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  1. #1
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    55 Stunden bis Rom

    https://youtu.be/RTC21zm04Q4

    Am vergangenen Wochenende (25.07.) haben wir ein Projekt in Angriff genommen, welches uns schon lange im Kopf herum ging: München - Rom
    Wir haben zwar in den vergangenen Jahren schon einige Erfahrungen mit langen non-stop Fahrten sammeln können z.B. München-Florenz, München-Turin u.a. (aufmerksame Forumsleser erinnern sich eventuell).
    Das Projekt München-Rom ist allerdings mit fast 1000 Kilometern Strecke doch noch von einem anderen Kaliber. Hatte es für die bisherigen Touren ausgereicht, eine Nacht durch zu fahren, so sind es hier zwei.
    Am Sonnabend (25.07) ist es dann soweit. Ein Wetterfester ist da, wir starten!
    Um 9 Uhr sind wir auf dem Rad. Diese Startzeit ist darauf abgestimmt, zum richtigen Zeitpunkt im Etschtal zu sein, um dort den nachmittäglichen Gegenwind zu vermeiden. Die Route von München nach Bozen kennen wir ja mittlerweile fast im Schlaf. Es ist eher bewölkt, keine extreme Hitze, also ideal für unser Vorhaben.
    Kurze (Verpflegungs-)Stopps in Lenggries, Schwaz, Innsbruck und auf dem Brenner. Entweder beim Bäcker oder diversen Supermärkten. Die Zeiten sind exakt so wie erwartet: nach 9 Stunden auf dem Brenner, nach 12 Stunden Ankunft in Bozen.
    Dort treffen wir uns mit unseren südtiroler Freunden Hannes und Ingrid zu einer Pizza im Römerkeller. Die etwas längere Pause tut jetzt gut. Bisher hat es gut geklappt. Vom Wetter her ist nichts zu befürchten. Wir gehen jetzt zwar ein wenig hinter unserem Zeitplan, dafür aber in guter Stimmung in die erste Nacht.
    Auch den weiteren Weg über Trento, Rovereto nach Verona haben wir in den letzten Jahren schon drei Mal nachts zurückgelegt. Am Bici-Grill hinter Salurn ist nach Mitternacht noch highlife. Eine Party ist mit dröhnenden Bässen im Gange. Wir gönnen uns eine Cola und beobachten das Treiben.
    Hinter Trento wimmelt es nachts immer von Kaninchen auf dem Radweg. So auch dieses Mal. Eines kann sich mit einem Sprung gerade noch vor meinem Rad in Sicherheit bringen, klatscht dann aber bei voller Fahrt bei Josi gegen das Schienenbein. Passiert ist dabei aber wohl keinem etwas, aber ich höre Josi noch lange hinter mir vergnügt vor sich hin kichern.
    Während wir auf dem Radweg unsere Magishine LED-Beleuchtung mit 1000 Lumen einsetzen, wechseln wir ab Rovereto auf die GVolt70 von Cateye, da wir jetzt bis Verona auf der SS12 unterwegs sind. Wir kommen hier mit etwas weniger Licht aus, und auch die wenigen Fahrzeuge die uns entgegenkommen werden so weniger geblendet.
    Für die Magishine LED-Beleuchtung haben wir 12600 mAh Akkus dabei, die Gvolt70 können wir für die zweite Nacht noch einmal mit einer Powerbank nachladen. So sollte es für zwei Nächte mit dem Licht reichen.
    In Bovolone, 26 Kilometer hinter Verona kenne wir das Cafe "Delikatessen", dort gibt es Frühstück für uns. Die Durchquerung der Po-Ebene bringt die erwartete Hitze. Bei Ferrara überqueren wir den Po, und gleichzeitig auch die 500 Km-Marke. Über Argenta, Lugo und Forli geht es weiter. Aufgrund vorhergehender Erfahrungen halten wir uns dieses Mal eher an die Hauptstraßen.
    Sie bieten meist den direktesten Weg und vor allem erträgliche Belagsqualität. Am Sonntag ist die Verkehrsdichte zum Glück nicht besonders hoch. In Forli ist dann ein erster Tiefpunkt erreicht, die Hitze und der Schlafentzug zeigen ihre Wirkung. Nach dem Stopp am örtlichen Lidl (hat zum Glück auch Sonntags offen) steuern wir den Stadtpark an. Hier gibt es den ersten Powernap der Tour.
