs kann. Und weil ich weiß, dass ich mit meinem empfindlichen Bobbes nicht allein bin.
    Kaufmännisch ist es absoluter Blödsinn. Bei um die 10 Stunden Arbeit, die in jedem Sattel drin stecken, und Materialkosten von ca. 15 € komme ich auf einen Stundenlohn von etwa € 8,50. Immerhin - für die ersten Sättel hatte ich noch deutlich länger gebraucht.
    Vielleicht bin ich verrückt, oder ein Träumer. Bisher hab ich nur Rückmeldung von zwei Mutigen. " Bester Rennradsattel der Welt". Ein weiterer Sattel ist gerade im Versand. Es geht erst langsam los, und wir sind dabei, eine Hompage zu erstellen, um weitere Interessenten anzusprechen. Als Fernziel stelle ich mir € 200 pro Sattel vor. Das halte ich dann für auskömmlich.
    Wer keinen Eisenarsch hat und vom Sitzknochenabstand her zur Zielgruppe gehört, für den dürften meine Sättel interessant sein. Dass sie außerdem noch leicht sind - unter 100 Gramm baue ich inzwischen nicht mehr, aber unter 120 Gramm - ist ein angenehmer Nebeneffekt dieser Bauweise. Wobei Polster und Leder das Gewicht negativ beeinflussen. Vielleicht werde ich in Zukunft statt des Leders auf Microfaser wechseln. Dann sind die 100 Gramm wieder realisierbar. Das Zellgummi ist vergleichsweise schwer, aber vom Komfort her unübertroffen.

  15. #15
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    Ich verstehe es ehrlich gesagt auch nicht. Was soll an einem Sattel von dir besser sein, als an den billigen Dingern aus China (Link). Ein Carbongestell, eine flexible Schale und ein dünnes Polster haben die auch.

  16. #16
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    Zitat Zitat von Mannomann Beitrag anzeigen
    Ich verstehe es ehrlich gesagt auch nicht. Was soll an einem Sattel von dir besser sein, als an den billigen Dingern aus China (Link). Ein Carbongestell, eine flexible Schale und ein dünnes Polster haben die auch.
    Die China-Settel sind jetzt aber eher nicht als Po-Schmeichler bekannt. Da ist schon noch Luft nach oben!
    wagalaweia

  17. #17
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    Ich verstehe es ehrlich gesagt auch nicht.
    Macht nix. Sättel kann man nur durch ausprobieren beurteilen. Wenn die China Kracher meinen Komfort hätten, dann würde ich mich auch nicht verstehen bzw. an meinem Verstand zweifeln.
    Mir hat zwar schon mal jemand geantwortet, es käme bei Sätteln auf Parameter an, daran könne man erkennen, ob ein Sattel für einen taugt oder nicht. Bullshit! Man muss drauf sitzen, und dann sagt einem der Bobbes, ob der Sattel passt oder nicht.
    Ein paar China Sättel hatte ich inzwischen in der Hand. Keiner federte wie meine Sättel, und 3 mm Zellgummi sind ein anderer Schnack als die Plaste, falls die Chinesen überhaupt gepolstert sind. Ich behaupte keineswegs, dass die Fernost-Sättel nix taugen, hatte selbst einen geordert, der nicht mal schlecht war. Meine sind halt deutlich besser - für meinen Hintern. Die Carbonrails von dem Asiaten hab ich inzwischen unter eine meiner Sitzschalen verpflanzt. Die können die Chinesen besser / schneller/ billiger bauen als ich. Ich wäre glücklich, wenn ich 100 Carbongestelle aus Fernost bestellen könnte.

  18. #18
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    Dinge handwerklich selbst herzustellen, Herzblut reinstecken, Gedanken zu entwickeln, Mühe und Zeit einzubringen...find ich gut!

    Aber mach Dich nicht abhängig davon, dass die Idee tragen kann und am Ende frustriert bist. Die Chance ist gering und hat auch nichts mit "versagen" zu tun.

    Gruß messi

  19. #19
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    Danke messi. Versagensängste hab ich keine. Aber das Bauen fällt mir leichter als das Vermarkten. Wenn ich nicht absolut überzeugt vom Komfort meiner Sättel wäre, dann wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, nach den vier Sätteln für meine Räder und einem für einen guten Freund weitere Sättel zu bauen. Ich will Radlern mit sensiblen Popos den Frust nehmen, wenn irgendwann der Hintern weh tut.
    Natürlich gibts jede Menge Anbieter, ich hatte keine Ahnung, dass es so viele sind. Aber da wird zum Teil auch richtiger Schrott angeboten und vermutlich auch gekauft. Für Eisenärsche kein Problem. Von Brooks hab ich kürzlich eine Werbung gesehen, 250 Gramm, 250 €. Bingo! Nix gegen Brooks, ich fahre selbst einen auf'm Trekker, allerdings mit (m)einer Lage Zellgummi entschärft. Nicht schön, aber saubequem, nur durch die zwei oder drei Millimeter, ist schon lange her, genau weiß ichs nicht mehr.
    Meine Rente ist zwar schmal, aber ich komme ganz gut zurecht. Geld muss ich also keins verdienen. Verschenken tu ich nur an gute Freunde. Es würde mir auch keiner danken. Was ich jetzt brauche, das ist vor allem Geduld. Kein Problem. Wenn es wirklich mal brummen sollte, dann sehe ich eher das Problem, dass mir die Lust am Bauen eventuell irgendwann vergeht.
    Abwarten ...

  20. #20
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    Zitat Zitat von Johnny B. Goode Beitrag anzeigen
    [...] Im Moment verbringe ich mehr Zeit in meiner Werkstatt als sonstwo, und ich bin froh, nicht immer nur dasselbe zu bauen. Also gib mir bitte genauere Angaben. Vielleicht kommen wir zusammen.
    Mach ich. Bin schon so einige Sättel gefahren und bisher war noch jeder bestenfalls ein Kompromiss. Weiß daher leider (noch) nicht, was ich brauche bzw. was anders sein muss. Habe jetzt nochmal einen Versuch gestartet, aber die nächste längere Tour muss noch etwas auf sich warten lassen. Ich melde mich ggf., finde es auch toll, was du machst .

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