    Etwa 25 Minuten Schlaf auf der Parkbank, dann sind wir wieder klar. Das hat gut geklappt! Die Wirkung ist frappierend gut für den doch geringen Zeiteinsatz.
    Kurz vor Cesena biegen wir rechts ab Richtung Apennin. Als Übergang haben wir das Savio-tal ausgewählt. Hier müssen wir hinauf bis auf 800 Meter Seehöhe. Bevor es das zweite Mal dunkel wird auf dieser Tour, gibt es erst noch mal lecker Pizza. Dann klettern wir weiter das Tal hinauf in die stockfinstere Apennin-Nacht.
    Einige Kilometer vor dem Scheitelpunkt dann ein Schild auf der Straße: Strada chiusa! Wir fahren weiter, eine Alternativroute gibt es für uns hier eh nicht. An der gesperrten Stelle angekommen, zeigen die Fahrradspuren an der Seite schnell an, das wir den Erdrutsch passieren können. Noch einige Zwischenabfahrten und Gegenanstiege, dann haben wir den Scheitel des Apennin geschafft.
    Die Straße, die auf der anderen Seite den Apennin wieder hinab führt, ist für den Straßenverkehr seit langem außer Betrieb. Bei den Vorbereitungen der Tour hatte ich mich allerdings bei lokalen Radsportlern diesbezüglich erkundigt. "Wir fahren da immer mit dem Rennrad, kein Problem!" Etwas ruppig ist es dann aber schon, das aufgelassene Sträßlein, besonders in völliger Finsternis. Wir drehen unsere Beleuchtung auf 1600 Lumen auf, damit geht es dann ganz gut.
    Um ein Uhr erreichen wir mit Sansepolcro wieder belebtes Gebiet. In dem historischen Zentrum hat sogar noch ein Cafe offen.
    Eine Stunde später fahren wir durch Citta di Castello. Carabinieri überholen uns, geben ein Handzeichen, wir möchten doch mal anhalten. Sie sind aber nur neugierig, was wir den mitten in der Nacht mit dem Rad so treiben. Unsere Tour sorgt für Begeisterung, und mit den besten Wünschen der Gesetzeshüter geht es weiter.
    Um 3 Uhr ist es Zeit für den nächsten Powernap, ein weitere folgt zum Sonnenaufgang auf Höhe Perugia. Vor dem Frühstück dann noch Garmin-Ärger. Zeitgleich fällt auf beiden 1030ern die GPS-Anzeige aus. Auf der Karte wird nicht mehr unsere korrekte Position angezeigt, ja, der Positionsanzeiger bewegt sich gar nicht mehr!
    Dass die GPS-Satelliten normal funktionieren, zeigt aber ein Blick aufs Smartphone. Typisch Garmin eben... Einige Kilometer weiter hat sich zumindest meiner eines Besseren besonnen, und zeigt wieder korrekt an. Josis nicht, aber der zählt wenigstens die Km weiter - wegen der Strava-Aufzeichnung! Ihr wisst ja: Ein Tour die nicht bei Strava aufgezeichnet wurde, hat nie ...
    Kurz darauf dann Frühstück in einer Bar in San Martino in Campo. Obligatorisch dabei ein süßes Hörnchen, genannt Cornetto.
    Wir sind insgesamt guten Mutes, haben wir die zweite Nacht und das Apennin-Abenteuer doch recht gut überstanden. Bis zu unserem Ziel kommt es jetzt aber noch einmal richtig dicke. 170 Kilometer, jede Menge Höhenmeter und die mit Abstand schlechtesten Straßen der ganzen Tour. Erstaunlich ist, das es auch jetzt, nach über 800 Kilometern und zwei durchgefahrenen Nächten, mit dem Treten immer noch ganz gut geht.
    Wir teilen uns den Schluss in handliche 60-Kilometer-Stückchen auf, machen zwischendrin noch einen Powernap und den einen oder anderen Verpflegungsstopp, legen die letzte 10 Kilometer auf dem Radweg am Tiber zurück, und dann ist es tatsächlich geschafft. Nach 55 Stunden und 970 Kilometern erreichen wir Rom, und machen kurz darauf das obligatorische Ankunftsfoto vor dem Petersdom.



    Weitere Bilder und Infos hier auf Strava: https://www.strava.com/activities/3821719574
    Geändert von Alpenbiker (04.08.2020 um 17:11 Uhr) Grund: Der Film zur Tour ist da!

  2. #2
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    Wahnsinn.
    Glückwunsch zur erfolgreichen Fahrt.

  3. #3
    Avatar von ßju
    ßju ist offline Spargummiwemser und Scheibenbremser
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    Super, Wahnsinn! Fehlen mir die Worte!
    .

  4. #4
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    Uff!
    Toll!
    Nur echt mit der Fahne

  5. #5
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    Wahnsinn!

    Rom => München bin ich auch schon mit dem Reiserad & Campinggepäck solo gefahren, nur habe ich mich da 2 Wochen lang rumgetrieben, nicht nur 2 Tage wie ihr!

  6. #6
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    Ja, mal wieder eine gigantische Leistung. Bin da immer wieder sehr fasziniert davon, das ist weit außerhalb meiner eigenen Möglichkeiten. *chapeau*

  7. #7
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    Wenn ich mich so tief verbeugen würde, wie ich es in Anbetracht dieser Leistung müsste, schlage ich mir einen ordentlichen Schmiss auf die Stirn!
    Irre!!
    S P I D E R M A N...das Rewel im Focus

  8. #8
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    Toll!

  9. #9
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    Zitat Zitat von Kathrin Beitrag anzeigen
    Toll!
    +1
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  10. #10
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    Geile Tour, Respekt!

    Spätestens die zweite Nacht stell ich mir zum Ende hin unglaublich hart vor.
    Zitat Zitat von Tourini Beitrag anzeigen
    Rennradfahren ist die Essenz der unerträglichen Leichtigkeit des Seins.

  11. #11
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    Fetten

  12. #12
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    Ja moin, warum denn auch nicht?
    --

  13. #13
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    Knaller! Macht doch mal schön Urlaub.

    Glückwunsch!
    Mihambo!

  14. #14
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    Glückwunsch

  15. #15
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    Riesenglückwunsch zu dieser extremen Leistung! Besonders freue ich mich für Euch, dass Ihr unfallfrei durchgekommen seid.

  16. #16
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    Mega-Leistung, meinen absolut höchsten Respekt hierfür !!!!

    Hab letzte Woche mal einen "200-er" gemacht, der ist ja pillepalle im Vergleich zu Eurer Tour

  17. #17
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    Dann muss Thomas seine Fahrten jetzt wohl in Kingtoms Kurzreisen umbenennen.

    Fetten Respekt.
    Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet
    und erst recht nicht, wie andere es gerne hätten

  18. #18
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    Super Radtour, super Leistung!! Was mich noch interessiert: Wie organisiert ihr die Rückfahrt?

  19. #19
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    Super Leistung. Sowieso. Aber ohne eine Mütze Schlaf? Beeindruckend.
    Ich bin kooperativ.

  20. #20
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    Rückflug

    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Super Radtour, super Leistung!! Was mich noch interessiert: Wie organisiert ihr die Rückfahrt?
    Rückflug Rom-München mit Lufthansa. 113 EUR/Person (Fahrrad kostet nichts extra, wenn es das Hauptgepäckstück ist).

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